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Lücke geschlossen: Hamburgs Wattenmeer nun auch Weltnaturerbe

Eine Lücke ist geschlossen: Seit Montag gehört das gesamte deutsche Wattenmeer zum Unesco-Weltnaturerbe. Bislang gehörte der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer nicht zu dem prestigeträchtigen Gebiet.

Eine Lücke ist geschlossen: Seit Montag gehört das gesamte deutsche Wattenmeer zum Unesco-Weltnaturerbe. Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer erhielt den prestigeträchtigen Titel in Paris.

Seit Juni 2009 stehen bereits die mehr als 9500 Quadratkilometer großen Watt-Regionen vor Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den Niederlanden als Weltnaturerbe auf einer Stufe mit Naturwundern wie der Serengeti-Steppe in Tansania oder dem Great Barrier Reef vor Australien. Nun fehlt nur noch der dänische Teil des Wattenmeeres.

In Hamburg war die Erleichterung groß. "Die wirtschaftliche Nutzung der Elbe und des Wattenmeeres war für die Unesco kein Hindernis, diese Auszeichnung auszusprechen. Über die Entscheidung kann sich ganz Hamburg freuen", sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) nach der Bekanntgabe.

Die Hansestadt war mit ihren 137 Quadratkilometern um die Inseln Neuwerk, Schar- und Nigehörn im Januar 2008 bei der Bewerbung der Anrainer abgesprungen, weil der CDU-Senat sich um Auflagen bei der geplanten Elbvertiefung sorgte. Erst unter dem späteren schwarz-grünen Bündnis wurde die Region an der Elbmündung 2010 nachgemeldet. Für Hamburg ist es der erste Welterbe-Titel.

In dem hoch sensiblen Ökosystem leben nach Angaben der Umweltbehörde tausende Arten, beispielsweise Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale. Unter anderem bieten Muschelbänke und Seegraswiesen Tieren Nahrung. Zehn bis Zwölf Millionen Zugvögel kommen jährlich. Ein ausgedehntes System aus großen Wattströmen und kleinen Prielen durchzieht weite Flächen. Kein anderes Gebiet der Erde hat eine größere zusammenhängende Sand- und Schlickfläche. Wind und Gezeiten formen die Landschaft ständig neu.

Der Hamburger Nationalpark gilt jetzt als "universelles Erbe der Menschheit". Nach Angaben der Umweltbehörde macht das Areal rund 1,4 Prozent der Welterbefläche im Wattenmeer aus. Dieses erstreckt sich nun zusammenhängend über den deutschen und niederländischen Teil des Wattenmeeres.

Der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Manfred Braasch, erklärte nach der Entscheidung des Komitees: "Dies ist ein wichtiges Signal für den Erhalt dieses einmaligen Lebensraumes." Es sei zwar vorrangig ein symbolischer Titel, aber Deutschland müsse nun auch für den Hamburger Teil der Unesco über den Zustand des Gebietes, geplante Änderungen oder Konflikte bei Tourismus, Fischerei und Schifffahrt berichten.

Für eine Anerkennung als Welterbe musste belegt werden, dass die Region weltweit einzigartig ist. "Der Titel verpflichtet, den Lebensraum für nachfolgende Generationen zu erhalten", sagte der Leiter des Nationalparks Hamburgisches Wattenmeer, Klaus Janke. Das Siegel gilt als international wirksames Werbeinstrument, um noch mehr Gäste anzuziehen.

Unklar war am Montagnachmittag noch, ob Deutschland sich über weitere Welterbe-Titel freuen kann. Die Tagung des Welterbe-Komitees zögerte sich wegen vieler Diskussionen weiter hinaus. Als Teil grenzüberschreitenden Weltkulturerbes standen noch zwei Häuser in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung auf der Kandidatenliste - sie wurden von dem Architekten und Stadtplaner Le Corbusier entworfen. Die Bundesrepublik war außerdem an der Nominierung prähistorischer Pfahlbauten rund um die Alpen beteiligt. In Baden-Württemberg und Bayern gibt es zahlreiche Relikte dieses Siedlungswesens.

DPA / DPA