Mars-Mission Suche nach "Beagle 2"


Mars-Roboter "Beagle 2", der seit der Landung nach Weihnachten schweigt, wird in einem Krater im Landegebiet vermutet. Die Sonde "Mars-Express" hat inzwischen ihre Umlaufbahn erreicht und soll Kontakt aufnehmen.

Die europäische Sonde 'Mars-Express' hat ihre reguläre Umlaufbahn um den Roten Planeten erreicht und soll bald eine Verbindung zu dem schweigenden Mars-Roboter 'Beagle 2' aufnehmen. Die Sonde werde in einer Höhe zwischen 300 und 10.000 Kilometern beide Pole des Mars überfliegen, sagte ein Sprecher der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA am Dienstag in Paris.

Das Triebwerk der Sonde, die bislang einer provisorischen Umlaufbahn über dem Äquator folgte, war für die Kurskorrektur am Morgen knapp vier Minuten lang gezündet worden.

Der Mars-Roboter 'Beagle 2' ist möglicherweise in einen Krater gestürzt und kann deshalb keine Signale senden. Wie der britische Projektleiter Colin Pillinger am Montag in London berichtete, sei ein Krater von etwa einem Kilometer Durchmesser erst jetzt auf Nahaufnahmen im Zielgebiet entdeckt worden. Letzte Gewissheit werde die europäische Sonde 'Mars-Express' bringen, die am 4. Januar ihre endgültige Umlaufbahn um den Roten Planeten erreicht und dann systematisch nach dem Roboter suchen kann, hieß es aus dem europäischen Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in Darmstadt.

Der Roboter war am ersten Weihnachtstag nach mehreren Monaten im All auf dem Roten Planeten gelandet. Seitdem gibt es keinen Kontakt zu ihm. Der Krater wurde nach Angaben Pillingers von der Nasa-Sonde 'Mars Global Surveyer' wenige Minuten vor der Landung des Roboters aufgenommen. Es wäre "unglaubliches Pech", wenn 'Beagle 2' in dem 10 mal 70 Kilometer großen Landegebiet ausgerechnet in den Krater gestürzt wäre "und natürlich keine gute Nachricht", sagte der Wissenschaftler.

Auch eine verstellte Zeituhr wäre eine Möglichkeit

In dem möglicherweise mehrere hundert Meter tiefen Krater könnte der Roboter, der nicht größer als ein Autoreifen ist, keine Signale absetzen. Außerdem bekäme er nicht genug Sonnenlicht für seine Kollektoren. Wenn er am Kraterrand gelandet ist, könnten Gesteinsbrocken die Entfaltung seiner Sonnensegel verhindern. Allerdings gibt es für Pillinger auch andere Erklärungen für das Schweigen von 'Beagle 2'. Denkbar sei, dass sich die Zeituhr für das Senden des Signals verstellt hat und deshalb kein Kontakt zu Stande kommt.

Mars-Express kann ab 4. Januar intensiv fahnden

Mit dem Eintreffen des 'Mars-Express', den seine Umlaufbahn bis auf 250 Kilometer an den roten Planeten heranbringt, könne intensiv nach der Lande-Einheit gefahndet werden. Am 5. Januar werde auch 'Beagle 2' seinen Sendemodus umstellen und sich wesentlich häufiger melden als bisher, sagte ESOC-Sprecherin Jocelyne Landeau-Constantin. Außerdem seien die Geräte der Sonde genau auf den Roboter zugeschnitten und damit technische Gründe für Verständigungsprobleme ausgeschlossen.

Unterdessen stellte die britische Regierung eine 'Beagle 3- Mission' in Aussicht, falls das aktuelle Projekt scheitert. "Wir haben immer gewusst, dass 'Beagle 2' ein Projekt mit großen Risiken war und müssen in Zukunft der Versuchung widerstehen, nur noch Projekte mit geringen Gefahren durchzuführen", sagte Wissenschafts- Staatssekretär Lord Sainsbury.

Mission: Bodenproben sammeln

Bislang versuchte die US-Sonde 'Odyssey' vergeblich, ein Signal von dem Roboter zu empfangen. Sie wird in den kommenden Tagen noch vier Mal die Stelle überfliegen. "Der Winkel ist allerdings sehr spitz, und deshalb setzen wir keine allzu großen Hoffnungen darauf", sagte ESOC-Sprecherin Jocelyne Landeau-Constantin. Das Lovell- Teleskop im englischen Jodrell Bank, das ebenfalls an der Suche beteiligt war, hat durch die Marsdrehung nun keine Chance mehr, ein Signal aufzufangen.

'Beagle 2' soll mit Hilfe von Bodenproben rund ein Viertel der wissenschaftlichen Experimente der Mars-Mission ermöglichen. Das ESA-Projekt ist die erste von drei derzeit laufenden Mars-Missionen, für die Europäer und Amerikaner eine günstige Planeten-Konstellation nutzten. Im Januar sollen zwei US-Sonden mit den fahrbaren Landerobotern 'Spirit' und 'Opportunity' den Mars erreichen. Seit 1960 hat es zahlreiche Versuche - vor allem der Sowjetunion und der USA - gegeben, den Nachbarplaneten der Erde mit Flugkörpern zu erreichen. Die meisten schlugen fehl. Erst 1976 gelang den USA die erste weiche Landung einer Sonde auf dem Mars.


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