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Unglücksflug in San Francisco: Boeing bei Landung viel zu langsam

Suche nach der Ursache für den Crash: Der Pilot sollte erstmals eine Boeing 777 in San Francisco landen. Das Flugzeug war wohl zu langsam. Eins der Opfer könnte von Rettern überfahren worden sein.

Die Unglücksmaschine von San Francisco war ersten Ermittlungen zufolge beim Landeanflug mit viel zu niedriger Geschwindigkeit unterwegs. Sekunden vor dem Aufprall habe der Pilot noch versucht, die Landung abzubrechen, teilte die Chefin der US-Flugsicherheitsbehörde NTSB, Deborah Hersman, mit. Auswertungen der Flugschreiber hätten ergeben, dass es bis sieben Sekunden vor der Bruchlandung keine Anzeichen für Probleme gegeben habe. Noch sei es verfrüht, um über die Ursache des Unglücks zu spekulieren.

Spekulationen, dass das während laufender Bauarbeiten abgeschaltete Instrumenten-Landesystem für das Unglück verantwortlich ist, wies Hersman zurück. "Man braucht keine Instrumente, um an diesem Flughafen zu landen", sagte sie. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte sonniges Wetter.

Pilot noch in Ausbildung

Der Pilot befand sich nach Angaben der Fluggesellschaft in Ausbildung auf der Boeing 777. Er war noch nie mit einer derartigen Maschine auf dem Flughafen San Francisco gelandet. Der 46-jährige Flugkapitän Lee Kang Kuk habe 43 Stunden Erfahrung mit diesem Flugzeugtyp, sei aber mit insgesamt mehr als 9000 Flugstunden sehr erfahren, sagte eine Asiana-Sprecherin. Außerdem habe er einen erfahrenen Ausbilder mit 3220 auf der Boeing 777 als Co-Pilot zur Seite gehabt. Er saß auf dem Pilotensizt. Allerdings war es laut der Fluggesellschaft unklar, ob er der Hauptverantwortliche im Cockpit war.

Unterhalb der Richtgeschwindigkeit

Um die genaue Geschwindigkeit der Unglücksmaschine beim Landeanflug zu ermitteln, müssten die Daten der beiden Flugschreiber noch mit den Radaraufzeichnungen und anderen Luftfahrtdaten abgeglichen werden, sagte die NTSB-Chefin. Fest stehe allerdings, dass das Tempo der Boeing 777 "signifikant" unterhalb der Richtgeschwindigkeit gelegen habe. Experten der Flugaufsicht sollen noch etwa eine Woche in San Francisco bleiben, um das Unglück zu untersuchen. Die detaillierte Untersuchung könne insgesamt bis zu 18 Monate dauern.

Bei der Bruchlandung der Boeing 777 waren am Samstag zwei chinesische Jugendliche ums Leben gekommen. Nach Angaben der Feuerwehr wurde eine von ihnen möglicherweise von einem Rettungsfahrzeug im Einsatz getötet. Genaues werde eine Autopsie ergeben. Mehr als 180 Insassen des Großraumflugzeuges der südkoreanischen Fluggesellschaft Asiana wurden bei dem Unglück verletzt. Am Sonntag befanden sich noch sechs von ihnen in einem kritischen Gesundheitszustand.

An Bord von Flug OZ214 waren nach Angaben der Flugesellschaft Asiana Airlines 291 Passagiere und 16 Besatzungsmitglieder. Die meisten Insassen waren Chinesen, Südkoreaner und US-Bürger. Die Maschine war in der chinesischen Metropole Shanghai gestartet und hatte einen Zwischenstopp in Seoul eingelegt. Einen Terroranschlag schloss das FBI rasch aus.

Warnsignal sieben Sekunden vor dem Aufprall

Der Stimmenrecorder und der Flugdatenschreiber lieferten laut Hersman Aufzeichnungen in guter Qualität, so dass die NTSB-Prüfer in Washington einen vorläufigen Bericht des Unfallhergangs erstellt hätten. Da das Flugzeug zu langsam gewesen sei, sei ein Warnsignal ausgelöst worden. Einer der Piloten habe sich daraufhin anderthalb Sekunden vor dem Aufprall dafür ausgesprochen, doch nicht zu landen und die Boeing 777 wieder in die Luft zu bringen. Sieben Sekunden vor dem Unglück hatte einer der Piloten bereits um Erlaubnis gebeten, wieder zu beschleunigen.

Der US-Nachrichtensender CNN strahlte ein Video aus, das zeigt, dass die Unglücksmaschine beim Anflug auf den am Meer gelegenen Flughafen mit dem hinteren Teil eine Ufermauer streifte. Danach kippte sie auf den Rumpf und drehte sich um etwa 180 Grad. Bei der Bruchlandung wurden das Fahrwerk und das Heck des Flugzeugs abgerissen, danach brach Feuer aus.

Passagiere noch in Lebensgefahr

123 Insassen kamen unverletzt davon. Zwei Chinesinnen im Alter von 15 und 16 Jahren starben, 182 Menschen wurden verletzt. Wie das San Francisco General Hospital mitteilte, schwebten am Sonntag sechs von ihnen, darunter ein Kind, weiter in Lebensgefahr, insgesamt etwa 15 waren noch nicht bei Bewusstsein. Es gebe viele Unterleibs- und Rückenmarksverletzungen, von denen einige mit Lähmungen einhergingen, teilten die Ärzte mit. "So chaotisch wie es am Samstag zuging, hat es eine Reihe von Wundern gegeben, dass so viele Menschen überlebt haben", sagte der Bürgermeister von San Francisco, Ed Lee.

Asiana-Chef Yoon Young Doo sagte in Seoul, die Unglücksmaschine habe nach bisherigen Erkenntnissen "keine Motor- oder mechanischen Probleme" gehabt. Die Maschine sei von erfahrenen Piloten gesteuert worden, fügte der Konzernchef hinzu und entschuldigte sich bei den Unglücksopfern und ihren Angehörigen mit einer Verbeugung.

Die südkoreanische Staatschefin Park Geun Hye sprach den Opfern und ihren Angehörigen ihr Mitgefühl aus und sagte ihnen Hilfe zu. Die Regierung in Seoul schickte ein vierköpfiges Team nach San Francisco, um den Unglücksort zu inspizieren. Die Boeing 777 ist eines der meistgenutzten Langstreckenflugzeuge der Welt. Asiana, die zweitgrößte Fluggesellschaft Südkoreas, gilt als zuverlässig, das letzte Unglück mit Todesopfern liegt 20 Jahre zurück.

brü/AFP/DPA / DPA