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"Sklavenmarkt" auf Facebook: Mädchen für 500 Kühe und drei Autos versteigert

Auf Facebook boten sich fünf Männer aus dem Sudan einen wahren Bieterkrieg. Aber es ging nicht etwa um einen Fernseher oder eine antike Rarität, sondern um eine "jungfräuliche Braut".

Im Sudan werden mehr als 50 Prozent der Mädchen verheiratet, bevor sie 18 werden

Im Sudan werden mehr als 50 Prozent der Mädchen verheiratet, bevor sie 18 werden, obwohl es gesetzlich verboten ist (Symbolbild)

Picture Alliance

Ein 17-jähriges Mädchen aus dem Sudan ist Opfer einer menschenverachtenden Auktion geworden. Ihre eigene Familie bot sie über Facebook zum Verkauf an. "Wie viele Kühe seid ihr bereit zu bezahlen, um sie zu heiraten?", habe ein User unter dem Namen Kwabena Frimpong Manso seine Follower gefragt und ein Bild des Mädchens gepostet, berichtet die lokale Zeitung "Zambian Observer". Fünf Männer haben sich daraufhin einen Bieterkrieg geliefert. Unter ihnen auch David Mayom Riak, der stellvertretende Gouverneur des südsudanesischen Staates Eastern Lakes State.

"Ich kenne die Familie des Mädchens sehr gut, da wir lange Nachbarn gewesen sind", sagte er dem Radiosender "Radio Tamazuj". "Ich habe der Familie versprochen, sie zu heiraten." 250 Kühe habe er für sie geboten. Das einzig problematische war für ihn: "Ich weiß, dass sie minderjährig ist. Aber das Problem ist, dass wenn ich warte, sie mir von einem anderen weggeschnappt wird."

Doch Riaks Gebot war zu niedrig. Der Geschäftsmann Kok Alat bot für das Mädchen 500 Kühe, drei Autos und 8500 Euro und bekam damit den "Zuschlag".

Facebook schreitet bei Auktion im Sudan zu spät ein 

Am 3. November fand schließlich die Hochzeit statt. Die 17-Jährige wurde lokalen Medienberichten zufolge Alats zehnte Ehefrau. Auf Facebook wurden Fotos der Hochzeit veröffentlicht, die das Mädchen in einem weißen Brautkleid mit versteinertem Gesicht neben ihrem breit grinsenden Ehemann zeigen. 

Facebook reagierte erst nach der Hochzeit. Die Posts wurden entfernt und der verantwortliche User gesperrt. "Jede Form von Menschenhandel [...] ist auf Facebook nicht zulässig", erklärte ein Sprecher gegenüber der Thomson Reuters Foundation. Warum die Versteigerung nicht rechtzeitig unterbunden wurde, erklärte er jedoch nicht.

"Dieser barbarische Einsatz von Technologie erinnert an Sklavenmärkte. Dass ein Mädchen auf der größten Social-Networking-Site der Welt verkauft werden kann, ist unvorstellbar", sagte George Otim, Leiter der Hilfsorganisation Plan International South Sudan. "In der südsudanesischen Kultur ist zwar eine Mitgift üblich, aber nichts kann den Umstand entschuldigen, dass dieses Mädchen - das noch ein Kind ist - als nichts anderes als ein Objekt behandelt und an den Meistbietenden verkauft wurde."

Auch Monica Adhiue, stellvertretende Geschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation National Alliance for Women Lawyers, verurteilte die Auktion als "schockierend und traurig". "Diese Praxis ist eine schwerwiegende Menschenrechtsverletzung und verletzt die Rechte eines Mädchens", sagte sie dem Nachrichtenportal "VOAs South Sudan in Focus"

Preis für Kühe in die Höhe getrieben

In Awerial, dem Bezirk, aus dem das Mädchen stammt, macht man sich hingegen Sorgen um die steigenden Preise für Kühe. Weil Männer um "das teuerste und schönste Mädchen der Gegend" gefeilscht hätten, seien die Preise explodiert, beklagte der Leiter einer Jugendorganisation gegenüber "Radio Tamazuj". "Der Preis für eine Kuh ist in der Region von 50.000 SSP auf 150.000 SSP gestiegen", sagte er. Umgerechnet sind es jetzt knapp 2800 Euro. "Der Brautpreis ist zu hoch und das wirkt sich auf unsere Jugend aus."


Quellen: Unicef/"Radio Tamazuj"/"Zambian Observer"/Thomson Reuters Foundation/"VOAs South Sudan in Focus"

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ivi
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