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50. Mars-Mission Orbiter, Rover und jede Menge Müll: Das ist derzeit schon auf dem Mars los

Mars-Rover Perseverance mit der Drohne Ingenuity
Ein SUV für den Mars: Nasa-Rover "Perseverance" soll ab Februar 2021 die Oberfläche des Roten Planeten erkunden. Vor dem tonnenschweren Gefährts die 1,8-Kilo-Drohne "Ingenuity"
© Nasa / JPL-Caltech / DPA
Die 50. Mars-Mission ist auf dem Weg zum Roten Planeten. Auch wenn Menschen die rötliche Gesteinswüste noch nicht betreten haben, sind unsere Spuren doch schon überdeutlich. Acht Missionen sind derzeit dort aktiv.

Sollte es außerirdische Wesen geben, die die Menschheit beobachten, dürfte ihnen eines kaum verborgen geblieben sein. Was immer Menschen unternehmen, zurück bleibt eine Menge Müll. Am Beispiel Mars lässt sich erkennen: Wir müssen noch nicht einmal dort gewesen sein, um Unrat zu produzieren. Die 50. Mars-Mission, die am Donnerstag von Cape Canaveral in Florida gestartet ist, macht da keine Ausnahme. Der kleine Helikopter "Ingenuity" beispielsweise soll gerade einmal vier Flüge unternehmen, ehe er zum letzten Mal landet, um von da an teurer Müll zu sein.

Die Nasa-Drohne wird dann in guter Gesellschaft sein. Man denke nur an "Pathfinder", der 1996 die ersten Bilder von der Marsobefläche zur Erde funkte, den "Polar Lander" und die "Deep Space 2"-Penetratoren, von denen keiner weiß, wo sie geblieben sind, oder das Rover-Paar "Spirit" und "Opportunity", das lange erfolgreich seine Dienste versehen und nun irgendwo eine Ruhestätte gefunden hat. Schon viele Jahre hat der Mensch den erdähnlichsten unter den Planeten des Sonnensystems fest im Blick. Und auch jetzt, vor dem Eintreffen der neuen Raumsonden, ist dort schon einiges los. Nicht weniger als acht Missionen sind derzeit aktiv:

2001 Mars Odyssey (Nasa, seit 2001)

Umkreist schon seit fast 20 Jahren den Mars. Benannt in Anlehnung an Stanley Kubricks Film "2001: Odyssee im Weltraum". Machte im Oktober 2002 in der Südpolregion des Planeten einen Sensationsfund: große Mengen an Wassereis. Wasser gilt als wichtigste Voraussetzung für Leben. Dient auch als Relaisstation für die Übertragung von Daten und Bildern des Rovers Curiosity. Der Satellit hat noch Treibstoff bis 2025. 

2001 Mars Odyssey
2001 Mars Odyssey
© Nasa

Mars Express (Esa, seit 2003)

Kartografiert seit dem Eintreffen die Marsoberfläche und untersucht die Atmosphäre. Fand darin im März 2004 Spuren von Methan, die unter anderem durch Verwesungsprozesse organischen Materials entstanden sein könnten. Registrierte am Südpol unterirdisches flüssiges Wasser. Hatte mit Beagle 2 einen Lander an Bord, zu dem der Kontakt nach Aufsetzen auf der Oberfläche aber abbrach. Ende des Jahres wird überprüft, ob der Satellit in Betrieb bleibt.

Mars Express
Mars Express

Mars Reconnaissance Orbiter (Nasa, seit 2006)

Kartografiert über vier Jahre lang die Marsoberfläche mit besonders hochauflösenden Kameras. Die hohe Auflösung der Bilder lieferte Grund zur Annahme, dass auf dem Mars zu bestimmten Jahreszeiten Wasser fließen könnte. Fand auf der Oberfläche womöglich den Fallschirm der vermissten sowjetischen Sonde Mars 3 (1971) sowie den Mars-Express-Lander Beagle 2.

Der Mars-Krater Victoria
Gestochen scharfe Aufnahme des Mars Reconnaissance Orbiters vom Krater "Victoria". Ebenfalls zu erkennen: Rover Opportunity, der sich der Krater-Kante nähert.
© Nasa/JPL-Caltech/University of Arizona/Cornell/Ohio State University

Rover Curiosity (Nasa, seit 2012)

Großer Rover mit nuklearer Energieversorgung. Schickt in schöner Regelmäßigkeit Ansichtspostkarten von der Oberfläche des Roten Planeten. Dient, wie fast alle Mars-Projekte, dem Zweck herauszufinden, ob der Planet mal Leben beherbergt hat oder es noch tut. Analysiert zu diesem Zweck Boden und Atmosphäre. Ist mit einer Reichweite von fünf bis 20 Kilometern ein Langstreckenläufer. 

Mars Orbiter Mission (Isro, seit 2014)

Erste indische Mars-Mission mit dem inoffiziellen Titel "Mangalyaan" ("Mars-Gefährt"). Ist in erster Linie eine Testmission für die Planung und Durchführung interplanetarer Missionen. Untersucht das Mars-Wetter. Soll als Nebeneffekt Erkenntnisse über Wasservorkommen auf der Oberfläche und Methan in der Atmosphäre liefern. Mission soll Ende dieses Jahres beendet werden.

Mars Orbiter Mission ISRO
Satellit der Mars Orbiter Mission
© Isro

Maven (Nasa, seit 2014)

Name ist ein Kürzel für Mars Atmosphere and Volatile Evolution. Umkreist den Planeten in einer hochelliptischen Umlaufbahn zwischen 144 und 6228 Kilometern über der Oberfläche. Führte bisher vier "Deep-Dip"-Manöver durch, bei der die Sonde die oberen Atmosphärenschichten durchquerte und mit Instrumenten analysierte. Seine Hauptaufgabe hat Maven erfüllt, könnte künftig als Kommunikationsrelais für gelandete Rover dienen.

Maven Satellit
Satellit Maven
© Nasa

ExoMars Trace Gas Orbiter (Esa, seit 2016)

Gemeinsames Projekt mit der russischen Roskosmos. Erforscht die Marsatmosphäre genauer als seine Vorgänger. Spürt Methan und andere Spurengase auf und untersucht sie auf biologische und geologische Ursachen. Soll geeignete Landestellen für den künftige ExoMars Rover ausfindig machen und diesem als Relaisstation dienen. Kontakt zum mitgebrachtem Lander Schiaparelli brach bei der Landung ab; die Esa geht davon aus, dass das Gerät zerschellte.

ExoMars Trace Gas Orbiter
ExoMars Trace Gas Orbiter
© Esa

InSight (Nasa, seit 2018)

Name ist ein Kürzel für Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport. Stationärer Lander, steht in der Elysium-Region. Ist mit Seismometer und Wärmeflusssonde bestückt und hat erstmals ein Marsbeben registriert. Soll die frühe geologische Entwicklung des Mars erforschen und so das Verständnis für die Entstehung der erdähnlichen Planeten verbessern. Landung wurde unterstützt durch zwei Kleinsatelliten (Cubesats), die der Kommunikation mit der Erde dienten, und dann am Mars vorbeiflogen. Seit Anfang 2019 hat die Nasa keinen Kontakt mehr mit den Hilfssatelliten.

InSight stationärer Lander
Der stationäre Lander InSight untersucht der Marsboden
© Nasa

Die nun gestarteten Missionen der Nasa (Rover "Perserverance", Mars Helicopter "Ingenuity"), der chinesischen Raumfahrtagentur ("Tianwen-1" mit Orbiter, Lander und Rover) und der Vereinigten Arabischen Emirate ("Al-Amal", Orbiter) erhöhen die Zahl der aktiven Missionen auf elf. Alle drei werden im Februar 2021 am Roten Planeten erwartet. Sollten sie Erfolg haben, werden sie viele neue Erkenntnisse über den Mars bringen. Und jede Menge weiteren Müll produzieren.

Quellen: Nasa Mars Exploration, ExoMars Program der Esa; Mars Orbiter Mission der Isro


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