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Auftritt bei "Anne Will" Streit in der Linken: So positionieren sich Abgeordnete zu Wagenknechts Äußerungen

Unterschiedliche Ansichten: Dietmar Bartsch distanzierte sich von den Äußerungen Sahra Wagenknechts.
Unterschiedliche Ansichten: Dietmar Bartsch distanzierte sich von den Äußerungen Sahra Wagenknechts.
© Britta Pedersen/ / Picture Alliance
Der Burgfrieden bei der Linken ist beendet: Nach den umstrittenen Äußerungen von Sahra Wagenknecht bei "Anne Will" gehen Politiker auf Abstand zur ehemaligen Fraktionsvorsitzenden.

Mit ihren kruden Thesen bei der TV-Sendung "Anne Will" sorgte Sahra Wagenknecht nicht nur bei den weiteren Gästen der Sendung um SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach für Kopfschütteln, sondern auch bei den meisten Fernsehzuschauer:innen. Vor allem aber ihre Fraktionskollegen dürften den Auftritt, bei dem Wagenknecht eine Impfung mit Verweis auf die mangelnde Solidarität dahinter ablehnte, mit Schrecken verfolgt haben. Der Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch distanzierte sich am Montagmorgen von den Aussagen Wagenknechts und rief zu einer Impfung auf, gerade weil dies solidarisch sei.

Auch Daphne Weber, Mitglied im Linken-Parteivorstand, rief zu einer Impfung auf. "Um die Pandemie zu stoppen, müssen sich möglichst viele Menschen impfen", schrieb Weber bei Twitter. Durch die nachweislichen Falschinformationen würde die mühselige Arbeit der Linken demontiert. "Sahra Wagenknecht hat komplett den Kontakt zur Partei, den Positionen und Aktiven verloren", erklärte Weber.

Für Ärger in der Partei sorgten auch die Äußerungen Wagenknechts zu Long Covid. Die 52-Jährige warf Karl Lauterbach vor, mit alarmistischen Zahlen um sich zu werfen und erklärte, dass Long Covid umstritten sei. Niema Movassat, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Parteivorstands, griff Wagenknecht für diese Theorien an. Long Covid zu bestreiten sei ein "Schlag ins Gesicht tausender und abertausender Menschen", schrieb Movassat auf Twitter. Er schäme sich, dass Wagenknecht im Namen seiner Partei solche Äußerungen tätige. 

Luigi Pantisano, Mitglied des Linken-Landesvorstands in Baden-Württemberg, schrieb auf Twitter, dass Wagenknecht nicht für die Partei sprechen, sondern nur ihre eigene Meinung vertreten würde. Gleichzeitig kritisierte er, dass die beiden Parteivorsitzenden Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow nicht zu Talkshows eingeladen werden.

Mit dem Auftritt Wagenknechts bricht ein alter Streit in der Partei wieder auf. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte es immer wieder Diskussionen um und mit der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden gegeben. Im April hatte die 52-Jährige ihr Buch "Die Selbstgerechten" veröffentlicht, in dem sie ihrer Partei vorwirft, durch Gender- und Klimadebatten die Kernwähler der Partei zu verprellen. Dabei wählte sie auch den Begriff "Lifestyle-Linke", die mehr auf die Fragen des Konsums und der Moral als auf soziale und politische Probleme fixiert seien. Einige Mitglieder der Linkspartei sprachen sich im Anschluss für ein Parteiausschlussverfahren Wagenknechts aus, weil sie der Linken mit dem Buch geschädigt habe. 

Auch im Anschluss an die Bundestagswahl, bei der die Linke nur dank dreier gewonnener Direktmandate den Wiedereinzug in das Parlament schaffte, betätigte sich Wagenknecht wieder als parteiinterne Kritikerin. Sie warf ihrer Partei in einem "Welt"-Interview vor, sich von den Grundsätzen entfernt und dadurch Stammwähler verloren zu haben. Sahra Wagenknecht zeigte auch körperliche Distanz zu ihrer Partei. Obwohl sie in den Bundestag eingezogen war, hielt sie sich von der Linken-Wahlparty in Berlin fern. 

Quelle: Welt

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