HOME

20.000 warten in Homs auf Hilfe: China fordert sofortiges Ende der Gewalt in Syrien

Allmählich scheint nun auch China die Geduld mit Syrien zu verlieren. Obwohl sie bisher stets eine UN-Resolution blockiert hat, fordert nun auch die Führung in Peking ein sofortiges Ende der Gewalt.

China hat die syrische Führung und die anderen Konfliktparteien zu einem sofortigen Ende der Gewalt aufgefordert. Jegliche Gewalt, insbesondere "gegen unschuldige Zivilisten", müsse unverzüglich, vollständig und ohne Vorbedingungen beendet werden, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Peking, aus der die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua zitierte. Die syrische Regierung und jene Kräfte mit "politischen Bestrebungen" in Syrien wurden darin zum Dialog aufgefordert.

Zugleich bekräftigte Peking seine Ablehnung einer internationalen Intervention in Syrien. China und Russland hatten gegen die beiden letzten Syrien-Resolutionen des Sicherheitsrats ihr Veto mit der Begründung eingelegt, darin werde nur die Gewalt der syrischen Sicherheitskräfte, aber nicht die der Rebellen verurteilt. Bereits am Donnerstag hatte der UN-Sicherheitsrat Syrien einstimmig auf, der UN-Nothilfebeauftragten Valerie Amos die Einreise zu ermöglichen. Diese Erklärung wurde auch von Russland und China unterzeichnet. In Syrien wurden seit Beginn des Konflikts vor rund einem Jahr nach UN-Schätzungen mehr als 7600 Menschen getötet.

20.000 warten ins Homs dringend auf Hilfe

Rotes Kreuz und Roter Halbmond warteten unterdessen weiterhin auf Zutritt zum umkämpften Homser Stadtviertel Baba Amr, wo rund 20.000 Menschen dringend auf Hilfe warten. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) begann nach Angaben seines Sprechers Saleh Dabbakeh damit, Hilfsgüter an Flüchtlinge aus Baba Amr zu verteilen, die sich in dem nahegelegenen Dorf Abel befanden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte Damaskus auf, Helfern ohne Vorbedingungen Zugang zu gewähren. Er äußerte in New York zudem Unverständnis darüber, dass der UN-Nothilfebeauftragten Valerie Amos die Einreise nach Syrien verweigert wurde.

In Daraa, wo die Proteste gegen Staatspräsident Baschar al Assad ihren Ausgang genommen hatten, starben nach Regierungsangaben bei einem Selbstmordanschlag am Samstag mindestens zwei Zivilisten. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Sana wurden 20 weitere Menschen, darunter auch Sicherheitskräfte, verletzt, als ein "Terrorist" eine Autobombe im Stadtzentrum gezündet habe. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London berichtete von einer Explosion in Daraa mit zwei Toten und mehreren Verletzten. Landesweit starben nach Angaben der Beobachtungsstelle am Samstag mindestens 44 Menschen, darunter 26 Zivilisten.

Vier Wochen Offensive, mehr als 700 Tote

Nach Angaben von Menschenrechtlern beschränkt die syrische Armee ihre Angriffe nicht auf Homs. Auch die nahegelegene Protesthochburg Rastan wurde bombardiert, hieß es in Berichten am Sonntag. Wie ein Srpecher der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, starben dabei mindestens sieben Menschen. Im Norden Rastans wurden seit dem Morgen Stellungen der Freien Syrischen Armee "heftig" beschossen, so der Sprecher. Unter den Toten seien mindestens vier Kinder. Die Stadt, die nur 20 Kilometer von Homs entfernt ist, war nach Angaben eines Offiziers der überwiegend aus Deserteuren bestehenden Truppe seit Anfang Februar in der Hand der Rebellen.

Bei der seit fast vier Wochen andauernden Offensive gegen Homs wurden nach Schätzungen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch rund 700 Menschen getötet. Auf Satellitenbildern sei zu sehen, dass rund 640 Gebäude in Baba Amr beschädigt seien, erklärte HRW.

dho/AFP / AFP