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ORKAN: Sturm fegt über Bayern - Hochwasser in Frankreich und Schweiz

Mit Windgeschindigkeiten von bis zu 180 Stundenkilometern fegte der Sturm über den bayerischen Alpenraum . In Frankreich und der Schweiz führten heftige Regenfälle zu Überschwemmungen und Erdrutschen.

Der schwerste Föhnsturm seit 20 Jahren hat am Wochenende eine Spur der Verwüstung in den Alpenländern gezogen und vermutlich mindestens vier Menschen getötet. Unzählige Menschen erlitten teilweise schwere Verletzungen. Orkanböen, schwere Regenfälle, Schlammlawinen und Überflutungen richteten Schäden in Millionenhöhe an. Ganze Wälder wurden niedergemäht, Häuser demoliert, Stromleitungen gekappt, Bahn- und Straßenverbindungen unterbrochen. Dem Süden Italiens brachte warmer Südwind dagegen den Sommer zurück.

Geschwindigkeiten von bis zu 215 Kilometern pro Stunde

Unter Sturm und Regenfluten hatten neben Bayern und Österreich vor allem auch die Schweiz, Norditalien und Frankreich zu leiden. Am Sonntag war zumindest der Sturm in den Alpen wieder abgeflaut, nachdem einzelne Böen in den Ostalpen am Vortag noch Geschwindigkeiten von bis zu 215 Kilometern pro Stunde erreicht hatten. Die Aufräumarbeiten gingen weiter, der Strom floss schon wieder ungehindert, und auch Autos und Züge kamen wieder voran.

Allein in Bayern zählten die Behörden bis Sonntagmittag zehn Verletzte. Auch in der Schweiz, in Italien und in Österreich wurden etliche Menschen durch umgestürzte Bäume, herumfliegende Gegenstände oder Erdrutsche verletzt. Auf der Flucht vor Muren mussten viele Dorfbewohner wie in Frankreich ihre Wohnungen und Häuser verlassen.

Verletzte in Bayern

Von den Verletzten in Bayern traf es drei Menschen besonders schwer: Im Berchtesgadener Land wurde ein 42-jähriger Autofahrer von einem umstürzenden Baum in seinem Auto eingequetscht, woanders begrub eine frisch gemauerte und vom Sturm eingedrückte Wand einen Arbeiter unter sich. Im Landkreis Miesbach traf ein umkippender Baum eine 41 Jahre alte Frau und verletzte sie schwer. Sieben Menschen kamen nach Polizeiangaben mit leichten Verletzungen davon. Darunter vier Bootsfahrer, die trotz Windgeschwindigkeiten von 100 Kilometern pro Stunde auf den Chiemsee gefahren und gekentert waren.

Todesopfer in Österreich

Österreich, das tagelang unter dem Sturm litt und für einige Regionen Katastrophenalarm ausgerufen hatte, beklagte zwei Todesopfer. Nahe Zell am See verlor eine 72-jährige Frau am Samstag ihr Leben, als der Sturm den Wagen einer Regionalbahn aus den Schienen warf. In Oberösterreich kam ein 39-jähriger Landwirt zu Tode, der bei einer Treibjagd durch den Wind das Gleichgewicht verlor und einen Schuss aus seinem Gewehr auslöste. Besonders betroffen waren die Regionen Pinzgau und Lungau südlich von Salzburg. Im Pinzgau vernichtete der Orkan vier Mal so viel Holz, wie dort sonst im ganzen Jahr geschlagen wird. Der Schutzwald der Gemeinde Zederhaus wurde zu 80 Prozent zerstört, so dass die Behörden dort in Zukunft vermehrt Lawinen und Muren erwarten.

Italien

Eine Mure verschüttete in Italien das Auto einer 31-jährigen Frau, die mit ihrer achtjährigen Tochter im Valtellina-Tal in der Lombardei unterwegs war. Das Auto wurde vermutlich in den Hochwasser führenden Fluss Adda gedrückt und von den Fluten mitgerissen. Bis zum Sonntagmittag seien die Vermissten nicht gefunden worden, berichtete das italienische Fernsehen. Damit bestand kaum noch Hoffnung für die Vermissten.

In Norditalien waren seit Freitag zum Teil mehr als 200 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Stürmische Südwinde richteten auch in anderen Regionen Italiens Schäden an. Sogar in Rom wurden zehn Menschen verletzt. In Genua fiel außer Regen auch Sand aus der Sahara vom Himmel, so dass der Flughafen zeitweise gesperrt werden musste. Sizilien brachte der Wind 30 Grad Hitze.

Nach tagelangem heftigen Regen waren auch in der Schweiz und in Frankreich Bäche, Flüsse und Seen über die Ufer getreten. Im Südosten Frankreichs mussten mehr als 1500 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Durch das Bergdorf Schlans im Schweizer Kanton Graubünden wälzte sich eine 20 Meter breite Geröll-Lawine und riss viele Häuser weg. Die rund 100 Einwohner wurden mit Hubschrauber ausgeflogen. Wie Schlans waren auch andere Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Bei Aufräumarbeiten nach einem Erdrutsch in Ruen (Graubünden) wurden drei Baggerführer von einer neuen Schlammlawine überrascht und schwer verletzt.

Beruhigung am Sonntag

Bis zum Sonntagmittag hatte sich der Föhnsturm wieder gelegt. Das verantwortliche Tief »Uschi« sei über die Ostsee nach Nordrussland gezogen, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD). »Das Ungewöhnliche war diesmal, dass der Sturm so extrem stark in die Täler durchgriff«, sagte Hansjörg Lieske vom DWD am Sonntag in München. Einen ähnlich orkanartigen Föhnsturm habe es seit 20 Jahren nicht mehr gegeben.

Die damit einhergehenden Regenfälle von etwa 50 bis 200 Litern je Quadratmeter innerhalb von 48 Stunden haben nach Angaben der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale (HVZ) in Karlsruhe auch die Pegel der Rheinzuflüsse steigen lassen. Die Schifffahrt am Oberrhein muss wegen Hochwassers mindestens noch bis zum Dienstag ruhen, weil die Pegel am Sonntag wieder anstiegen.