HOME

Artenschutzkonferenz: Kakadus im Kochtopf

Mit Bangkok ist der Ort für die 13. Artenschutzkonferenz gut gewählt: Illegaler Handel mit geschützten Tierarten ist in Asien Alltag. Vor allem der Hunger Chinas gibt Wilderern alle Hände voll zu tun.

Sie mussten knallbunte Shorts tragen, die langen Hände steckten in schweren Lederhandschuhen. Und als der Gong ertönte, nahm im Ring der Schaukampf Affe gegen Affe seinen Lauf - zur Belustigung des zahlenden Publikums. Weit über Thailand hinaus hatten die "boxenden Orang-Utans" des Privatzoos "Safari World" Schlagzeilen gemacht. Perfekt war der Skandal, als die Behörden herausfanden: knapp die Hälfte der rund 100 bedrohten Menschenaffen des Zoos waren eingeschmuggelt worden, vermutlich aus Indonesien oder Malaysia. Für Thailand ist der Fall besonders peinlich, denn das Königreich ist vom 2. bis zum 14. Oktober Gastgeber der 13. Konferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen über den Handel mit Tieren und Pflanzen (CITES).

Mit einem Aufruf Thailands zum verstärkten "Kampf gegen Verbrechen an der Natur" hat am Samstag die Konferenz in Bangkok begonnen. Dabei geht es um den künftigen Schutz gefährdeter Arten wie beispielsweise Elefanten, Tiger, Haie und tropische Vögel oder auch das Tropenholz Ramin. Zur Abstimmung stehen insgesamt 50 Änderungsanträge zu dem Vertragswerk.

Kampfaufruf gegen "Verbrechen an der Natur"

In seiner Eröffnungsrede schlug Thailands Regierungschef Thaksin Shinawatra die Gründung einer südostasiatischen Sondereinheit vor, die "Verbrechen an der Natur" bekämpfen soll. Sein Land sei bereit, dabei eine führende Rolle zu spielen. Einzelheiten dazu könnten im nächsten Jahr in Thailand beraten werden, sagte Thaksin. CITES-Generalsekretär Willem Wijnstekers forderte die Mitgliedsländer zum Handeln auf. "CITES braucht Aktion, keine Worte", sagte er. Das wichtigste sei der politische Wille der Mitgliedsländer, die Bestimmungen umzusetzen.

Das 1975 in Kraft getretene Washingtoner Artenschutzabkommen regelt den Handel mit bedrohten, wild lebenden Tier- und Pflanzenarten. Die CITES-Liste umfasst derzeit insgesamt rund 5.000 Tier- und 28.000 Pflanzenarten. Alle zwei bis drei Jahre treffen sich die CITES-Mitglieder zur Artenschutzkonferenz und entscheiden, welche Arten so gefährdet sind, dass sie in die Liste aufgenommen werden müssen oder innerhalb der Liste eine neue Einstufung erhalten sollen. Das Abkommen besteht aus einem Vertragstext und drei Anhängen mit unterschiedlichen Schutzkriterien.

Der Ort des Treffens von Vertretern aus 166 Ländern ist gut gewählt: Illegaler Handel mit geschützten Tierarten ist in Südostasien seit langem an der Tagesordnung - Tendenz deutlich steigend. Vor allem der immer größere Hunger Chinas nach exotischen Arten, angefacht von rasantem Wachstum, gibt Händlern, Jägern und Wilderern alle Hände voll zu tun. Auch in Vietnam regt der atemberaubende Wirtschaftsaufschwung dort den traditionellen Appetit auf seltenes Getier an. Es locken satte Gewinne. "Nach Drogen und Waffen ist der illegale Tierhandel die profitabelste Form von Schwarzmarktgeschäft auf der Welt, während Regierungen ihn immer noch als kleineres Vergehen behandeln", klagt der Länderdirektor für Thailand der Anti-Tierschmuggel-Organisation Wildaid, Steven Galster.

Schädel als Touristensouvenir

Die Jagdgründe rund um das Südchinesische Meer sind reich. In Indonesien haben es die Wilderer unter anderem auf bedrohte Kobras und Süßwasser-Schildkröten abgesehen, die zumeist in chinesischen Kochtöpfen landen. Lebende Orang-Utans finden Abnehmer in Zirkussen und Privatzoos wie in der "Safari World" sowie als Labor- und Haustiere. Überlebt ein Affe nicht, lässt sich mit dem Schädel immer noch als Touristensouvenir Geld machen. Ihre Geschlechtsteile finden ebenso wie die anderer Tiere in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung. Gibbons, Kakadus und Bären stehen überdies auf den Bestelllisten der Händler. Malaysia gilt neben Thailand und Vietnam als wichtiger Lieferant geschützter Schuppentiere.

"Indonesien, Birma, Laos, Malaysia und Thailand sorgen für den Nachschub und diese Seite hat in der Vergangenheit nur sehr geringen politischen Willen zur Kooperation im Kampf gegen den illegalen Tierhandel gezeigt", sagt der Vorsitzende von Wildaid Thailand, Kraisak Choonhavan. Es ist kein Geheimnis, dass etwa in Indonesien Militär und Polizei kräftig beim Schmuggel mitmischen. Nicht selten laufen Fahnder dort ins Leere. "Selbst wenn eine Razzia ganz kurzfristig angesetzt ist, wissen die Händler oft vorher Bescheid", berichtet ein Sprecher des indonesischen Forstministeriums.

Die porösen Grenzen innerhalb der Region machen den Handel leicht. Die übliche Route illegal gefangener Schuppentiere aus Malaysia nach China etwa führt über Thailand, Laos und Vietnam. Zu Lande, zu Wasser und per Luftfracht werden die Tiere quer durch die Region geschafft. Dass Korruption in der Region weit verbreitet ist, hilft den Schmugglern durchaus. "Das läuft im großen Rahmen ab", sagt Steven Galster. Gehe den Behörden ein Beteiligter ins Netz, handele es sich dabei meist nur um einen kleinen Handlanger.

Streit um Elefanten und Fische

Ein anderer Schwerpunkt der Konferenz wird der Elefantenschutz sein. Kenia ruft dazu auf, den Schutz der Löwen und der Afrikanischen Elefanten zu verbessern. Namibia dagegen möchte Elfenbein-Schmuckstücke und jährlich zwei Tonnen Rohelfenbein verkaufen. Es stamme von natürlich gestorbenen Elefanten oder solchen, die im staatlich überwachten Management getötet worden seien. Zudem möchten Namibia und Südafrika Elefantenleder vertreiben. Der Umgang mit den grauen Riesen spaltet nicht nur die afrikanischen Länder, sondern in Teilbereichen auch die Naturschützer. Die Haltung der EU dazu ist noch offen.

Ein Ziel Deutschlands und Frankreichs sei ein weiteres mehrjähriges Verbot des Handels mit Rohelfenbein, sagt der Leiter der deutschen Delegation, Jochen Flasbarth. Die Haltung der EU dazu sei jedoch noch offen. Das Thema müsse in Bangkok mit den afrikanischen Ländern besprochen werden. Auch über den Handel mit Elefantenleder werde in der EU noch diskutiert. Die Umweltverbände sind sich uneins: Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) und Pro Wildlife lehnen jeglichen Handel mit Elefantenprodukten als falsches Signal ab. Die Umweltstiftung WWF plädiert dagegen für Ausnahmen beim Leder und Elfenbein-Schmuckstücken.

Löwenbestand in Afrika dramatisch zurückgegangen

Während die Zahl der Elefanten in Afrika seit dem Handelsverbot von Elfenbein trotz des Schmuggels stark gestiegen ist, ging der Löwenbestand auf dem Kontinent dramatisch zurück. Nach Schätzungen von Pro Wildlife gibt es dort nur noch 23 000 Tiere. Allein im Jahr 2002 seien 600 Löwentrophäen in die USA und nach Europa transportiert worden.

Wilde Tiere landen nicht nur in Form von Trophäen und Schmuckstücken in den reichen Ländern, sondern auch lebend. Bereits im Jahr 2001 hatten die alten EU-Länder nach IFAW-Angaben 75 Prozent der auf dem Weltmarkt gehandelten Papageien importiert, 88 Prozent davon stammten aus Wildfängen. Die gefangenen Tiere würden zum Teil über andere Länder als angebliche Nachzuchten in alle Welt verkauft. Zwischen 1996 und 2002 importierten die alten EU-Länder laut IFAW zudem 1,5 Millionen Schildkröten, Schlangen und andere Reptilien. 90 bis 95 Prozent davon seien wild gefangen worden.

Deutschland unterstützt daher den Antrag Indonesiens für ein komplettes Handelsverbot mit dem akut vom Aussterben bedrohten Gelbwangenkakadu, der nur in Indonesien vorkommt. Die Bundesregierung hatte sich laut Flasbarth schon zuvor für diesen Papagei eingesetzt. "Jetzt ist es aber gelungen, Indonesien als Antragsteller zu gewinnen." Da der Vogel aus Indonesien stammt, habe der Antrag nun viel größere Chancen. Auch andere Länder möchten ihre Natur vor der Lust auf exotische Haustiere in den Industrieländern bewahren. So beantragte Madagaskar ein Handelsverbot für die dort lebende Spinnenschildkröte. Mexiko fordert ein Handelsverbot für einen weiteren Papagei, die Blaukopfamazone.

Indonesien bittet die Konferenz zudem, beim Kampf gegen die illegale Abholzung von Tropenwäldern zu helfen. In den vergangenen Jahren wurden dort jährlich 3,8 Millionen Hektar Wald vernichtet - die Größe Baden-Württembergs. Vieles davon landete in Europa und den USA.

Schwerpunkt Meerestiere

Ein weiterer Schwerpunkt Deutschlands sind die Meerestiere. So unterstützt Deutschland auch den Antrag Australiens und Madagaskars, den Weißen Hai besser zu schützen, der unter anderem auch im Mittelmeer lebt. CITES-Regeln gelten bislang nur für wenige kommerziell genutzte Fischarten. "Wir wollen aber, dass der Druck wächst für eine nachhaltige Ausrichtung der gesamten Fischerei", sagt Flasbarth. EU-weit abgelehnt wird der Antrag Japans, das Fleisch des Zwergwals handeln zu dürfen.

Simone Humml und Frank Brandmaier/DPA / DPA