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Pakistan: Personenzüge rasen ungebremst zusammen

In einer fatalen Kettenreaktion sind in Pakistan drei Schnellzüge miteinander kollidiert. Verursacht wurde der Zusammenprall offenbar durch den Fehler eines Zugführers. Die Behörden rechnen mit bis zu 200 Toten.

Beim schwersten Zugunglück seit mehr als zehn Jahren sind am Mittwochmorgen in Pakistan mindestens 120 Menschen ums Leben gekommen, wie die Bahngesellschaft Pakistan Railways mitteilte. Die Zahl der Opfer könne auf mehr als 200 steigen. Hunderte weitere wurden nach Polizeiangaben verletzt. An dem Unglück in der südpakistanischen Provinz Sindh waren drei Personenzüge beteiligt, 13 Waggons seien zerstört worden. In den Zügen saßen schätzungsweise 1000 Menschen. Armee und Polizei unterstützen die Rettungsarbeiten.

Minütlich werden Verletzte und Tote geborgen

Der örtliche Polizeichef Agha Mohammed Tahir sprach von einer "grauenhaften Situation". Rettungskräfte befreiten minütlich Verletzte aus den Trümmern, die Opfer wurden in umliegende Kliniken gebracht. An der Unglücksstelle lägen Körperteile, Glassplitter und Metallfetzen verstreut, sagte Tahir. Die Helfer müssten teilweise die Waggons aufschneiden, um die Verletzten zu erreichen. "Es waren viele Menschen in den Zügen, und es gibt eine Menge Opfer", sagte Tahir.

Nach Angaben von Bahnsprecher Abdul Asis fuhr gegen 04.00 Uhr (Ortszeit) der aus Lahore kommende Karachi-Express auf den Quetta-Express auf, der wegen technischer Probleme am Bahnhof der Stadt Ghotki zum Stehen gekommen war. Mehr als ein Dutzend Waggons sprangen aus den Gleisen. Ein dritter Expresszug, der aus Karachi kam, krachte dann auf einem weiteren Gleis gegen die Waggons. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf sagte, es handele sich um einen Unfall. Sabotage schloss er aus, kündigte aber dennoch eine Untersuchung an. Der Bahngesellschaft zufolge war menschliches Versagen die Ursache für das verheerende Unglück: Bahnchef Abdul Wahab Awan sagte, der Zugführer des Expresszugs aus Karachi habe ein Stopp-Signal nicht beachtet.

Szenen der Verzweifelung

"Wir schliefen und wurden von einem lauten Knall geweckt", sagte die 22-jährige Suraya, die das Unglück überlebte. "Ich fiel auf den Boden. Dann hörte ich die Schreie." Ein Kameramann der Nachrichtenagentur AP, Naveed Zubairi, der mit seiner Familie nach Karachi unterwegs war und leicht verletzt wurde, beschrieb die Szenen der Verzweiflung nach der Kollision: "Meine Kinder schrien im Dunkeln. Mit meinem Mobiltelefon leuchtete ich die Umgebung ab. Es gab Verletzte. Ich stieg aus dem Wagen. Vier Wagen eines anderen Zuges lagen auf dem Nachbargleis auf der Seite, und die Leute darin riefen um Hilfe. Sie schlugen Fenster ein, um herauszukommen."

Die pakistanische Eisenbahn gilt als technisch veraltet. Wiederholt kam es in der Vergangenheit zu Zugunglücken, die auf Materialdefekte oder menschliches Versagen zurückgeführt wurden. Im Dezember 1989 kamen bei Sangi, 60 Kilometer von Ghotki entfernt, 400 Zugfahrgäste ums Leben. Zuletzt wurden am 5. März dieses Jahres fünf Menschen tödlich verletzt, weil ein Zug in der Provinz Punjab entgleiste.

DPA/AP / AP / DPA