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Keine Adresse vorhanden: Draußen tobte der Taifun: Notunterkunft in Tokio verweigerte Obdachlosen den Zutritt

Der verheerende Wirbelsturm "Hagibis" forderte in Japan 66 Menschenleben. In Notunterkünften suchten die Menschen Schutz vor Regen und Sturmfluten. Doch zwei Obdachlosen wurde diese Möglichkeit verweigert.

Ein Mann bei Aufräumarbeiten in Hoyasu in der Nähe von Nagano

Der Wirbelsturm "Hagibis" hinterließ in weiten Teilen Japans, wie hier in Hoyasu in der Nähe von Nagano, eine Spur der Verwüstung 

Getty Images

Am Wochenende fegte Taifun "Hagibis" mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 216 Stundenkilometern über weite Teile Japans hinweg und hinterließ dabei eine Spur der Verwüstung. Mehr als 140 Flüsse traten über die Ufer und überschwemmten ganze Wohngebiete. In der mit am schwersten betroffenen Provinz Nagano und anderen Regionen des bergigen Landes gingen vielerorts Erdrutsche und Schlammlawinen nieder. Hunderte von Häuser wurden zum Teil vollkommen zerstört. Die Zahl der Todesopfer ist inzwischen auf 66 gestiegen, mehr als 210 wurden verletzt. Das berichtete der japanische Fernsehsender NHK am Dienstag. Weitere 15 Menschen werden demnach weiter vermisst.

Während viele Menschen in Notunterkünften Schutz suchten, wurde zwei Obdachlosen in Tokio der Zutritt verweigert. Und das nur, weil sie keine Adresse angeben konnten. 

Obdachloser an Notunterkunft abgewiesen

Wie verschiedene Medien berichten, soll sich das Personal im Evakuierungszentrum an einer Grundschule im Bezirk Taito geweigert haben, die Obdachlosen reinzulassen, mit der Begründung, die Unterkunft sei nur für Bewohner des Bezirks. Demnach wurden sie aufgefordert, ein Formular auszufüllen und dort ihre Adressen anzugeben. Weil sie jedoch keine Adressen angeben konnten, wurden sie wieder weggeschickt.  

Einer der Männer, ein 64-Jähriger erklärte gegenüber der "Asahi Shimbun", er habe eine Adresse in Hokkaido, einer Insel mehrere Hundert Kilometer von Tokio entfernt. Als er das den Behördenmitarbeitern erklärte, soll man ihn dennoch abgewiesen haben mit den Worten: "Das ist ein Evakuierungszentrum für die Bewohner Tokios."

Japan, Nagano: Ein Hubschrauber vom fliegt über ein überschwemmtes Wohngebiet

Er habe die stürmische, regnerische Nacht schließlich unter einem Dachvorsprung unter einem Plastikschirm verbracht. 

Premierminister verspricht Aufklärung

Im Internet sorgt der Vorfall für Aufsehen. "Ist das das Land, welches die Olympischen Spiele austragen soll?", fragt ein Twitter-User. "Die Leute aus dem Ausland, die das sehen, würden denken, dass dies ein schreckliches Land ist." Ein anderer meint: "Das ist sehr enttäuschend, Japan! (…) Natürlich haben sie keine Adresse, sie sind obdachlos!"

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat indes laut "BBC" erklärt, den Fall zu überprüfen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. "Evakuierungszentren sollten jeden hereinlassen, der zur Evakuierung gekommen ist", erklärte er. Auch die betroffene Einrichtung will ihre Verfahren überprüfen, um zukünftig auch Menschen ohne Adressen zu helfen. Am Montag waren gegen Mittag noch immer rund 38.000 Menschen in Notlagern untergebracht. In vielen Haushalten war die Strom- und Wasserversorgung in Folge des Taifuns unterbrochen. Die Zentralregierung befürchtet, dass das Leben in den Unglücksgebieten noch länger beeinträchtigt sein werde.

Quellen: "Asahi.com", "BBC", DPA

jek