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Vor Rügen Trotz Verbots: Warum Greenpeace-Aktivisten Steine in der Ostsee versenken

Warum Greenpeace-Aktivisten Steine in der Ostsee vor Rügen versenken
"Was uns weitermachen lässt, ist unser Verständnis, dass wir der Natur ihr Recht auf Unversehrtheit geben", sagt Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack.
© Stefan Sauer / DPA
Mit einem Zweimaster schippern Greenpeace-Aktivisten derzeit vor Rügen umher und versenken teils tonnenschwere Findlinge im Meer. Für ihre Aktion haben sie einen triftigen Grund.

Mehrfach wurden sie ermahnt, es folgte ein Verbot und schließlich eine angedrohte Ordnungsstrafe: Greenpeace-Aktivisten fuhren am Dienstag fort, Granitsteine vor Rügen in der Ostsee zu versenken. Nach Darstellung der Umweltorganisation wird damit das von der Bundesregierung ausgewiesene Schutzgebiet Adlergrund vor der Zerstörung durch das Fischen mit Grundschleppnetzen geschützt. Das Bundesamt für Seeschifffahrt hat Greenpeace verboten, weiter Granitsteine auf den Meeresboden zu bringen. Dabei handele es sich um eine "Verschmutzung", wie eine Sprecherin des Bundesamtes der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Umweltorganisation verstoße gegen das "Hohe-See-Einbringungsgesetz". Bei Zuwiderhandlung könnte ein Bußgeld bis 50.000 Euro verhängt werden.

Trotz des Verstoßes ist die Bundespolizei See, die im Meeresgebiet außerhalb der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) zuständig ist, nicht im Einsatz. Ein Sprecher der Wasserschutzpolizei des Landes Mecklenburg-Vorpommern teilte jedoch auf Anfrage mit, dass sie beauftragt sei, dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes Amtshilfe zu leisten und die Personalien der Besatzung festzustellen, wenn das Schiff wieder im Zuständigkeitsbereich des Landes ist.

Schutz der Meeresgebiete "gibt es nur auf Papier"

Der Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack sagte: "Was uns weitermachen lässt, ist unser Verständnis, dass wir der Natur ihr Recht auf Unversehrtheit geben." Die Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft hätten bereits im Frühjahr 2019 angekündigt, unter anderem im Adlergrund die Grundschleppnetzfischerei verbieten zu wollen. Bisher sei aber nichts passiert. Deutschland habe zwar seit 2007 fast 50 Prozent seiner Meeresgebiete unter Schutz gestellt, doch den Schutz gebe es nur auf dem Papier. Noch immer seien in den Schutzzonen von Nord- und Ostsee Grundschleppnetze und Stellnetze erlaubt, ebenso die Förderung von Öl sowie der Sand- und Kiesabbau.

Nach Angaben von Greenpeace kehrt das Schiff mit acht Männern an Bord jeden Tag in den Hafen Sassnitz auf Rügen zurück. Zudem erhielt der Greenpeace-Zweimaster "Beluga II" nach Angaben der Wasserschutzpolizei Besuch von dem Fischereischutzboot des Bundesamtes für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Seit Sonntag haben Greenpeace-Aktivisten an Bord nach eigenen Angaben rund 60 teils tonnenschwere Steine 14 Seemeilen östlich von Rügen versenkt. Behörden und Fischer seien über die Koordinaten der Findlinge informiert worden, die für die Schifffahrt aber kein Hindernis darstellten. Maack zufolge wurde vor der Aktion bei Tauchgängen im Adlergrund festgestellt, dass von Steinen der Bewuchs mit Miesmuscheln und Algen "abrasiert" war.

Nicht die erste Greenpeace-Aktion dieser Art

Daten des Thünen-Instituts für Ostseefischerei belegten in dem Schutzgebiet zwischen 2013 und 2017 eine Fangtätigkeit deutscher, polnischer und dänischer Fischer. Für den Adlergrund werden Maack zufolge Granit-Findlinge aus Schweden, Dänemark und Deutschland verwendet, die natürlicherweise in der Ostsee vorkommen. "Wir haben eine Verträglichkeitsprüfung machen lassen", sagte er. Wie viele Steine noch abgelegt werden sollen, ist noch offen.

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Die Aktion ähnelt einem Fall, bei dem Greenpeace schon einmal Steine vor Sylt in der Nordsee deponiert hatte, was auch untersagt worden war. Greenpeace hatte nach eigenen Angaben dagegen geklagt. Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) Leipzig ließ die Frage der Rechtmäßigkeit offen. Eine Strafe wurde nicht gezahlt. Greenpeace wies darauf hin, dass es mehrere EU-Naturschutzprojekte zum Wiederaufbau von Steinriffen in den Meeren gibt. Dagegen forderte der für den Wahlkreis zuständige Bundestagsabgeordnete und Landessprecher der AfD, Leif-Erik Holm, das Greenpeace-Schiff zu beschlagnahmen und die Mannschaft festzunehmen. Die Fischer würden seit 30 Jahren nicht mehr im Adlergrund mit Schleppnetzen fischen. Dann gebe es für die Fischer ja keinen Grund zur Aufregung, entgegnete Maack.

sve DPA

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