Afghanistan Anschlag auf Bundeswehr in Kundus


Auf eine Bundeswehr-Patrouille des deutschen Wiederaufbauteams ist in Afghanistan ein Sprengstoffanschlag verübt worden. Zwei Soldaten wurden schwer, einer leicht verletzt worden. Zu dem Anschlag hat sich radikalislamischen Taliban bekannt.

Im Internet haben sich die radikalislamischen Taliban zu dem Anschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille in der nordafghanischen Provinz Kundus bekannt. In der am Donnerstag verbreiteten Erklärung heißt es, Kämpfer hätten in der Nacht zuvor einen "Panzer der NATO-Truppen" in die Luft gesprengt. Dabei seien 13 Soldaten getötet oder verletzt worden. Die von den Extremisten nach Anschlägen verbreiteten Opferzahlen gelten als stark übertrieben.

Landmine zerstörte Bundeswehrfahrzeug

Zuvor hatte bereits der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammad Omar, die Taliban für den Anschlag verantwortlich gemacht. Die Aufständischen hätten den Sprengsatz gelegt, der das Bundeswehrfahrzeug zerstört habe, sagte er. Den Angaben zufolge soll es sich um eine Landmine gehandelt haben, die beim Auffahren des gepanzerten Fahrzeugs explodierte.

Bei dem Anschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille des deutschen Wiederaufbauteams in Afghanistan wurden drei Soldaten verletzt. Zwei Bundeswehrangehörige wurden schwer verletzt, einer leicht. Einen entsprechenden Bericht von "Bild.de" bestätigte am Donnerstag ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam. Der Anschlag habe sich nach afghanischer Zeit in der Nacht zum Donnerstag (20.40 Uhr MEZ) westlich von Kundus ereignet.

Soldaten in stabilem Zustand

Die Männer seien in einem geschützten Fahrzeug vom Typ Dingo unterwegs gewesen, sagte der Sprecher des Einsatzführungskommandos auf Anfrage. Die Verletzten seien noch am Anschlagsort von deutschen Sanitätern versorgt und dann in Rettungszentren in Kundus und Masar-i-Sharif gebracht worden. Die beiden Schwerverletzten würden nach Deutschland ausgeflogen. Die Soldaten befänden sich in einem stabilen und transportfähigen Zustand.

Die afghanische Regierung befürchtet eine Ausweitung der Taliban-Aktivitäten auf den Norden und Westen des Landes. Die Aufständischen "werden versuchen, den Krieg auf den Westen und den Norden auszudehnen", warnte der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Kabul, die per Videoschaltung ins NATO-Hauptquartier in Brüssel übertragen wurde. In Nordafghanistan sind rund 3.200 Bundeswehrsoldaten stationiert.

Bisher galten nur Süden und Osten als gefährlich

Bislang galten der Norden und Westen Afghanistans als relativ ruhig verglichen mit dem hart umkämpften Süden und Osten des Landes. Seit dem vergangenen Sommer mehren sich aber die Raketenangriffe auf das Bundeswehrlager in der nordafghanischen Stadt Kundus, wie Offiziere dort in der vergangenen Woche vor Journalisten berichteten: "Es vergeht kaum mehr eine Woche, fast kein Tag, an dem es keinen Raketenangriff gibt", sagte Oberstleutnant Dietmar Jeserich. Wardak betonte indes, das "Gravitätszentrum" der Gewalt in Afghanistan seien immer noch die Regionen im Süden und Osten.

Er hoffe, dass es den Aufständischen nicht gelingen werde, ihre Aktivitäten im Norden und Westen zu verschärfen: "Ich bezweifle, dass sie Erfolg haben werden", sagte der afghanische Verteidigungsminister. Zur Begründung erklärte Wardak, die Taliban verlören an Rückhalt in der Bevölkerung. Die Afghanen stellten fest, dass die Aufständischen nicht einmal das Leben von Frauen und Kindern achteten: "Immer mehr Leute versuchen, sich von ihnen fernzuhalten." Die der Bevölkerungsgruppe der Paschtunen entstammenden Taliban haben ihren stärksten Rückhalt traditionell im Süden des Landes. Im Norden dominieren andere Bevölkerungsgruppen.

DPA DPA

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