11. September Terrorflugzeug hätte gestoppt werden können


Nach Einschätzung der Untersuchungskommission zum 11. September 2001 hatte es die Chance geben, zumindest eines der entführten Flugzeuge abzufangen.

Das US-Verteidigungsministerium hat nach Einschätzung der Untersuchungskommission zum 11. September 2001 die Chance vergeben, zumindest eines der entführten Flugzeuge abzufangen. In einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht listete die Kommission eine Serie von Fehlern der Luftverkehrsbehörden und der Streitkräfte auf. So verging mehr als eine Stunde zwischen der ersten Entführung eines Flugzeugs und dem Absturz der letzten der vier Maschinen in Pennsylvania.

"Wir kehren zum Flughafen zurück"

In dem Bericht enthalten sind auch die Abschriften von Funksprüchen aus dem Cockpit von Flug American Airlines 11, der in Boston startete und das World Trade Center traf. Zu hören ist, wie eine Person, wahrscheinlich Mohammed Atta, der Anführer der 19 Hijacker, zu den Passagieren sagt: "Bleiben Sie ruhig und es wird Ihnen nichts geschehen. Wir kehren zum Flughafen zurück."

Die Kommission erklärte, die Luftverkehrsbehörde (FAA) und das Nordamerikanische Luftverteidigungskommando (NORAD) hätten nicht gewusst, wie sie auf die Entführungen reagieren sollten. Daher sei zu spät der Befehl ergangen, Kampfjets zu entsenden, um die Flugzeuge aufzuhalten. Vizepräsident Dick Cheney unterzeichnete schließlich die Anweisung, die entführten Maschinen abzuschießen. Die Militärpiloten erreichte diese Order jedoch erst, nachdem das letzte der vier Flugzeuge in Pennsylvania aufgeschlagen war.

Eine Entführung blieb unbemerkt

Eine weitere Panne: Die Fluglotsen bemerkten zunächst nicht die Entführung von Flug 77 der American Airlines, als die Maschine nach dem Start nahe Washington vom Kurs abwich. Das Flugzeug flog wegen eines Radar-Problems 36 Minuten unbemerkt auf Washington zu. Nur eine Frachtmaschine der Streitkräfte hielt sich in der Nähe auf, konnte aber nicht eingreifen, als das Flugzeug in das Pentagon raste.

In dem Bericht machte die Kommission hauptsächlich mangelnde Koordination für die langsame Reaktion der Behörden verantwortlich. In den Notfallanweisungen werde von normalen Flugzeugentführungen ausgegangen, nicht von Selbstmordattentätern. "NORAD und die FAA waren auf die Art der Angriffe gegen die USA vom 11. September 2001 nicht vorbereitet", hieß es.

Die Kommission hatte jedoch auch Lob für die Arbeit der Regierungsbehörden. So habe in den Stunden nach den Anschlägen die Landung von fast 4.500 Flugzeugen organisiert werden müssen. Etwa ein Viertel davon hätten die Fluglotsen umgeleitet und damit 50 Mal mehr Maschinen abgefertigt als üblich.

Die Mitglieder der Kommission befragten in den eineinhalb Jahren ihrer Arbeit mehr als 1.000 Zeugen und sichteten mehr als zwei Millionen Dokumente. Ihren Abschlussbericht will die Kommission im Juli vorlegen.

Keine Belege für eine Verbindung zwischen El Kaida und Irak

Am Mittwoch hatte die Kommission erklärt, sie sehe im Gegensatz zur US-Regierung keine Belege für eine Verbindung zwischen El Kaida und Irak vor den Terroranschlägen. US-Präsident George W. Bush hatte eine solche Verbindung als einen der Gründe für die Notwendigkeit des Sturzes von Saddam Hussein genannt. Weiter hieß es, deren mutmaßliche Organisator der Anschläge, der festgenommene Chalid Scheich Mohammed, habe ursprünglich zehn Flugzeuge entführen wollen. Als Ziele seien unter anderem die Zentralen von Geheimdienst CIA und Bundespolizei FBI, Atomkraftwerke und hohe Gebäude in den Staaten Kalifornien und Washington vorgesehen gewesen. Dieser Plan sei jedoch von Terrorchef Osama Bin Laden zurückgewiesen worden.

Hope Yen/AP


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