US-Präsidentschaftswahl
Aufwind für die Anti-Trump-Republikanerin – so geht es für Nikki Haley nun weiter

Nikki Haley
Gewinnerlächeln: Nikki Haley bei der jüngsten republikanischen TV-Debatte 
© Justin Sullivan/Getty Images / AFP
Nikki Haley ist die Republikanerin der Stunde – auch, weil sie Donald Trump nicht allzu ähnlich ist. Präsidentschaftskandidatin dürfte sie nicht werden, aber vielleicht die Nummer zwei. Die nächsten Wochen sind entscheidend. 

Zeig' mir deine Feinde und ich sage dir, wie gefährlich du bist. Wenn es dieses Motto gäbe, wäre Nikki Haley auf einem guten Weg. Bei der vierten TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber in den USA bündelte sie so gut wie alle Beschimpfungen und Beleidigungen. Korrupt, kriegslüstern, gar faschistisch sei sie, warfen ihr die männlichen Kontrahenten an den Kopf. Doch statt sich im kleinlichen Kontra zu verzetteln, genoss sie das Rampenlicht: "Ich freue mich über die ganze Aufmerksamkeit, Jungs – vielen Dank dafür."

Sie hat Donald Trump unbeschadet überlebt 

Keine Frage: Nikki Haley, 51 Jahre alt, aus dem Bundesstaat South Carolina, ist die Frau der Stunde. Und die Hoffnung aller Konservativer, die Donald Trump nicht ausstehen können. Einst diente sie unter ihm als US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen – und hat, als eine von ganz wenigen, das Kunststück fertiggebracht, sich weder mit dem US-Präsidenten zu verkrachen noch mit dem Rest des Landes. Deshalb steht sie nun auf den Wahlkampfbühnen der USA und verzaubert ein ums andere Mal die Herzen traditioneller Republikaner. 

Seitdem das Rennen um die nächste Präsidentschaftskandidatur der Konservativen eröffnet ist, geht es eigentlich nur darum, wer hinter dem alten und neuen Favoriten Donald Trump als Zweiter ins Ziel kommt. Lange galt der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, als aussichtsreicher Kandidat. Doch der sabotiert sich mit steifen Auftritten und unnötigen Kulturkämpfen selbst – während Nikki Haley drauf und dran ist, ihm den Rang als Nummer zwei abzulaufen. 

Mit milliardenschweren Sponsoren im Rücken

Für die Spitze reicht es nicht, dazu liegt Donald Trump mit Zustimmmungswerten um die 60 Prozent so gut wie uneinholbar vorne. Aber der Platz direkt dahinter würde sie vielleicht für den Posten der Vizepräsidentschaftskandidatin qualifizieren. Mit der milliardenschweren Koch-Familie stärkt ihr jetzt schon ein mehr als potenter Geldgeber den Rücken. Zudem dürfte sie für weibliche Wählerinnen interessant sein und für die nicht-weißen Amerikaner. Nikki Haley ist die Tochter indischer Einwanderer.

Den ersten deutlichen Hinweis über die Zukunft der republikanischen Präsidentschaftskandidaten wird es am 15. Januar geben. Dann beginnen in den USA die parteiinternen Vorwahlen und damit die erste Phase des Präsidentschaftswahlkampfs.

Bei den Vorwahlen geht es bald Schlag auf Schlag

  • Sollte in den kommenden Wochen keiner der Anwärter mehr abspringen, werden bei Start der so genannten Primaries in Iowa rund eine Handvoll Namen auf den Wahlzetteln stehen. Bei der ersten Abstimmung gilt Haley nicht als Favoritin, dazu ist der Bundesstaat zu konservativ. Doch danach dürfte sich das Bewerberfeld schnell lüften. 

  • Nur eine Woche später, am 23. Januar wird in New Hampshire gewählt, ein eher moderater Staat, wo Donald Trumps Beliebtheitswerte zuletzt ab- und die Haleys zugenommen haben. 

  • In dem Turnus geht es Bundesstaat für Bundessstaat weiter, bis am 5. März der so genannte Super Tuesday ansteht. An diesem Dienstag wird in 16 Staaten gleichzeitig gewählt, darunter in so einwohnerstarken wie Kalifornien und Texas. Danach sollte der Vorentscheid durch sein und feststehen, wer als offizieller Präsidentschaftskandidat ins Rennen uns Weiße Haus geht. 

Dabei wird es sich voraussichtlich wieder um Ex-Präsident Donald Trump handeln, wie bei den beiden vergangenen Wahlen zuvor auch. Der muss sich zwar in diversen Prozessen zahlreichen Anschuldigungen stellen, doch die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass ihm die juristischen Verfahren eher nutzen als schaden. Vermutlich, weil sie sein "Ich-gegen-den-Rest-der-Welt"-Image unterstreichen.

Am Dienstag, den 5. November entscheiden die Amerikaner dann darüber, ob sie ihren aktuellen Präsidenten Joe Biden behalten wollen oder dem Ehemaligen eine neue Chance geben.

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