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Sexualstraftäter hing tot in Zelle: US-Promi-Gerichtsmediziner zweifelt daran, dass sich Jeffrey Epstein selbst getötet hat

Michael Baden war schon an der Obduktion einiger US-Promis beteiligt – auch an der Untersuchung der Leiche des wegen Missbrauchs angeklagten Bankers Jeffrey Epstein. Offiziell hat der Suizid begangen, doch Baden kann sich das nicht vorstellen.

Michael Baden Jeffrey Epstein

Gerichtsmediziner Michael Baden (l.) zweifelt die offizielle Todesursache von Jeffrey Epstein an

DPA

Michael Baden ist vermutlich Amerikas bekanntester Gerichtsmediziner. Nicht nur, weil er an den Untersuchungen des Todes von US-Präsident John F. Kennedy und Prediger Martin Luther King beteiligt war. Oder sich im Verfahren gegen O.J. Simpson auf die Seite des angeklagten Footballstars geschlagen hatte. Er ist auch regelmäßig im Fernsehen zu sehen (Fox, "Autopsy" bei HBO). Kurzum: Wenn sich Michael Baden zu Wort meldet, dann horcht die Nation auf. Nun hat er es wieder getan und Zweifel an den Todesumständen des Investmentbankers Jeffrey Epstein geäußert.

Epstein soll sich mit Strick getötet haben

Im August war der wegen verschiedener Sexualverbrechen angeklagte Epstein tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden worden. Nach bisherigen Erkenntnissen soll sich der Multimillionär per Strick selbst getötet haben. Doch nun widerspricht Michael Baden dem offiziellen Befund der Behörden: Seine Verletzungen deuteten auf einen Tod durch Erwürgen hin, sagte der frühere New Yorker Gerichtsmediziner, der bei der Autopsie anwesend war. Mehrere Brüche in Epsteins Hals seien "sehr ungewöhnlich für Selbstmord", so Baden bei einem Auftritt auf "Fox News".

Baden wurde von Epsteins Bruder engagiert und will festgestellt haben, dass der Tote zwei Frakturen an der linken und rechten Seite seines Kehlkopfes hatte, sowie einen Bruch am linken Zungenbein, wie er dem Sender "Fox News" sagte. "Diese Brüche sind bei Selbststrangulationen extrem selten, tauchen aber häufig beim Erwürgen auf", so Baden, auch sei das Blut in Epsteins Augen zumindest ungewöhnlich. Nach eigenen Angaben will der Gerichtsmediziner mehr als 20.000 Leichname obduziert haben, doch in "den 50 Jahren habe ich in Fällen von Erhängen so etwas noch nicht gesehen", sagte der Gerichtsmediziner weiter. Von einem Fremdverschulden aber spricht er ausdrücklich nicht, da er dafür nicht genug Beweise habe.

New Yorker Gerichtsmediziner bleiben bei Suizid

Die Chefin der New Yorker Gerichtsmedizin, Barbara Sampson, blieb bei ihrer Einschätzung. Sprich: bei der Suizid-Version. Die gerichtsmedizinische Untersuchung sei "gründlich und vollständig" gewesen, erklärte sie der Nachrichtenagentur AFP. "Es gibt keinen Grund für eine zweite medizinische Untersuchung durch unsere Behörde." Gerüchte um den Tod des 66-Jährigen hatte es schon nach seinem Ableben gegeben. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio etwa äußerte damals Bedenken und wiederholte sie nun: "Irgendetwas stimmt nicht mit Epsteins Tod", sagte er. Im Juli hatten US-Medien berichtet, dass Epstein verletzt in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden war. Wächter berichteten damals von Blutergüssen am Hals.

Der Tod des Investmentbankers erregt auch deswegen Aufmerksamkeit, weil er gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten hatte, unter anderem zum britischen Prinzen Andrew sowie den US-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump. Epstein war 2008 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagt, handelte letztlich aber einen sehr vorteilhaften Deal aus und verbrachte lediglich 13 Monate im Gefängnis, teilweise sogar im offenen Vollzug. Die jüngste Anklage lautete ebenfalls auf Missbrauch von minderjährigen Mädchen und jungen Frauen. Epstein soll seine Opfer zudem an Freunde und Bekannte als "Sexsklaven" weitervermittelt haben. Bei einer Verurteilung hätten ihm bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

Quellen: DPA, AFP, "Fox News", "Politico"

nik