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Militär-Spionage: So erbeuteten chinesische Hacker Daten über die streng geheime US-Waffe "Sea Dragon"

Dumm gelaufen: Die US-Navy hortete Rüstungsdaten auf dem kaum gesicherten Netzwerk einer privaten Firma. Dort griffen chinesische Spione 600 Gigabyte-Daten ab und haben nun alle Informationen über die neue Anti-Schiffsrakete der USA.

Raketenstart an Bord der USS Dewey DDG 105.

Raketenstart an Bord der USS Dewey DDG 105.

Hersteller

Chinesische Hacker haben Anfang des Jahres 614 Gigabyte Material erbeutet, als sie in das kaum gesicherte Netzwerk einer Firma einbrachen, die für das Naval Undersea Warfare Center der US Navy arbeitet. Das ist eine militärische Organisation mit Sitz in Newport, die Forschung und Entwicklung für U-Boote und Unterwasserwaffen betreibt.

Dabei sollen sie auch die streng geheimen Pläne einer neuen Überschall-Antischiffsrakete erbeutet haben. Die Überschallwaffe soll von U-Booten abgeschossen werden und bereits 2020 in Dienst gehen. Laut der "Washington Post" sollen weiterhin "Signale und Sensordaten, U-Boot-Informationen zu Verschlüsselungssystemen und zur elektronischen Kriegsführung" erbeutet haben.

Schnelle Entwicklungszeit

Von all den Leaks sind die Informationen über das das neue Waffensystem "Sea Dragon" der Marine am wichtigsten. Bisher ist über den "Wasserdrachen" nur wenig bekannt. Die Marine bescheinigt der Waffe eine "durchschlagende Offensivfähigkeit". Die neue Rakete soll zudem durch die Weiterentwicklung eines bereits bestehenden Waffensystems entstehen. Das erklärt auch die kurze Entwicklungszeit. 2015 wurde mit der Arbeit begonnen und noch in diesem Jahr soll mit der Erprobung an Bord von U-Booten begonnen werden. Das System soll bis 2020 einsatzbereit sein.

Das Technik-Portal "Popular Mechanic" hat darüber spekuliert, welche Art von Waffe die Basis des Sea Dragons können. Die vorhandenen Antischiffsraketen der Navy fallen aus, weil sie nicht schneller als der Schall fliegen können. Damit bliebe nur die aktuelle Standard Missile 6 – so "Popular Mechanic". Das ist eine Rakete, die gegen Luftziele entwickelt wurde. Der Fehlstart einer SM-6 führte vor wenigen Wochen zu einem Brand auf der deutschen Fregatte "Sachsen".

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Für den Einsatz an Bord eines U-Bootes müsste die SM-6 allerdings massiv verändert werden. Schon ihr Gefechtskopf ist derzeit viel zu klein, um größere Schiffe versenken zu können.

Keine Hyperschall-Waffe

Die Geschwindigkeit von 4,287 km/h ist wesentlich höher als die der vorhandenen Antischiffsraketen. Doch sie reicht nicht aus, um als Hyperschallwaffe zu gelten. Hyperschallwaffen sind derzeit ein wichtiger Rüstungstrend, ihre enorme Geschwindigkeit verkürzt Frühwarnzeiten enorm. Zudem sind diese Raketen so schnell, dass sie nicht von den derzeitigen Abwehrraketen abgefangen werden können.

+++ Lesen Sie hierzu: "Experten warnen: "Super-schnelle Raketen machen den Atomkrieg wahrscheinlicher"" +++

Russland entwickelt derartige Waffen mit Hochdruck. Die Antischiffsrakete Zyklon und die kürzlich vorgestellte Kinzhal – die als Atomwaffenträger gilt – sollen beide einsatzbereit sein.

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Vernetzte Rakete

Wenn die Sea Dragon nicht zur neuen Königsklasse des Raketenbaus gehört, worinliegt dann ihre Gefährlichkeit? Experten nehmen an, dass diese Raketen vom Vorsprung der USA bei der elektronischen Kriegsführung profitieren. Vermutlich wird die neue Rakete nicht allein vom startenden U-Boot aus befehligt, sondern wird in ein komplexes Leitsystem integriert sein.

Die SM-6 arbeitet vernetzt und ist nicht auf die Sensoren angewiesen, die auf ihrer Abschussplattform installiert sind. Daher könnten U-Boote als verborgene Startplattformen dienen. Damit würde ein weiterer Trend in der Raketenrüstung aufgegriffen. Vernetzte Waffen können von einem dummen Carrier gestartet werden. Die Startboxen und ein Kommunikationsmodul könnten im Prinzip auch auf einem Containerschiff oder einem Fisch-Trawler installiert werden.

Konkret könnte das Einsatzszenario der Sea Dragon so aussehen, dass eine F-35 einen weit entfernten Gegner aufspürt. Das U-Boot müsste selbst keine Zieldaten gewinnen und sich dadurch in Gefahr begeben. Es würde ausreichen, die Raketen nur grob in Richtung Ziel abzuschießen. Die eigentlichen Zieldaten würden von der F-35 geliefert werden.

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