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"Awake Dating": Willst du mit mir Chemtrails sehen?

Die Dating-Plattform "Awake Dating" richtet sich an Verschwörungstheoretiker. Was kurios klingt, ist ernst gemeint - und kann durchaus gefährlich sein.

Ein Mann mit Aluhut auf einem Barhocker mit Laptop auf den Knien.

Die Single-Plattform "Awake Dating" richtet sich an Verschwörungstheoretiker

Glauben Sie, die Erde ist eine Scheibe? Ihnen fehlt aber die richtige Partnerin oder der richtige Partner, um gemeinsam darüber zu sinnieren, wie es am Ende der Ozeane weitergeht? Dann ist möglicherweise die Plattform "Awake Dating" das Richtige für Sie. Die Plattform verspricht Verschwörungstheoretikern, jemanden zu finden, mit dem man sein "sozial unbequemes Verständnis und Bewusstsein" teilen kann - "von Erwachten für Erwachte." Um dann gemeinsam die Chemtrails am Himmel zu beobachten, zum Beispiel.

Der Registrierungsprozess ist denkbar einfach und ähnlich wie bei vielen anderen Partnerbörsen: Benutzername aussuchen, E-Mail-Adresse und Passwort eintragen und schon ist man dabei. Und auch das Profil ähnelt denen, von "Elite Partner", "E-Darling" und Co. Haarfarbe und Trinkgewohnheiten werden abgefragt, genauso wie Bildungsgrad oder Anzahl der Kinder. 

Plattform wirbt mit Aluhut-Video

Ebenso lassen sich Profile potentieller Partner suchen und finden. Ob das "sozial unbequeme Verständnis und Bewusstsein" des Wunschpartners hingegen eher auf eigene Ansichten zur Mondlandung oder etwa zur Unterwanderung der Weltpolitik durch Freimaurerlogen bezieht, muss dann im Chat rausgefunden werden. Ein eigenes Feld für solche Suchen gibt es nicht.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt allerdings für Besucher hierzulande: Die Auswahl an Singles aus Deutschland ist (noch) sehr gering.

Mit einem Werbevideo versuchen die Betreiber aber beständig, neue User auf ihre Seite zu locken. Es zeigt verliebte Paare, Hand in Hand, mit (kein Scherz!) Aluhüten auf dem Kopf.


Auch wenn die Plattform und die Werbung zum Teil wie ein Satireprojekt wirken: Die Gründer, ein irisches Ehepaar, versichern dem "Vice-Magazin", dass "Awake Dating" ein ernstgemeintes Projekt ist. 

Die Gefahren durch den sogenannten "Echokammer"-Effekt, durch den man sich mit einer ähnlich tickenden Partnerin oder einem ähnlich tickenden Partner immer weiter in seine Theorien hineinsteigert, erwähnen die beiden nicht.


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