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Vietnam-Krieg "Ökozid-Urteil" – Französin verklagt Bayer-Monsanto wegen Agent-Orange-Produktion

Tran To Nga hat Bayer verklagt
Die Aktivistin Tran To Nga hat Bayer wegen der Produktion von Agent Orange während des Vietnam-Kriegs verklagt
© Thibault Camus/AP / DPA
Im Vietnam-Krieg wurde großflächig ein Entlaubungsmittel versprüht, dass als Agent Orange bekannt wurde. Die gesundheitlichen Folgen spüren die Menschen bis heute. Eine 79-Jährige hat die Hersteller deshalb verklagt – darunter auch Bayer.

Knapp ein halbes Jahrhundert nach dem Vietnamkrieg fällt am 10. Mai in Frankreich ein Gerichtsurteil gegen den Bayer-Konzern und andere internationale Chemieriesen. Eine 79-jährige Französin vietnamesischer Herkunft wirft dem zu Bayer gehörenden US-Unternehmen Monsanto vor, das hochgiftige Entlaubungsmittel Agent Orange geliefert zu haben, das die Vereinigten Staaten zwischen 1961 und 1971 großflächig im Kampf gegen die Vietkong-Guerilla einsetzten. Die Klägerin und die sie unterstützenden Organisationen wollen damit auch das Delikt des "Ökozids" erstmals international anerkennen lassen.

Tran To Nga heißt die Frau, die sich gegen 14 Chemieriesen stellt. Darunter ist neben dem Herbizidhersteller Monsanto, den Bayer 2018 übernommen hat, auch der US-Konzern Dow Chemical. Nga ist Journalistin und Aktivistin und kämpft bereits seit Jahren gegen das Unrecht im Vietnamkrieg. "Ich kämpfe nicht für mich selbst, sondern für meine Kinder und Millionen von Opfern", sagte sie vor dem Prozessbeginn im Januar.

Nga wurde 1942 geboren, als Vietnam noch zu Französisch-Indochina gehörte. Als junge Frau kam sie im Vietnamkrieg in Berührung mit Agent Orange, als sie im Auftrag von Partisanen Kinder unterrichtete und US-Flugzeuge das Herbizid versprühten.

6000 Kinder mit Fehlbildungen geboren

Das Entlaubungsmittel Agent Orange wird unter anderem für Krebs und schwere Fehlbildungen verantwortlich gemacht. Auch Nga und ihre Tochter leiden unter anderem unter Herzproblemen, sie selbst hat zudem Krebs. Eine weitere Tochter starb früh an einem angeborenen Herzfehler. "Noch heute werden jährlich 6000 Kinder in Vietnam mit Fehlbildungen geboren", sagt die Anwältin Valérie Cabanes.

Später zog Nga nach Frankreich. Dort wandte sie sich 2014 an das Gericht an ihrem Wohnort Evry, einer Kleinstadt südlich von Paris, das das Urteil am 10. Mai verkündet. Ngas Klage wird von Nicht-Regierungsorganisationen unterstützt, die den Konzernen "Ökozid" vorwerfen. Durch Agent Orange seien vier Millionen Menschen und die Umwelt massiv geschädigt worden, argumentieren sie. 

Die Unternehmen streiten die Zuständigkeit des Gerichts in Evry ab. Der Anwalt von Monsanto, Jean-Daniel Bretzner, argumentiert, die USA hätten Agent Orange für die nationale "Verteidigung" eingesetzt, ein ausländisches Gericht könne sich deshalb nicht mit der Sache befassen. Bayer erklärte, allein die damalige Regierung in Washington sei verantwortlich "und nicht die Lieferanten zu Kriegszeiten". In Frankreich können seit einem Parlamentsbeschluss von 2013 auch Straftaten angeklagt werden, die in einem anderen Land begangen wurden.

Einige Konzerne, Bayer gehört nicht dazu, haben der Klägerin eine Entschädigung angeboten. Doch Tran To Nga geht es nicht um Geld, sondern um Gerechtigkeit. Sie bezeichnet den Prozess als "den letzten Kampf" ihres Lebens. Ein Krebsspezialist habe ihr 2017 noch fünf Lebensjahre vorausgesagt, sagt sie.

nik AFP

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