60 Jahre D-Day "Beispielhafte" Versöhnung in der Normandie


Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac machte die D-Day-Feiern in der Normandie zu einer Bühne der deutsch-französischen Freundschaft und pries die Versöhnung als Beispiel für die Welt. Der Kanzler bewies Takt und Zurückhaltung.

Standing Ovations für die Veteranen, Paraden von Truppen, Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen: Stolz und selbstbewusst, aber nicht triumphierend, gedachten die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs der Landung in der Normandie. Bei der Hauptzeremonie mit 24 Staats- und Regierungschefs in Arromanches saß ein ganz besonderer Gast in der zweiten Reihe: Bundeskanzler Gerhard Schröder, der als erster deutscher Regierungschef zum Jahrestag des D-Days geladen war.

Besonders gewürdigt wurde die deutsche Beteiligung an den Feierlichkeiten vom Gastgeber. Der französische Präsident Jacques Chirac ging in seiner kurzen Ansprache ausführlich auf den einstigen Erzfeind ein, dessen militärische Niederlage am 6. Juni 1944 eingeleitet worden war. Frankreich und Deutschland, die sich einst erbittert bekämpften und nun gemeinsam die Gegenwart und die Zukunft meisterten, seien für die ganze Welt ein Beispiel, wie Feindschaft überwunden werden könne. Die Versöhnung zeige, "dass im Hass keine Zukunft liegt, dass es immer einen Weg für den Frieden gibt", sagte der französische Staatschef.

Vom "Irrsinn" zur "Partnerschaft"

Nicht zufällig schloss am Abend eine historische deutsch-französische Zeremonie im Memorial von Caen die Feiern zum 60. Jahrestag der Landung ab. "Aus nationalistischem Irrsinn ist eine europäische Partnerschaft geworden", so klang Schröders Rede in Caen wie ein Echo der Botschaft Chiracs. "Es ist nicht das alte Deutschland jener finsteren Jahre, das ich hier vertrete", sagte der nur wenige Monate vor der Landung der Alliierten geborene Kanzler. "Mein Land hat den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völkergemeinschaft gefunden."

Die Freunde Schröder und Chirac, die an diesem Tag einen neuen Höhepunkt in den deutsch-französischen Beziehungen markierten, unterstrichen, die Konsequenz der Vergangenheit könne nur ein freies und demokratisches Europa sein.

Der Kanzler bewies am D-Day Takt und Zurückhaltung: Er verzichtete trotz Protesten der Opposition auf eine Kranzniederlegung auf dem deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe, wo auch tausende Tote der in Frankreich verhassten Waffen-SS liegen, und wich auf den britischen Friedhof Ranville aus. Dort wollte er neben den dort beigesetzten 322 deutschen auch die britischen Gefallenen ehren.

Veteranen gefeiert - Spektakel am Gold-Beach

Die Helden von damals waren auch die Helden vom Sonntag: Mehr als 10.000 zum Teil hochbetagte alliierte Veteranen waren noch einmal in die Normandie gekommen, wo sie von Ehrung zu Ehrung gereicht wurden. Die meisten von ihnen dürften den nächsten runden Jahrestag der Landung im Jahr 2014 nicht mehr erleben. 14 von ihnen - aus jedem der an der Operation Overlord beteiligten Nationen einer - wurden in Arromanches vor den Augen der Weltöffentlichkeit von Chirac zu Rittern der Ehrenlegion geschlagen.

133 defilierten zum Auftakt der Zeremonie zur Musik des Hollywood-Films "Der längste Tag" vor der Ehrentribüne, einige Veteranen mussten im Rollstuhl geschoben werden. In dem bewegenden Moment hielt es selbst Chirac, Bush, Putin und Co. auf der Ehrentribüne nicht mehr auf ihren Sitzen.

Das gut anderthalbstündige Spektakel an der Gold-Küste, wo 1944 die Engländer landeten, war den tausenden Gefallenen des D-Days und den Opfern der Nazi-Herrschaft gewidmet, ging aber ganz im Sinne der Versöhnungsbotschaft zukunftsgerichtet zu Ende. Zu den Klängen von Beethovens Ode an die Freude wurden auf großen Leinwänden Filmaufnahmen gezeigt, bei denen sich tausende Bewohner der Normandie auf den Landungsstränden zu den Wörtern zusammenstellten: Normandie, Liberte, Merci - Normandie, Freiheit, Danke.

Uwe Gepp/DPA DPA

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