"Kriegsgipfel" Bush und Blair vertagen Trennendes


US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair haben auf ihrem ersten Gipfel seit Ausbruch des Irak-Krieges Geschlossenheit demonstriert.

Angesichts drohender politischer Risse in ihrer Allianz haben US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair auf ihrem ersten Gipfel seit Ausbruch des Irak-Krieges Geschlossenheit demonstriert. Doch vorsichtige Äußerungen Blairs und das Schweigen Bushs auf die kniffligsten Fragen zeigten, dass trennende Probleme nicht gelöst, sondern nur vertagt wurden. «Sie haben die Blechbüchse ein Stück weiter gekickt», sagte der frühere US-Außenamtssprecher James Rubin. «Lassen Sie mich unterstreichen, dass der militärische Sieg unser Hauptziel ist und sein muss«, betonte der Premier.

Blair für aktive Rolle der UNO

Blair war mit anspruchsvollem Gepäck zum Landsitz Camp David gereist. Er wollte sich für eine offensive Friedensdiplomatie im Nahen Osten einsetzen, für eine aktive Rolle der Vereinten Nationen im Nachkriegs-Irak und für die Reparatur der beschädigten Partnerschaft der USA mit einem großen Teil Europas.

Nur im ersten Punkt hat er Bush bisher voll auf seiner Seite. Der Präsident bekräftigte, dass der «Wegeplan» für eine Verständigung zwischen Israel und den Palästinensern bald veröffentlicht werden solle. Diplomaten in Washington bezweifeln allerdings, dass er rasch verwirklicht werden kann.

USA wollen Kontrolle über den Irak

Bei den Vereinten Nationen waren sich die beiden Verbündeten darin einig, dass diese das Hilfsprogramm «Öl für Nahrungsmittel» an den Irak wieder aufnehmen sollten. Bushs Warnung, das Thema zu politisieren, illustrierte gleichzeitig, dass der Irak-Konflikt im Weltsicherheitsrat noch längst nicht ausgestanden ist. US-Außenminister Colin Powell hat deutlich zu verstehen gegeben, dass die USA als militärische Führungsmacht der Invasion auch die Kontrolle über die Zukunft des Iraks beanspruchen.

Blair trat in Camp David vorerst den Rückzug an. Die UN sollten eng eingebunden werden, sagte der Premierminister, doch müsse zunächst «eine riesige Zahl von Einzelheiten mit unseren Verbündeten geklärt werden, wie es genau funktionieren soll. Außerdem ist der Konflikt noch nicht vorüber.» Die Frage sollte besser nicht auf Pressekonferenzen oder mittels «Megafon-Diplomatie» geklärt werden.

"Erörtern, wie es zu den Meinungsverschiedenheiten kam

Vor dem Treffen hatten europäische Analytiker bezweifelt, dass der «Kriegsgipfel» der richtige Zeitpunkt für den Anlauf zu einer Aussöhnung zwischen Washington und seinen Kritikern in Paris und Berlin wäre. In der «New York Times» verwiesen US-Beobachter darauf, dass in Europa derzeit ein Bild vorherrsche: das einer imperialen Macht, trunken durch ihre militärische Überlegenheit, die durch unerwarteten irakischen Widerstand jetzt eine Lehre erhalte. Blair schien sich der Einsicht zu beugen, dass eine Vermittlung verfrüht wäre. Er sagte nach seinem Treffen mit Bush: «An irgendeinem Punkt müssen wir zurückblicken und erörtern, wie es zu den Meinungsverschiedenheiten kam.»

DPA

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