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Terror in London: Fünfter Terrorist gefasst

Die Polizei hat nach Medienberichten bei ihrer Jagd nach den Rucksackbombern von London einen weiteren Terroristen festgenommen. Seit Tagen hatte es Spekulationen um einen fünften Bomber gegeben.

Wie Zeitungen und Rundfunksender berichteten, gingen den Fahndern am Vortag in der britischen Hauptstadt nicht nur zwei der zuvor auf Bildern öffentlich gezeigten mutmaßlichen Attentäter von 21. Juli ins Netz, sondern ein weiterer Mann. Unter Berufung auf Polizeiquellen handelt es sich um Whabi Mohammed. Er ist der Bruder des Rucksackbombers Ramsi Mohammed, der ebenfalls am Freitag festgenommen worden war.

Seit Tagen gab es in Großbritannien Spekulationen um einen fünften Bomber, nachdem vor einer Woche in einem Gebüsch in London ein Rucksack entdeckt worden war, der einen Sprengsatz enthielt. Offiziell bestätigte die Polizei dies zunächst nicht. Bei Scotland Yard hieß es jedoch, der dritte am Vortag Festgenommene sei von "bedeutendem Interesse".

Verhaftung in Rom

Die Polizei in London und Rom hatte am Freitag alle vier ermittelten Rucksackbomber gefasst - nur gut eine Woche nach der gescheiterten Anschlagsserie auf drei U-Bahnen und einen Bus in der britischen Hauptstadt. Ermittler wollten am Wochenende damit beginnen, die Tatverdächtigen zu verhören. Großbritannien bemüht sich nach Berichten um die Auslieferung des in Rom gefassten Osman Hussein. Er ist nach den Angaben in Somalia geboren, ist aber britischer Staatsbürger.

Antiterroreinheiten von Scotland Yard nahmen nach zwei der mutmaßlichen Täter in London fest. In Rom ging nach Angaben des italienischen Innenministers Guiseppe Pisanu der letzte noch flüchtige mutmaßliche Rucksackbomber ins Netz der Polizei. Es handele sich um den Somalier Osman Hussein. Am Mittwoch war als erster der mutmaßlichen Attentäter bereits den 24-jährigen Yasin Hassan Amar in Birmingham überwältigt worden. Der gebürtige Somalier lebte seit vielen Jahren legal auf der britischen Insel.

Bei der Fahndung nach den Attentätern vom 21. Juli nahm die Polizei unter dramatischen Umständen bei mehreren gleichzeitigen "sehr wichtigen" Operationen im Westen der britischen Hauptstadt nach eigenen Angaben insgesamt drei Verdächtige fest. Unter diesen sind nach Meldungen von BBC und Sky News zwei der Terroristen, die Mitte Juli dabei gescheitert waren, ihre Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus zu zünden. Bei einem von ihnen soll es sich um den zur Fahndung ausgeschriebenen Muktar Said Ibrahim handeln.

"Höchst bedeutende" Festnahmen

Der dritte Festgenommene sei ein Verwandter eines der mutmaßlichen Attentäter, hieß es. Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht, sprach jedoch von "höchst bedeutenden" Festnahmen. Sky News berichtete unter Berufung auf Ermittler, dass die Polizei zwar sehr erleichtert sei, gleichzeitig aber auch besorgt. Denn der vierte, noch flüchtige Attentäter stelle immer noch eine große Gefahr dar.

Mit Maschinenpistolen, Gasmasken und kugelsicheren Westen ausgerüstete Polizisten hatten unter anderem einen Wohnblock im Stadtteil Notting Hill abgeriegelt und eine Wohnung umstellt. Es waren mehrere Explosionen und Schüsse zu hören. Die Polizei bestätigte, dass der "wichtige" Einsatz im Zusammenhang mit den Anschlägen von Mitte Juli stehe. Am Morgen hatte Scotland Yard-Chef Ian Blair in einem Interview mit der BBC gesagt, er sei zuversichtlich, dass alle Täter gefasst würden: "Das Netz zieht sich zu."

Im Fernsehen waren Stimmen von Polizisten zu hören, die in die umstellte Wohnung riefen: "Muhammad, komm' aus der Wohnung." Einer der vier gesuchten Attentäter heißt Muktar Said Ibrahim alias Muktar Muhammad Said. Der 27-Jährige kam als junger Mann aus Eritrea nach Großbritannien.

Außerdem nahm die Polizei am Londoner Bahnhof Liverpool Street Station zwei Frauen unter Terrorverdacht fest. Der Bahnhof wurde vorübergehend evakuiert. Die Frauen hatten nach den Angaben ein verdächtiges Paket bei sich.

Festnahme in Sambia

Unterdessen wies Scotland Yard Berichte über die Festnahme des mutmaßlichen "Hintermannes" der Selbstmordanschläge vom 7. Juli zurück. "Das ist alles Spekulation und nichts, was wir im Augenblick diskutieren wollen", sagte eine Sprecherin der Londoner Polizei. Man habe derzeit nicht vor, den Mann zu vernehmen. Der Muslim Haroon Rashid Aswat, ein britischer Staatsbürger indischer Herkunft, war nach US-Medienberichten in Südafrika nach amerikanischen Polizeihinweisen aufgespürt worden und befinde sich derzeit in Sambia in Gewahrsam.

Das Außenministerium in London bestätigte, dass es sich darum bemühe, Zugang zu einem britischen Staatsbürger zu bekommen, der sich in dem afrikanischen Land in Haft befinde, nannte jedoch keinen Namen. Nach Medienberichten hielt sich Aswat Wochen vor den Londoner Anschlägen in Südafrika auf und stand dort wegen des Verdachts, den Aufbau eines Ausbildungslagers für Terroristen im US-Bundesstaat Oregon mitgeplant zu haben, unter amerikanischer Überwachung.

Britische Medien hatten Aswat wiederholt als "britischen al-Kaida-Führer" bezeichnet. Die Londoner "Times" berichtete, Aswat sei zwei Wochen vor den Anschlägen vom 7. Juli in Großbritannien eingetroffen, um die Vorbereitungen des Verbrechens zu leiten. Bei den Attentaten waren 52 Menschen getötet und etwa 700 weitere verletzt worden. Wenige Stunden vor der Tat soll Aswat das Land wieder verlassen haben. Er sei westlichen Geheimdiensten seit mehr als drei Jahren bekannt, hieß es.

DPA/Reuters / DPA / Reuters