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Mexiko: Dutzende Tote bei Explosionen auf mexikanischem Feuerwerksmarkt

Eine verheerende Kettenreaktion macht einen Pyrotechnikmarkt in Mexiko dem Erdboden gleich. Mindestens 29 Menschen kommen bei dem Unglück ums Leben. Dabei galt der Markt nahe der Hauptstadt als sicherster in ganz Lateinamerika.

Mexiko

Bei einer Explosion auf einem Markt für Pyrotechnik in Mexiko sind mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen

Als die ersten Feuerwerkskörper explodieren, gibt es kein Entkommen mehr. Ein Böller entzündet den nächsten, Raketen zischen durch die Luft, heftige Detonationen erschüttern den Pyrotechnikmarkt von Tultepec. Eine riesige graue Wolke schraubt sich in den Himmeln, im Inneren zucken weiter Blitze. Als sich der Staub legt, sind Hunderte Buden und Verkaufsstände dem Erdboden gleich gemacht.

"Die Leute sind losgerannt und plötzlich sind sie zwischen dem Rauch und den Funken der Raketen verschwunden", erzählt ein Sicherheitsmann des Marktes der Zeitung "Reforma". "Es waren 25 Minuten des Horrors." Die Wucht der Explosionen ist noch in mehreren Kilometern Entfernung zu spüren.


"Einige sind an 90 Prozent ihrer Haut verbrannt"

In dem Inferno kommen 29 Menschen ums Leben, Dutzende werden verletzt. "Mindestens 25 Menschen haben schwere Verletzungen davon getragen, einige sind an 90 Prozent ihrer Haut verbrannt", sagt der Stabschef der Regierung des Bundesstaates México, José Manzur, am Dienstagabend (Ortszeit) im Radiosender Fórmula. Drei schwer verletzte Kinder werden in eine Spezialklinik nach Galveston im US-Bundesstaat Texas geflogen.

Rettungskräfte aus der Region und der nahegelegenen Hauptstadt eilen zur Unglücksstelle und versorgen Verletzte. "Wir haben 29 Krankenwagen geschickt und Verletzte in Krankenhäuser gebracht", sagt der Präsident des Roten Kreuzes, Fernando Suinaga. Über dem Markt kreisen Hubschrauber. Spezialeinheiten der Polizei suchen mit Spürhunden in den Trümmern der Buden nach Verschütteten.

"Der Markt ist komplett zerstört", sagt der Leiter des Nationalen Zivilschutzes, Luis Felipe Puente. Nach Stunden bringt die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Die Streitkräfte evakuieren die umliegenden Gebäude. Ermittler der Generalstaatsanwaltschaft suchen nach der Unglücksursache.

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto schreibt auf Twitter: "Mein Beileid für die Familien jener, die bei diesem Unglück ihr Leben verloren haben. Den Verletzten wünsche ich eine baldige Besserung." Der Gouverneur von México Eruviel Ávila kommt mit Angehörigen der Opfer zusammen. "Ich habe den Familien meine Unterstützung versichert", sagt der Regierungschef nach dem Treffen.

In Mexiko wird traditionell viel geböllert

Tultepec ist das Zentrum von Mexikos Pyrotechnik-Industrie. Auf dem Markt San Pablito sollen 80 Prozent allen Feuerwerks in Mexiko verkauft werden. Aus dem ganzen Land kommen Leute in den Ort rund 40 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt, um sich mit Raketen, Böllern und Feuerwerk einzudecken.

In Mexiko wird traditionell viel geböllert. Ob Geburtstagsfeiern, katholische Prozessionen oder Dorffeste - Raketen und Böller gehören einfach dazu. Besonders gut läuft das Geschäft zum Nationalfeiertag im September und im Dezember, wenn die Wallfahrt der Jungfrau von Guadalupe, Weihnachten und Silvester anstehen.

Von August bis Jahresende sollen in San Pablito nach Angaben der Marktverwaltung 100 Tonnen Feuerwerk verkauft werden. "300 Händler vertreiben legal ihre Produkte, mit der Genehmigung des Verteidigungsministeriums", sagt Markt-Chef Germán Galicia Cortes. Kunden dürfen höchsten zehn Kilo Feuerwerk kaufen und werden über die Sicherheitsregeln informiert.

San Pablito sei der sicherte Pyrotechnik-Markt in ganz Lateinamerika, sagte der Generaldirektor des mexikanischen Pyrotechnik-Instituts, Juan Ignacio Rodarte Cordero, noch vor wenigen Tagen. "Es besteht ausreichend Abstand zwischen den Ständen, damit es im Falle von Funkenflug keine Kettenreaktion gibt."

Es seien Feuerlöscher, Wasser, Löschsand und Werkzeuge vorhanden, sagt Markt-Leiter Galicia Cortes. Die Händler wüssten zudem, was im Falle eines Brandes zu tun sein. Dennoch ereigneten sich allein in diesem Jahr laut einem Bericht der Zeitung "Milenio" bereits vier Explosionen in der Ortschaft.

Pyrotechnik-Einkauf endet in Flammemmeer

Auch in anderen Regionen Mexiko kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. 2013 kamen bei der Explosion von Feuerwerksraketen während einer Prozession im Bundesstaat Tlaxcala 16 Menschen ums Leben, 153 weitere wurden verletzt. An Silvester 2003 wurden bei einer Explosion auf einem Pyrotechnik-Markt im Bundesstaat Veracruz 28 Menschen getötet.

Auf dem Markt von Tultepec waren zum Zeitpunkt des Unglücks nur recht wenige Kunden unterwegs, sagt der Händler Armando Senecio im Fernsehsender Foro TV. Auf dem Markt werde nur handgemachtes, harmloses Feuerwerk verkauft. "Das Verteidigungsministerium erlaubt uns nicht, gefährliches Material zu verkaufen", sagt er.

Bei einer verheerenden Kettenreaktion wie am Dienstag können allerdings auch viele kleine Raketen und Böller zusammen eine gewaltige Explosion auslösen. Für die Opfer der Katastrophe endet der vorweihnachtliche Pyrotechnik-Einkauf in einem Flammenmeer. 

Denis Düttmann / DPA