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"Unislamisch" Ahmadinedschad kassiert Rüffel für Umarmung


Eine Umarmung zur Beileidsbekundung - eigentlich etwas Normales. Dass Irans Präsident bei der Trauerfeier für Hugo Chávez dessen Mutter berührt, ist für die religiösen Führer seines Landes ein Unding.

Irans religiöse Führer haben das Verhalten von Präsident Mahmud Ahmadinedschad auf der Trauerfeier für Hugo Chávez als unislamisch kritisiert. Der Zorn der Kleriker bezieht sich auf ein Foto, auf dem Ahmadinedschad die Mutter des verstorbenen venezolanischen Staatschefs umarmt, wie die Presse in Teheran am Dienstag berichtete. Ahmadinedschad hatte zunächst bestritten, eine fremde Frau umarmt zu haben, und dann behauptet, das Berührungsverbot gelte nicht für alte Frauen. Kleriker widersprachen dieser Koran-Auslegung des iranischen Präsidenten. Zudem hätte Ahmadinedschad Chávez nicht als Märtyrer bezeichnen dürfen, weil dieser Titel Muslimen vorbehalten sei, hieß es weiter.

Bereits zuvor musste Irans Präsident heftige Kritik für seine Reise zur Trauerfeier einstecken. Ahmadinedschad hatte für die Zeremonie in Caracas am Freitag eine Parlamentssitzung über das kommende Haushaltsbudget im Iran verpasst. "Was ist wichtiger: Tränen für Venezuela zu vergießen oder für sein eigenes Land und die Menschen", fragte der Abgeordnete Gholam-Ali Dschafarsadeh am Sonntag einem Bericht der Nachrichtenagentur Mehr zufolge. Die Abgeordneten wollten, dass Ahmadinedschad ungeklärte Fragen zum Haushalt beantwortet. Das neue Haushaltsjahr im Iran beginnt am 21. März.

Zur Trauerfeier am vergangenen Freitag waren zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus aller Welt nach Caracas gekommen, unter ihnen Raúl Castro aus Kuba und Evo Morales aus Bolivien. Der Trauerakt in der Militärakademie Fuerte Tiuna wurde im Fernsehen live übertragen. Insgesamt wurden nach Angaben der venezolanischen Behörden 50 Delegationen von Staats- oder Regierungschefs angeführt.

mlr/DPA DPA

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