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Schweinegrippe: Deutsche Infizierte sind auf dem Weg der Genesung

Bislang blieben die Todesopfer der Schweinegrippe auf Mexiko begrenzt, doch das ist nun vorbei: Der Virus H1N1 hat einen Amerikaner getötet - ein noch nicht einmal zwei Jahre altes Kind. Auch in Deutschland breitet sich der Erreger weiter aus. Die Regierung warnt jedoch vor Panikmache, und den betroffenen Patienten geht es bereits besser.

Die US-Regierung hat am Mittwoch den ersten Todesfall durch die Schweinegrippe bestätigt. Dabei handele es sich um ein 23 Monate altes Kind in Texas, teilte die Seuchenbehörde CDC in Atlanta mit. Es ist das erste Todesopfer dieser Krankheit außerhalb Mexikos. Insgesamt sind in den USA bisher 64 Menschen nachweislich an der Schweinegrippe erkrankt. Unterdessen warnte die Bundesregierung vor Panikmache. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD)riet aber gleichzeitig von Reisen nach Mexiko ab. Ihre französiche Amtskollegin Roselyne Bachelot kündigte sogar an, sie werde die EU am Donnerstag zur Aussetzung aller Flüge nach Mexiko auffordern.

In Deutschland gibt es inzwischen drei bestätigte Erkrankungen mit dem Virus. Der Erreger A/H1N1 sei bei einer 22 Jahre alten Frau in Hamburg, einem Mann Ende 30 in Regensburg sowie einer 37-Jährigen aus Kulmbach nachgewiesen worden, teilte das Robert-Koch-Institut am Mittwoch in Berlin mit. Alle waren zuvor in Mexiko gewesen, wo das neuartige Virus zuerst massiv aufgetreten ist. Daneben seien einzelne weitere Verdachtsfälle aus unterschiedlichen Bundesländern in Untersuchung, berichtete das Institut.

Die 22-Jährige war am Wochenende über Düsseldorf nach Hamburg zurückgekehrt und mit Influenza-ähnlichen Symptomen ins Universitätskrankenhaus Eppendorf eingeliefert worden. "Wir checken jetzt das Umfeld der Patientin ab", sagte ein Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Es werde untersucht, zu wem die junge Frau Kontakt gehabt habe und ob diese Menschen Grippesymptome aufwiesen. Nötigenfalls werde auch mit den Behörden in Düsseldorf Kontakt aufgenommen. Die Patientin war im UKE sofort isoliert und mit Medikamenten behandelt worden, hieß es. Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut.

Der zweite Erkrankte ist nach Angaben des RKI ein Mann Ende 30 aus dem südlichen Landkreis Regensburg, der in der Regensburger Uni-Klinik behandelt wird. Er war vor einer Woche mit einer Reisegruppe aus Mexiko zurückgekehrt. Der Patient befindet sich nach der Behandlung mit dem Grippemittel Tamiflu auf dem Wege der Besserung und ist bereits fieberfrei.

Beim dritten Fall handelt es sich um eine 37-Jährige aus Kulmbach. Auch hier sei die erste Diagnose in Regensburg gestellt worden. Nach Angaben des Landratsamtes Kulmbach war die Frau vergangene Woche zusammen mit ihrem Mann aus dem Badeort Cancún zurückgekehrt. Als sie am Freitag unter grippeähnlichen Symptomen wie Gelenkschmerzen und Fieber litt, ging das Ehepaar zum Arzt, der das Gesundheitsamt verständigte. Mittlerweile ist die Frau wieder genesen.

"Keine allgemeine Gefährdung in Deutschland"

Bundekanzlerin Angela Merkel erklärte, die Regierung treffe alle Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung vor der Schweinegrippe. "Wir sind in allen Fragen gut vorbereitet." Aus den Epidemien der vergangenen Jahre habe man gelernt und entsprechende Schutzpläne aufgestellt. "Wir überprüfen jetzt an allen Stellen, ob die notwendigen Vorkehrungen getroffen sind."

Auch Gesundheitsministerin Schmidt versicherte, in Deutschland werde alles getan, um eine Pandemie zu verhindern. Aber "niemand von uns weiß, wie die Dynamik weitergeht." Neben den drei Erkrankten gebe es vier Verdachtsfälle, die sich nicht bestätigt haben. Zwei weitere seien noch nicht abschließend geklärt. Getroffen habe es bislang ausschließlich Menschen, die selbst in Mexiko gewesen seien. "Wer nicht unbedingt nach Mexiko reisen muss (...), sollte das verschieben", mahnte Schmidt. Sie hoffe, dass am Donnerstag ein gemeinsames Vorgehen der europäischen Länder beschlossen werde.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gibt es für die Bevölkerung in Deutschland nach wie vor "keine allgemeine Gefährdung" durch das neue Virus. "Generell empfohlene persönliche Hygienemaßnahmen sollten aber besonders beachtet werden, insbesondere bei Kontakt zu Reiserückkehrern aus betroffenen Regionen". Vor allem beim Niesen oder Husten könnten Grippe-Erreger auf die Hände gelangen und dadurch weiterverbreitet werden.

Der deutsche Virologe Alexander Kekule warnte vor Panikmache. Das Schweinegrippen-Virus habe eine "niedrige Gefährlichkeit, eine niedrige Aggressivität", sagte er in der ARD. Es habe bei weitem nicht das Gefährlichkeitspotenzial von dem Virus der Spanischen Grippe von 1918. Allerdings sei nie auszuschließen, dass sich ein Virus im Verlauf einer Epidemie oder Pandemie verändere. Auch die Bundesregierung warnte vor Hysterie: Im Kabinett habe Schmidt bekräftigt, dass die Fälle in Deutschland behandelbar seien, sagte Regierungssprecher Thomas Steg.

Die Weltgesundheitsbehörde WHO erklärte, sie könnte ihre Pandemie-Warnung auf die zweithöchste Stufe fünf heraufsetzen, sollte sich bestätigen, dass Infizierte in mindestens zwei Ländern den Virus in signifikanter Weise an andere Menschen weitergeben. Eine weltweite Verbreitung könne zwar noch abgewendet werden, dennoch müssten sich alle Länder auf den schlimmsten Fall einstellen. Insbesondere die Entwicklungsländer würden im Pandemie-Fall unverhältnismäßig hart getroffen.

Schweinegrippe erreicht Österreich

Die österreichischen Gesundheitsbehörden bestätigten am Mittwoch den ersten Fall einer Schweinegrippe-Erkrankung in der Alpenrepublik. den Angaben zufolge handelt es sich um eine 28-Jährige, die sich bei der Rückreise von Guatemala nach Wien bei einem Zwischenstopp in Mexiko mit dem Virus infiziert hat. Die Frau, der es den Umständen entsprechend gut gehen soll, liegt in einer Wiener Klinik auf der Isolierstation.

In Großbritannien gibt es drei weitere bestätigte Fälle, darunter ein 12-jähriges Mädchen aus Torbay in Südwestengland. Alle drei seien von einer Mexiko-Reise zurückgekommen. Die Medikamente würden gut anschlagen. Damit steigt die Zahl der bestätigten Schweinegrippe-Fälle im Vereinigten Königreich auf fünf. In Spanien erhöhte sich die Zahl der Erkrankten von zwei auf vier, bei 59 Verdachtsfällen. Auch Neuseeland, Kanada und Israel melden Infizierte.

Mexiko setzt Zahl der Todesopfer herunter

Die mexikanischen Behörden korrigierten am Dienstagabend (Ortszeit) die Zahl der bestätigten Schweinegrippe-Toten von bislang 20 auf sieben. Gesundheitsminister José Angel Córdova verwies darauf, dass für die Weltgesundheitsorganisation nur in sieben Fällen die Kriterien erfüllt seien. Die Zahl der Grippetoten insgesamt in Mexiko sei um sieben weitere auf 159 gestiegen. Nur noch 1.311 Menschen würden im Krankenhaus behandelt. Insgesamt gebe es fast 2.500 Verdachtsfälle auf Schweinegrippe. Die Behörden setzten mittlerweile Schnelltests ein, um eine Infektion mit anderen Typen von Grippeviren auszuschließen, sagte Cordova. Endgültig nachgewiesen wird die Schweinegrippe mit zeitaufwendigen Tests.

Das öffentliche Leben in Mexiko-Stadt liegt weitgehend lahm. Landesweit wurden alle archäologische Stätten geschlossen, die ein beliebtes Touristenziel sind. Auch Kreuzfahrtschiffe steuern Mexiko nicht mehr an.

DPA/AP/AFP / AP / DPA