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Feminismus-Debatte: Großbritannien ärgert sich darüber, was die "Daily Mail" aus diesem Foto machte

Die "Daily Mail" berichtete gestern über ein Treffen zwischen Premierministerin Theresa May und der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon. Themen wie Brexit oder schottische Unabhängigkeit interessierten das Boulevardblatt weniger - wohl aber die Beine der Politikerinnen.

Zu sehen sind Nicola Sturgeon und Theresa May, sitzend.

Dieses Bild nahm die "Daily Mail" als Anlass für eine Bewertung von Theresa Mays und Nicola Sturgeons Beinen

Die beiden mächtigsten Politikerinnen Großbritanniens haben am Montag über den Brexit und die schottischen Unabhängigkeits- bestrebungen diskutiert - aber die Zeitung "Daily Mail" interessierte sich nur für ihr Aussehen. Das Boulevardblatt widmete ihre Titelgeschichte am Dienstag den Beinen der britischen Premierministerin Theresa May und der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon.

"Es war zwar kein Duell der hochhackigen Schuhe, aber es herrschte eine unverkennbar frostige Atmosphäre", hieß es auf der Titelseite zu dem Foto vom Treffen der beiden Politikerinnen in Glasgow. Es zeigt May und Sturgeon nebeneinander sitzend, sie tragen ähnliche Kleidung aus Rock und Blazer, ihre Beine sind bis oberhalb der Knie zu sehen. Während May die Beine parallel zueinander abstellt, schlägt Sturgeon ihr linkes über das rechte Bein. Mit ihren "marineblauen kastenförmigen Blazern und Röcken, die knapp über dem Knie enden, schimmernden transparenten Strumpfhosen und spitzen Schuhen" hätten May und Sturgeon "den Standard-Look von Karrierefrauen eines bestimmten Alters weltweit", lästerte die Stil-Expertin der Zeitung, Sarah Vine.

Der Ersten Ministerin Schottlands wird ein "direkter Versuch der Verführung" vorgeworfen

Vine analysierte auch die Haltung der Beine: "Mays berühmte lange Extremitäten sind sittsam arrangiert", schrieb sie. "Sturgeons kürzere, aber unbestritten stärker geformte Schenkel sind insgesamt aufreizender." Sturgeons Pose sei "ein direkter Versuch der Verführung."

Die Kritik an den Kommentaren ließ nicht lange auf sich warten. Die frühere Frauen- und Gleichstellungsministerin Nicky Morgan nannte die Reduzierung der beiden Politikerinnen auf ihre Beine einen "entsetzlichen Sexismus". Labour-Chef Jeremy Corbyn twitterte: "Es ist 2017. Sexismus muss Geschichte sein. Schande für die 'Daily Mail'". Sein Vorgänger Ed Miliband schrieb: "Die 50er Jahre riefen an und forderten ihre Schlagzeile zurück."

Ärger auf Twitter

Auf Twitter kommentierten zahlreiche Nutzer den Artikel. "Was müssen Politikerinnen noch tun, um ernst genommen zu werden?", fragte Leanne Wood.

 Die BBC berichtete über einen ungenannten Nutzer, der diese Parodie des Titelblatts beisteuerte: statt Theresa May und Nicola Sturgeon sind nun unvorteilhafte Bilder von männlichen Politikern wie Ex-Premier David Cameron, Labour-Chef Jeremy Corbyn oder Außenminister Boris Johnson zu sehen.

Bei männlichen Politkern scheint das Interesse an schönen Beinen absurd - wie diese Montage zeigt.

Bei männlichen Politkern scheint das Interesse an schönen Beinen absurd - wie diese Montage zeigt.



Kampagne gegen Sexismus



jse/DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?