Klimafreundlich essen Trinkgenuss ohne Klimaverdruss


Wein oder Bier? Auch unter Klimagesichtspunkten gibt es in dieser Frage keinen eindeutigen Gewinner. Eins aber lässt sich sicher sagen: Wer wirklich klimafreundlich trinken will, der sollte sich an das Urgetränk halten - Wasser.
Von Christina Stefanescu

Trinkwasser (aus dem Wasserhahn)

Jeder Deutsche verbraucht pro Tag gut drei Liter Wasser für Essenszubereitung und Trinken. Das Wasser aus dem Hahn stammt zu etwa drei Vierteln aus Grund- und Quellwasser, der Rest aus Seen, Flüssen und aus Uferfiltrat. Trinkwasser unterliegt den strengen Vorgaben der Deutschen Mineral- und Trinkwasserverordnung: Krankheitserreger dürfen gar nicht vorkommen, chemische Verbindungen wie Nitrate oder Nitrite, die durch Düngen der Felder ins Grundwasser gelangen können, nur in bestimmten Höchstmengen. Sie müssen aus dem Wasser entfernt werden und das kostet Energie.

Wie das Wasser aufbereitet wird, ist von Werk zu Werk unterschiedlich und abhängig von der Qualität des Grundwassers, auch Ozon und UV-Strahlung können hier zum Einsatz kommen - zur Desinfektion - stellen aber kein Gesundheitsrisiko dar. Pro Kubikmeter Wasser, das ins Netz abgegeben wurde, haben etwa die Hamburger Wasserwerke 2005 ungefähr 0,54 kWh Strom verbraucht. Umgerechnet auf die CO2-Emission/kWh heißt das, dass pro Tag 1,268 Gramm Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen, damit ein Hamburger Wasser zum Essen und Trinken hat.

Vorteil des Leitungswassers: Es muss nicht mit dem LKW zum Supermarkt transportiert werden. CO2-Emissionen fallen noch für die Wartung des Rohrnetzes an. Ein Erwachsener sollte täglich eineinhalb bis drei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Trinkwasser ist dafür sehr gut geeignet weil kalorien- und zuckerfrei. Außerdem enthält es Mineralstoffe wie Magnesium, Calcium und Natrium.

Wein aus Australien

2005 hat Australien 1,42 Milliarden Liter Wein produziert, 37 Millionen davon nach Deutschland exportiert. Aufgrund des warmen und trockenen Klimas haben australische Winzer weniger Probleme mit Pilzbefall, setzen aber auch Pestizide ein. Ein großes Problem in Australien: der Wassermangel. Zwischen 500.000 und 5.000.000 Liter Wasser werden je nach Anbaugebiet und Produkt pro Hektar benötigt, bis die Trauben geerntet werden können. 167.000 Hektar sind mit Trauben bestellt. Sind die reif zur Ernte, werden sie maschinell gepflückt und müssen oft hunderte Kilometer in die Kellerei gebracht werden, von dort schließlich zu einem der Häfen. In den Kellereien wird Energie zur Kühlung der Trauben benötigt.

Nach Europa schließlich gelangt der Wein mit riesigen Containerschiffen. Nur zwei bis drei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes werden durch die Seeschifffahrt produziert, größer ist der Anteil am Stickoxidausstoß: 11 bis 13 Prozent. Der Treibhauseffekt von Stickoxiden ist 310 mal so groß wie der von CO2-Molekülen, außerdem tragen Stickoxide zur Übersäuerung des Meeres bei.

In Europa angelangt, muss der Wein in die Supermärkte, meist per LKW. Ein voll beladener 40 Tonnen-LKW aus Europa produziert pro Kilometer 924 Gramm CO2, umgerechnet auf eine Tonne Wein sind das 37 Gramm pro Kilometer. Der Konsum von einem Glas Wein pro Tag hat in einigen Studien einen schützenden Effekt vor Schlaganfall und Durchblutungsstörungen des Herzens gezeigt, aber auch nur, wenn keine weiteren Risikoerkrankungen wie etwa Bluthochdruck vorlagen. Trotzdem ist Alkohol kein Medikament. Erhöhter Alkoholkonsum steigert das Krebsrisiko.

stern.de präsentiert diese Woche alle Bereiche unserer Nahrung im Hinblick auf ihre Klimabilanz

Teil 1 - Fleischgenuss ohne CO2-Reue

Teil 2 - Von Huhn, Ei und CO2

Teil 3 - Butter bei die Fische

Teil 4 - Weizen ohne Klima anzuheizen

Welche Verpackung schont die Umwelt?

Egal ob Plastik oder Glas - Mehrwegflaschen haben bei der Ökobilanz des Umweltbundesamtes gegenüber Dosen oder Einwegflaschen die Nase vorn. Vergleichbar mit Mehrwegflaschen sind in der Ökobilanz auch Getränkekartons und Schlauchbeutel für Milch. Vorteil der PET-Flaschen: sie sind leichter. Dafür werden Glasflaschen öfter wieder verwendet. Grundsätzlich gilt: Je geringer die Wegstrecke vom Abfüller zum Verbraucher, desto weniger CO2 wird beim Transport erzeugt.

Ist Kräutertee umweltfreundlicher als Schwarz- oder Grüntee?

Kräutertee aus dem eigenen Garten ist auf jeden Fall umweltfreundlicher als der aus dem Handel. Der Großteil des in Deutschland erhältlichen Tees wird aus Asien importiert. Im Ursprungsland wird der Tee soweit verarbeitet, dass er vom Importeur nur noch gemischt und abgefüllt werden muss. Um einen hohen Ertrag zu sichern, werden auch beim Teeanbau Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Ihr Rückstand im Tee unterliegt strengen Grenzen, ebenso wie der von Schwermetallen.

Je weiter Tee gemischt, mit Aromen angereichert oder verarbeitet wird, desto mehr Energie ist notwendig. Kaltgetränke mit Teeversatz etwa müssen nach der Herstellung in Flaschen oder Verbundkartons abgefüllt und für längere Haltbarkeit unter Umständen gekühlt werden.

Wasser aus dem Hahn oder dem Supermarkt - was ist besser für die Umwelt?

Auch das Wasser aus dem Supermarkt wurde unter Umständen aufbereitet, je nach Hersteller und Produkt ist der Energieaufwand dafür unterschiedlich. Das Wasser im Handel muss aber abgefüllt und zum Supermarkt transportiert werden, die Verpackung nach Gebrauch wieder aufbereitet werden. Für Mineralwasser und Tafelwasser gilt bei gleichen Herstellungsbedingungen und gleicher Verpackung grundsätzlich: Regionale Produkte sind umweltfreundlicher als das Wasser aus Frankreich.

Einen Vergleich zwischen Mineralwasser aus dem Supermarkt und Sprudelsystemen ist schwierig, denn auch die müssen produziert und die Zylinder mit der Kohlensäure wieder befüllt werden. Sicher ist nur: Wer immer nur einen Kasten Wasser kauft und mit dem Auto zum Supermarkt fährt, erzeugt dreimal mehr CO2 für den Transport nach Hause als jemand, der unter gleichen Bedingungen zum Supermarkt kommt, einen CO2-Zylinder kauft und damit 40 Liter Sprudelwasser selbst machen kann.

Ist Wein ökologischer als Bier?

In Bezug auf die Verarbeitung der Inhaltsstoffe - ja. Bis aus der Braugerste, Brauweizen und Hopfen Bier wird, sind mehr Maschinen notwendig als bei der Weinherstellung. Dafür wächst der Rohstoff schneller nach und das bedeutet mehr Photosynthese - aus CO2 wird Sauerstoff. Für einen guten Ertrag wird aber auch gedüngt. Vorteil des Biers gegenüber dem Wein: Der Anteil der Mehrwegverpackungen liegt bei 83 Prozent, Wein wird zumeist in Einwegflaschen ausgeliefert.

Kaffee oder Tee - was ist umweltfreundlicher?

Kaffee muss immer importiert werden, er wächst nicht in Deutschland. Tee wird größtenteils aus Asien importiert. Allein für den Transport wird Energie benötigt. Kaffee und Tee werden bereits im Ursprungsland aufbereitet. Je weniger Maschinen hier zum Einsatz kommen, desto weniger Energie ist notwendig. Eine vergleichende Ökobilanz zu ziehen, ist schwierig. Eine Tasse Röstkaffee ist aber in der Produktion umweltfreundlicher als eine Tasse löslicher Kaffee.

Um einen möglichst hohen Ertrag zu erreichen, werden sowohl Kaffee als auch Tee oftmals in Monokulturen angebaut. Monokulturen begünstigen die Ausbreitung von Schädlingen, was einen höheren Einsatz von Pestiziden nach sich zieht. Die Fruchtbarkeit des Bodens lässt nach, es muss gedüngt werden. Der Schutz des Bodens und der Ernte vor Wind und Wassermassen durch andere Pflanzen oder Bäume ist nicht mehr gewährleistet. Im Bio-Anbau wird versucht, sich diese natürlichen Ressourcen nutzbar zu machen: Durch einen größeren Artenreichtum an Insekten etwa wird der Schädlingsbefall verringert.

Welche Produkte sind besonders empfehlenswert unter Umweltgesichtspunkten?

Für alle, die möglichst umweltbewusst trinken wollen, ist Leitungswasser das energieeffizienteste Getränk. Wer Bleirohre zu Hause liegen hat (erfährt man beim örtlichen Wasserversorger), sollte das Wasser so lange laufen lassen, bis es richtig kalt ist. So wird das stehende Wasser weggespült, in dem sich unter Umständen Blei-Ionen aus der Leitung gelöst haben.

Ist Bio besser?

Bei gleicher Herstellung, Verpackung und gleichem Transportweg sind Bio-Säfte besser als Konventionelle. Beim Anbau der Früchte werden weniger synthetische Pestizide eingesetzt werden. Aber auch beim Bio-Anbau muss Pflanzenschutz betrieben werden. Für Bio-Bier und Bio-Wein gilt das gleiche. Und: Regional ist besser als aus Übersee. Allerdings sind die Erträge beim Bio-Anbau meist geringer.

Gerade die deutschen Bio-Winzer haben Probleme mit Pilzen, die aus Nordamerika eingeschleppt wurden. In feucht-warmen Jahren ist denen mit den zugelassenen Mitteln nur schwer Herr zu werden. In der Kritik steht der Einsatz von anorganischen Kupfermitteln zur Bekämpfung dieser Schädlinge, deren Einsatz beim Bio-Wein ist in engen Grenzen erlaubt. Kupfer kann nicht abgebaut werden, hohe Kupfermengen führen nachhaltig zu einer schlechten Bodenfruchtbarkeit. Außerdem kann Kupfer ins Grundwasser gelangen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker