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Weltall Schleppnetz für Schrottsatelliten – so will China den Weltraummüll einsammeln

Immer mehr Satelliten führen bislang zu immer mehr Müll.
Immer mehr Satelliten führen bislang zu immer mehr Müll.
© Getty Images
Immer mehr Müll verschmutzt den Orbit. Chinesische Wissenschaftler haben eine billige und einfache Methode erprobt, ihn loszuwerden: das Schleppnetz.

Weltraumschrott ist schon heute ein Problem und es wird immer größer – mehr als 5000 Satelliten, die ihre aktive Phase hinter sich haben, nutzen die Umlaufbahn als Schrottplatz der Ewigkeit. Dazu kommen kleine Teile von zerstörten Flugkörpern. Das Problem ist bekannt, die Lösung schwer. Im All wäre ein Verursacherprinzip dringend notwendig, dann müsste jede Firma und jeder Staat sich um die Entsorgung seines Weltallmülls kümmern. Stand heute kann man sich diese aufwendige und teure Aufgabe einfach sparen. Mit dem Ergebnis, dass der erdnahe Orbit immer mehr zu einer Müllkippe wird.

Schleppnetz an Bord

Die Shanghai Academy of Spaceflight Technology gab nun bekannt, dass chinesische Wissenschaftler eine ganz neue Methode zum Müllsammeln im All erprobt haben. Eine Rakete vom Typ Langer Marsch 2 hat ein Segel ins All gebracht. Dieses Segel entfaltet sich auf 25 Quadratmetern und es wird aus extrem dünnen Fasern gewebt.

Erprobt wurde das Verfahren an der eigenen Rakete. Das Netz hängt an der Endstufe und wird ihren Absturz beschleunigen. Anders als beim Fischfang wird das Segel mit der Beute nicht eingeholt. Die Idee ist, dass das Segel den "Luft"-Widerstand unmerklich erhöht. So wird die Stufe oder später ein Satellit allmählich abgebremst, dadurch verlässt er seine stabile Umlaufbahn. Nach und nach wird er in dichtere Schichten absinken und dort verglühen.

Einfach und billig

Das Verfahren ist wegen des geringen Gewichts des Netzes und der rein mechanischen Wirkung eine billige Methode, neue Flugkörper mit einer eingebauten Entsorgung ins All zu schicken. Bereits vorhandenen Weltraumschrotts ist möglich, aber aufwendiger. Dazu müssen die Segel gezielt auf einen Parallelkurs zu dem Schrottsatelliten ausgebracht werden, um sich dann in dessen Nähe zu entfalten. Im Vergleich zu anderen Methoden, Weltallmüll zu beseitigen, sind Netze noch am einfachsten. US-Wissenschaftler wollen rotierende Magnete einsetzen, um die Trümmer einzusammeln. Peking arbeitet an einem Riesenlaser, der von der Erde aus Weltraumschrott beschießen soll. Kehrseite aller Entsorgungsmethoden: Sie können auch als Waffe genutzt werden und aktive Satelliten aus der Umlaufbahn bringen.

Peking hat öffentlich bereits eine Schlussfolgerung aus dem Ukraine-Krieg gezogen. Da die Satelliten des Starlin-Systems das Militär der Ukraine vernetzen, müsse China in der Lage sein, die Satelliten derartige Satelliten unschädlich zu machen (Starlink: Forscher in China prüfen, wie man Elon Musks Satelliteninternet zerstören könnte).

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