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Artenschutzkonferenz in Doha: Erbittertes Tauziehen um den Roten Thun

Vor der Artenschutzkonferenz in Doha wird heftig über den Blauflossenthunfisch gestritten. Die EU-Kommmission fordert vehement ein Handelsverbot - drückt sich aber tatsächlich vor einer sofortigen bindenden Entscheidung.

Von Torsten Schäfer

Er wird vier Meter lang, schwimmt bis zu 80 Stundenkilometer schnell - und ist mit der teuerste Fisch: In Tokio zahlen Feinschmecker teils mehr als 100.000 Dollar für das rote Sushi-Fleisch eines einzigen nördlichen Blauflossenthuns. Wegen der starken Nachfrage ist sein Bestand im Ostatlantik und im Mittelmeer zwischen 1997 und 2007 um 60 Prozent geschrumpft. Jetzt steht die Art vor dem Kollaps: Zahlreiche Studien empfehlen den Fangstopp - und warnen, dass der Fisch ganz verschwinden könnte - so wie der Kabeljau vor Neufundland in den 1990er Jahren. "Das Risiko des Zusammenbruchs der Population ist gegeben", sagt Rainer Froese, Meeresbiologe am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften.

Verbot des internationalen Thunfisch-Handels gefordert

Doch der Rote Thun, wie Thunnus Thynnus auch genannt wird, soll gerettet werden: auf der Weltartenschutzkonferenz, die von Samstag an bis zum 25. März in Doha (Qatar) tagt. Monaco hat mit der Unterstützung der USA, einiger europäischer Staaten und der EU-Kommission beantragt, die Art auf Anhang 1 des Washingtoner Artenschutzübereinkommens Cites zu setzen. Damit wäre der internationale Thunfisch-Handel, bei dem japanische Unternehmen wie Mitsubishi Millionen verdienen, verboten. Japans Regierung hat deswegen in den vergangenen Wochen versucht, möglichst viele Länder gegen ein Handelsverbot in Stellung zu bringen. Bekannt ist, dass Tokio für Nein-Stimmen auch Entwicklungshilfegelder in Aussicht stellt.

Die Abstimmung in Doha wird für die letzten Sitzungstage erwartet. Ein Handelsverbot kommt nur zustande, wenn zwei Drittel der 175 Cites-Vertragsstaaten dafür stimmen. Die Mehrheitsverhältnisse sind noch unübersichtlich. Der WWF erwartet "ein erbittertes Tauziehen um den Roten Thun".

EU einigt sich in letzter Minute

Die EU-Staaten haben sich an diesem Mittwoch im letzten Moment auf eine gemeinsame Verhandlungsposition geeinigt. Der EU-Standpunkt gilt als maßgeblich für einen Abstimmungserfolg - auch, weil die Gemeinschaft mit 27 Stimmen den wichtigsten Stimmenblock stellt. Vor allem die spanische Regierung, auf die die Fischereilobby einen großen Einfluss hat, stemmte sich lange gegen ein geplantes Handelsverbot. Weil sich aber mit Italien und Frankreich zwei große EU-Staaten mit lokalen Thunfisch-Flotten dafür ausgesprochen haben, ließ sich Madrid doch noch überzeugen.

Wichtig für die Fischerei-Länder der EU ist eine geplante Ausnahmeregelung, für die sich die EU-Kommission in Doha einsetzen will: Verboten wäre zwar der internationale Handel. Innerhalb der EU dürfte aber weiter eine begrenzte Menge Roten Thuns verkauft werden, der von kleinen Fischerbooten mit traditionellen Methoden gefangen wird. Auch Umweltverbände halten dies für akzeptabel.

"Ein nicht zu vermittelnder Eiertanz"

Sturm laufen sie gegen eine vermeintliche Fußnote, die die Glaubwürdigkeit der EU in der Thunfischfrage beschädigt: Umweltkommissar Janez Potočnik und Fischereikommissarin Maria Damanaki machen sich öffentlich zwar für ein internationales Handelsverbot stark. Doch sollte dies in Doha beschlossen werden, würde es sofort ausgesetzt, wie in einer EU-Mitteilung zu lesen ist. Innerhalb eines Jahres soll dann der ständige Ausschuss der Artenschutzkonferenz beraten, ob das Verbot tatsächlich in Kraft tritt. Grundlage für die Entscheidung soll sein, welche neuen Schritte die Kommission zum Erhalt der atlantischen Thunfische (Iccat) zum Schutz des Roten Thuns beschlossen hat.

"Damit gibt die EU die Entscheidung aus der Hand. Ob es je zu einem Verbot kommt, ist völlig unklar", sagt Karoline Schacht, Fischereireferentin des WWF. "Dieser Eiertanz ist nicht zu vermitteln." Das sieht Oliver Drewes, Sprecher von EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki, ganz anders. Dies sei "der einzige Mechanismus, der international funktioniert und auf Akzeptanz stößt. Wir brauchen ein inhaltliches wie auch und prozedurales Einvernehmen in dieser Frage."

Widerstand aus Japan

Die EU will das Verbot als Drohkulisse nutzen und so Druck auf die Thunfisch-Kommission ausüben - der Forscher weitgehendes Versagen vorwerfen. "Iccat hat es bisher nicht geschafft, den Bestand zu schützen. Noch ein Jahr zu warten, verschlimmert nur die Situation", sagt der Meeresbiologe. Iccat beschließe regelmäßig zu hohe Fangquoten. Und wegen fehlender Kontrollen werde viel illegal gefischt. "Oft das Doppelte der jährlich erlaubten Mengen", so Froese.

Doch selbst wenn das Kalkül der EU-Kommission aufgeht und ein zunächst ausgesetztes Verbot die Thunfisch-Kommmission zum Handeln zwingt, kommt Widerstand aus Japan. Der stellvertretende Fischereiminister hat bereits erklärt, sein Land werde sich nicht an ein Verbot halten. Notfalls werde man eigene Fanggebiete deklarieren und so eine neue Rechtslage schaffen. Es sieht derzeit also danach aus, dass der Blauflossenthun ein Politikum bleibt - und weiter industriell gefischt wird. Trotz möglicher Beschlüsse auf der Doha-Konferenz, die der Thunfischtragödie ursprünglich ein Ende setzen sollte.

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