Afghanistan Nato übernimmt Kommando im Süden


Die Nato hat ihren Afghanistan-Einsatz auf den Süden des Landes ausgeweitet. Damit übernahm das Verteidigungsbündnis das Kommando aus den Händen der USA. Es könnte der gefährlichste Einsatz der Nato-Geschichte werden.

Mehr als viereinhalb Jahre nach dem Sturz der Taliban hat die Internationale Schutztruppe Isaf das Kommando über den unruhigen Süden Afghanistans übernommen. Das teilten die US-geführten Koalitionstruppen, die das Kommando über die Krisenregion bislang innehatten, am frühen Montagmorgen (Ortszeit) mit. Rund 8.000 Isaf-Soldaten übernahmen in der als äußerst gefährlich geltenden Region die Kontrolle von den US-geführten Koalitionsstreitkräften. Der Befehlshaber der US-Truppen, Generalleutnant Karl Eikenberry, sagte, die Übergabe zeige dem afghanischen Volk die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft, Sicherheit bis in die südlichen Provinzen zu bringen. Die überwiegend britischen, kanadischen und niederländischen ISAF-Soldaten werden vom britischen Generalleutnant David Richards befehligt. Er ist der erste nicht amerikanische General in der 57-jährigen NATO-Geschichte, unter dessen Kommando in einem Kampfeinsatz auch US-Truppen stehen.

Die Sicherheitslage besonders im Süden Afghanistans ist so schlecht wie nie seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.

Die Isaf-Schutztruppe wird seit August 2003 von der NATO geführt. Bislang operierten im Süden nur die Koalitionstruppen, die im Rahmen der "Operation Enduring Freedom" gegen Extremisten kämpfen.

Größte Offensive gegen die Taliban endet

Mit der Kommandoübernahme durch die Isaf endete zugleich die bislang größte Offensive der Koalition gegen die Taliban seit deren Sturz Ende 2001. Mitte Mai hatten die Koalitionstruppen mit mehr als 10.000 Soldaten die Operation "Mountain Thrust" ("Vorstoß in die Berge") gestartet. Mehr als 900 Menschen starben seitdem bei Kämpfen und Anschlägen, darunter hunderte Rebellen, aber auch mehr als 35 ausländische Soldaten.

Bei Kämpfen am Wochenende waren erneut Dutzende Rebellen getötet worden. Die mit einem UN-Mandat ausgestattete Isaf operiert bislang nur im Norden, im Westen und in der Hauptstadt Kabul. Zusätzlich zu ihren bislang gut 10.000 Soldaten will die Schutztruppe 8000 Soldaten im Süden stationieren. Die USA werden ihre Truppen dort im Gegenzug reduzieren.

Bis Jahresende soll die ISAF auch Verantwortung für Ostafghanistan übernehmen und damit im ganzen Land präsent sein. Die rund 2850 deutschen ISAF-Soldaten sollen nicht in Südafghanistan stationiert werden. Die Bundeswehr hat am 1. Juni das Regionalkommando für die ISAF in Nordafghanistan übernommen.

Reuters/DPA DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker