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Studie zum Klimawandel: Der Permafrostboden taut in rasantem Tempo - warum das eine richtig schlechte Nachricht ist

In der Arktis weicht der Permafrostboden wesentlich schneller auf, als Forscher erwartet hatten. Für den Kampf gegen den Klimawandel ist das eine echte Hiobsbotschaft.

Vittrekwa Valley in den kanadischen Northwest Territories

Vittrekwa Valley in den kanadischen Northwest Territories: In einigen Regionen Kanadas ist der Permafrostboden bereits so stark abgetaut, wie Klimaexperten es erst für das Jahr 2090 erwartet hatten.

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Der Weltklimarat hatte im Oktober gewarnt, dass die Zeit im Kampf gegen den Klimawandel knapp werde. Nur durch "schnelles und weitreichendes" Handeln könne die Gefahr langanhaltender oder nicht mehr umkehrbarer Veränderungen begrenzt werden, schrieben die Experten aus aller Welt in ihrem Sonderbericht. Wie knapp die Zeit wirklich werden könnte, zeigt eine Studie britischer Wissenschaftler, die jetzt im Fachblatt Geophysical Research Letters (Bezahlinhalt) veröffentlicht wurde.

In Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Potsdam hatten die Forscher die Temperaturentwicklungen in der Arktis beobachtet und dabei festgestellt, dass die Sommer zwischen 2003 und 2016 sehr heiß waren. Da die dortigen Permafrostböden nur durch eine dünne Vegetations- und Humusschicht vor der Wärme geschützt werden, erhitzen sie sich besonders schnell. Die Folge: Der Boden weicht derzeit mit ungeheurer Geschwindigkeit auf. In einigen kanadischen Regionen ist er bereits so stark abgetaut, wie Klimaexperten es eigentlich erst für das Jahr 2090 erwartet hatten.

Tauen von Permafrostboden hat drastische Folgen

Permafrostböden sind Böden, die mindestens zwei Jahre durchgehend Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aufweisen. Etwa ein Viertel der Landfläche der nördlichen Hemisphäre und ein Sechstel der gesamten Erdoberfläche ist dauerhaft gefroren. "Die obere Schicht des Dauerfrostbodens taut im Sommer auf und sollte im Winter wieder zufrieren", erklärte der Leipziger Geograph Mathias Ulrich der Deutschen Welle. Aufgrund des Klimawandels werde diese sommerliche Auftauzone sukzessive größer. "Das stört das Gleichgewicht des Permafrostes, der darunter liegt, und der taut zunehmend auf."

Geschieht dies, kann das vor allem in besiedelten Gebieten drastische Konsequenzen haben, weil das Schmelzen des Eises zum Absinken der Landoberfläche führt. Die Folge: Straßen, Eisenbahnschienen, Landebahnen, Gebäude und Öl- und Gas-Pipelines können beschädigt werden. In Kanada haben die britischen Wissenschaftler mancherorts ein Absacken des Bodens um bis zu 90 Zentimeter gemessen.

Die größte Bedrohung durch das Auftauen von Permafrostböden geht aber weit über die dort lebenden Menschen hinaus und betrifft das gesamte globale Klimasystem. In den gefrorenen Böden sind gewaltige Mengen an Kohlenstoff gespeichert. Taut der Boden, wird die bis dahin durch die Kälte konservierte Biomasse von Mikroben zersetzt, wobei Kohlendioxid entsteht - und Methan, das noch eine 23 Mal stärkere Treibhauswirkung hat als CO2. Der freigesetzte Kohlenstoff wiederum verursacht eine weitere Klimaerwärmung, die wiederum das Auftauen des Bodens beschleunigt. "Laut Studien könnte das in historisch kurzer Zeit zu einer gewaltigen Emission von Treibhausgasen führen", warnt Geograph Ulrich.

Permafrostböden gelten deshalb auch als eines der bedeutendsten Kippelemente im Ökosystem Erde, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Als Kippelement bezeichnen Wissenschaftler Bestandteile des Klimasystems, die bereits durch kleine Veränderungen der äußeren Bedingungen möglicherweise unumkehrbar in einen neuen Zustand "kippen" können. Die Vereinten Nationen haben die auftauenden Böden der Nordhalbkugel daher auch als eines der gravierendsten Umweltprobleme der Menschheit identifiziert.

Quellen: Geophysical Research Letters; Alfred-Wegener-InstitutDeutsche Welle"Süddeutsche Zeitung"

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