25 Jahre Solidarnosc Köhler würdigt welthistorische Bedeutung


In Danzig haben bei Gedenkfeiern tausende Menschen an die erste freie Gewerkschaft des Ostblocks erinnert. Bundespräsident Horst Köhler sieht Solidarnosc gar als Voraussetzung für den späteren Zerfall des Kommunismus.

Am 25. Jahrestag der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc hat der deutsche Bundespräsident Horst Köhler die Vorreiterrolle Polens für die Freiheit in Europa gewürdigt. In Danzig forderte er gleichzeitig Deutschland und Polen zu Gemeinsamkeit im Umgang mit ihrer Geschichte auf. An der Zeremonie, bei der vorrangig die Rolle des Arbeiterführers Lech Walesa gewürdigt wurde, nahmen auch Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker und zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus Osteuropa teil. Köhler, der Polen einen dreitägigen Staatsbesuch abstattet, erklärte unter Beifall: "Dass Polen das kommunistische Joch abgeworfen hat, war eine Voraussetzung für die Einheit Europas." Die Polen hätten sich am Ende nicht nur selbst befreit, sondern einen "welthistorischen Prozess" in Gang gesetzt, der bis heute fortwirke. Köhler nannte dazu speziell die orangefarbene Revolution in der Ukraine und die so genannte Rosenrevolution in Georgien.

Streitthemen werden ausgeklammert

Auf dem umstrittenen Plan für ein "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin ging Köhler nicht ein. Er erklärte: "Niemand darf die Geschichte umdeuten." Polen und Deutsche sollten aufrichtig und im Zeichen der Versöhnung über die Vergangenheit sprechen. Dies sei bereits in der bilateralen "Danziger Erklärung" vor zwei Jahren als Kurs für die gemeinsame Zukunft niedergelegt worden. Am Montag hatte er in Warschau die Berechtigung der Trauer über die Lebensschicksale von Vertriebenen betont und gefordert, Formen der Erinnerung sollten in einen europäischen Rahmen gestellt werden.

Walesa sagte in seiner mit Ovationen aufgenommenen Rede, der von ihm geführten Gewerkschaftsbewegung sei es nach ihrer Gründung 1980 gelungen, "dem großen Bären die Zähne einzuschlagen". Der russische Präsident Michail Gorbatschow habe naiv geglaubt, der Kommunismus könne reformiert werden. Tatsächlich sei Kommunismus unreformierbar, sonst wäre er kein Kommunismus mehr. Walesa forderte die EU-Staaten auf, trotz unterschiedlicher Interessen an einem Strang zu ziehen: "Dafür hat Danzig gekämpft!" rief er aus. Unter den weiteren Rednern waren EU-Kommissionspräsident José Barroso sowie der persönliche Vertreter von US-Präsident George W. Bush, der frühere US-Außenminister James Baker, sowie der frühere US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski. Auch die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright war unter den mehreren hundert Gästen.

Messe unter freiem Himmel

Der Höhepunkt der Gedenkfeiern war eine Messe unter freiem Himmel mit mehreren tausend Menschen unter einem Meer von Solidarnosc-Fahnen. Papst Benedikt XVI. sandte ein Grußwort. Unter der Führung von Walesa hatte Solidarnosc den Machtkampf mit der von Moskau abhängigen Regierung aufgenommen. Sie wurde 1980 als erste freie Gewerkschaft in einem kommunistischen Land toleriert. 1981 wurde sie verboten und erst 1989 wieder zugelassen. Die Umsetzung demokratischer Reformen wurden zur entscheidenden Voraussetzung für den Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs im selben Jahr. Heute ist Solidarnosc zerfallen. Walesa hatte angekündigt, am Anschluss an die Feierlichkeiten seine Mitgliedschaft aufzugeben.

Frieder Reimold/AP AP

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