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Luftüberlegenheit: Struna-1 – Russlands Radarfalle gegen unsichtbare Stealth-Jets

Wie unsichtbar sind Stealth-Jets wirklich? Der Kreml behauptet, dass seine S-400 und S-300 Raketen die Tarnkappen-Jets vom Himmel holen können. Helfen soll dabei das Struna-1-Radar. Es nutzt einen ganz einfachen Trick.

Die Luftüberlegenheit der USA beruht darauf, dass Jets wie die F-22 nicht vom Gegner aufgespürt werden können.

Die Luftüberlegenheit der USA beruht darauf, dass Jets wie die F-22 nicht vom Gegner aufgespürt werden können.

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Stealth-Flugzeuge sichern den USA weltweit eine uneingeschränkte Luftherrschaft. Wirklich unsichtbar sind Jets wie die F-22 oder die neue F-35 nicht, aber ein herkömmliches Radar kann sie nur sehr schwer aufspüren. Der Fachbegriff lautet dann auch nur "reduzierte Sichtbarkeit".

Ganz unsichtbar ist kein Jet

Jedes Radar sendet Radarstrahlen aus. Werden diese von einem Objekt reflektiert, misst das Radar den rückkehrenden Impuls an. Stealth-Jets sind mit einer Spezial-Beschichtung versehen, die die Reflexion der Strahlen sehr stark mindert. Zugleich sind die Jets so geformt, dass sie die Signale möglichst zerstreuen. Beide Methoden führen dazu, dass die gegnerische Radarstation kein brauchbares Zielsignal erhält.

Stealth-Technik Russlands stammt aus der UDSSR

Lange Zeit waren die USA und ihre Verbündeten die einzigen Länder, die über einsatzfähige Stealth-Jets verfügen. Inzwischen hat Russland jedoch eine Handvoll eigener Prototypen der T-50 fertiggestellt, China hat einen ersten eigenen Stealth-Fighter sogar schon im Truppendienst. Der Witz dabei: Die Stealth-Technik der USA basiert auf Grundlagenforschung der UdSSR. 

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Wenn Russland auch bei der Entwicklung eigener Jets weit hinter den USA liegt, behauptet der Kreml, die weltweit effektivste Luftverteidigung mit Systemen wie der S-300 und der S-400 zu besitzen.

Russische Militärs tönen unentwegt, dass sie sehr wohl in der Lage wären, die unsichtbaren US-Jets aufzuspüren. Während des Syrien-Konflikts nahm Generalmajor Igor Konashenkov, der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, kein Blatt vor den Mund und adressierte seine Warnung vor möglichen Einsätzen gegen russische Positionen direkt an Washington. Dabei sparte der Militär nicht mit Hohn und Spott für die Stealth-Jets: "Die Illusionen von Dilettanten über die Fähigkeiten ihrer Stealth-Jets könnten auf enttäuschende Erfahrungen in der Wirklichkeit stoßen", verkündete er.

Stealth-Jet : Teuer, genial und voller Pannen - das umstrittene F-35 Projekt
F-35

Eine F-35 bei einem Testflug: In der Variante F-35A ist der moderne US-Tarnkappenjet nun einsatzbereit.

Radar-Entwicklung

Da es bis jetzt zu keiner direkten Konfrontation mit den USA gekommen ist, rätselt man im Westen darüber, ob dies tatsächlich möglich wäre und wenn ja mit welchen Mitteln. Als sicher gilt es, dass zwei russische Radarsysteme gegen Stealth-Waffen zum Einsatz kommen sollen. Das eine wäre das Fernradar "Sunflower" - es nutzt einen anderen Bandbereich als herkömmliche Radaranlagen. Bei so einem Signal wäre die Stealth-Technik wirkungslos. Doch bisher ging man im Westen davon aus, dass es nicht möglich wäre, ein für militärische Zwecke hinreichend genaues Ziel zu bekommen. Sunflower würde einen Stealth-Angriff entdecken, könnte aber nichts dazu beitragen, ihn zu stoppen. 

Das US-Portal "National Interest" (How Russia Plans to Kill the Air Force's F-22 and F-35 in a War) macht auf eine andere russische Entwicklung aufmerksam. Das "Struna-1 Bistatic Radar". Es wurde erstmals 2007 auf einer Luftfahrt- und Militärmesse gezeigt (Technische Infomationen zu Struna-1MU / Barrier E Bistatic Radar auf Air Power Australia). Auch hier handelt es sich um eine Weiterentwicklung bekannter Prinzipien und um keine technische Revolution, wie sie China mit der Entwicklung eines Photonen-Radars anstrebt. 

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Bei einem "Bistatic Radar" werden Aussender und Empfänger der Radarstrahlen getrennt aufgestellt. Radarstrahlen verlieren ihre Energie mit der Strecke, die sie zurücklegen mussten. Dieser Effekt ist bei den von einem Stealth-Jet diffus reflektierten Strahlen besonders stark.

Viele kleine Empfänger

Das Struna-1 besteht also aus einem Sender und bis zu zehn kleineren Empfangsstationen, die auf einfachen Lkws transportiert werden können. Die Empfänger sind zudem für den Gegner schwer aufzuspüren. Sie können auch noch sehr schwache Signale auffangen und zu Zieldaten verarbeiten. Hintereinander aufgestellt, lässt sich mit so einem System eine Art von "Warnschlauch" gegen Stealth-Waffen aufbauen. 

Diese Radarfalle würde je System allerdings nur ein Gebiet von 160 mal 20 Kilometer abdecken, so könnte man nur ausgesuchte Ziele wie die russische Hauptstadt schützen. Außerdem arbeitet das Radar nur bis zu einer Höhe von 7000 Metern, für eine wirksame Abwehr müsste es mit einem weiteren System für große Höhen zusammenwirken.

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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?