Transrapid-Unglück Die Angehörigen nehmen Abschied


Vor der offiziellen Trauerfeier am Mittwoch haben die Angehörigen der Opfer des Transrapid-Unglücks in kleinem Rahmen Abschied genommen. Der Ermittlungen zur Unfallursache konzentrieren sich auf zwei Fahrdienstleiter - die noch nicht vernehmungsfähig sind.

Das schwere Transrapid-Unglück im Emsland ist vermutlich auf einen Fehler in der Leitstelle der Teststrecke zurückzuführen. Wie der Sprecher der Osnabrücker Staatsanwaltschaft, Alexander Retemeyer, am Wochenende sagte, war für die beiden Fahrdienstleiter eindeutig erkennbar, dass sich der Werkstattwagen auf der Strecke befand und den Transrapid behindern würde. Die zwei hätten noch nicht vernommen werden können, weil sie unter Schock stünden.

Retemeyer sagte mit Blick auf die ersten Ermittlungsergebnisse: "Nach menschlichem Ermessen war klar, wo dieses Sonderfahrzeug auf der Strecke stand." Der Staatsanwalt verwies darauf, dass in einem Buch in der Leitstelle alle Fahrzeugbewegungen eingetragen werden müssten, was auch geschehen sei. Außerdem sei das Inspektionsfahrzeug mit GPS ausgestattet gewesen, so dass auch ein Bildschirm in der Leitstelle angezeigt habe, dass es sich noch auf der Strecke befand, kurz bevor der Transrapid grünes Licht für seinen Start erhielt.

Schließlich war nach den Worten Retemeyers in dem Buch nicht vermerkt, dass das Sonderfahrzeug den Auftrag erhielt, die Strecke zu verlassen, was eigentlich hätte der Fall sein müssen, wenn dieser Befehl erteilt worden wäre. Laut Retemeyer konzentrieren sich die Ermittlungen aufgrund der jüngsten Erkenntnisse auf die beiden Mitarbeiter in der Transrapid-Leitstelle. Auf der Vernehmungsliste stünden ferner die beiden Insassen des Inspektionsfahrzeugs sowie ein Bordtechniker, der sich im Transrapid befunden habe.

Darüber hinaus werde der Funkverkehr zwischen Leitstelle und den Fahrzeugen ausgewertet. Unklar sei auch, warum im Transrapid der rote Notstopp-Knopf so spät gedrückt worden sei. Er sei erst betätigt worden, als der Zug schon 100 bis 30 Meter an den Servicewagen herangekommen sei - zu spät für eine erfolgreiche Notbremsung, sagte Retemeyer.

Kleiner Gottesdient für die Angehörigen

Bei dem Unglück war der Transrapid kurz nach seinem Start in den Werkstattwagen gerast, was den Tod von 23 Menschen zur Folge hatte. Zehn Menschen wurden verletzt. Am Sonntag schwebte keiner der Verletzten mehr in Lebensgefahr. Alle Todesopfer waren inzwischen identifiziert. Die Angehörigen konnten am Samstagabend bei einem kleinen Gottesdienst Abschied nehmen.

Eine offizielle Trauerfeier ist für Mittwoch in Lathen geplant. Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) dankte allen Helfern für den Rettungseinsatz. DFV-Vizepräsident Hartmut Ziebs sprach von einem umsichtigen und professionellen Vorgehen aller Beteiligten.

Verkehrsminister trifft Transrapid-Konsortium

Am Sonntagmittag wollten sich Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Vertreter der Betreibergesellschaft IAGB und des Konsortiums Thyssen-Krupp sowie der bayrische Wirtschaftsminister Erwin Huber in Berlin zu einer Lagebesprechung treffen. Tiefensee kündigte eine Prüfung an, ob die Sicherheitsvorkehrungen vor Ort ausreichend waren und ob sie zu 100 Prozent befolgt worden. "Dann wird man weiter prüfen müssen, ob diese Erkenntnisse Auswirkungen auf die Technologie haben", sagte er. Er warnte aber vor voreiligen Schlussfolgerungen.

Der Transrapid-Chefplaner aus Schanghai, Commander Wu, machte sich vor Ort ein Bild von der Lage. IABG-Geschäftsführer Rudolf Schwarz sagte, dort werde überlegt, die bestehende Transrapid-Strecke zu verlängern. Vor dem Hintergrund habe es die Industrie als sinnvoll empfunden, dass sich Wu direkt über den Unfall sachkundig mache. In Schanghai fährt auf einer 30 Kilometer langen Strecke weltweit der einzige kommerziell betriebene Transrapid. Der chinesische Staatspräsident Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao sprachen Deutschland ihr Beileid zum Unglück im Emsland aus.

Imke Zimmermann/AP AP

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