Afghanistan Nato weitet Einsatz übers ganze Land aus


Die Nato hat "die Aufgabe, Gesamtafghanistan zu stabilisieren" - so fasst Verteidigungsminister Franz Josef Jung die neue Strategie für das Land zusammen. Deshalb wird die Nato ihren Einsatz auch auf den gefährlichen Osten des Landes ausdehnen.

Die Nato will mit einer Ausweitung der Isaf-Mission in den äußerst gefährlichen Osten Afghanistans den zunehmenden Anschlägen in dem Land trotzen. Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte beim Treffen der Verteidigungsminister, die Nato-geführte Isaf-Mission solle bis Ende November in ganz Afghanistan im Einsatz sein.

Niemand solle daran zweifeln, "dass die Nato entschlossen ist und die Fähigkeit für diese Mission hat". US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld äußerte sich zuversichtlich, "dass das Bündnis ihrer Verantwortung in Afghanistan gerecht wird". Er wollte sich aber nicht festlegen, wann die Allianz mit der Ausdehnung nach Osten beginnen könnte. Derzeit wird der Süden und Osten des Landes noch von US-Truppen im Rahmen der Mission "Enduring Freedom" kontrolliert. Bis Ende Juli soll die Isaf aber unter britischer Führung zumindest die Kontrolle im Süden übernehmen, obwohl es vor allem dort in jüngster Zeit zu vermehrten Terroranschlägen gekommen ist.

"Bis jetzt so viele Anschläge wie inm ganzen Jahr 2005"

Besorgt über die Sicherheitslage in Afghanistan äußerte sich der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung. In diesem Jahr habe es bislang bereits so viele Terroranschläge gegeben wie 2005 insgesamt, sagte Jung in Brüssel. "Das ist schon ein Punkt, den man sorgenvoll sehen muss." Aber auch Jung glaubt, dass "wir jetzt die Aufgabe haben, Gesamtafghanistan zu stabilisieren." Erforderlich sei eine "vernetzte Sicherheitspolitik", die auch den zivilen Wiederaufbau beinhalten müsse.

An dem Treffen in Brüssel nahmen erstmals der afghanische Verteidigungsminister Rahim Wardak und die Ressortchefs der Staaten teil, die der Nato nicht angehören, aber dennoch Truppen für Isaf stellen. Wardak zeigte sich im Anschluss "überwältigt von der Unterstützung aller Teilnehmer", seinem Land zu Stabilität und Wiederaufbau zu verhelfen.

Bislang ist die Nato-geführte Isaf-Truppe mit rund 9000 Soldaten im Westen und Norden des Landes im Einsatz. An der Mission beteiligt sind neben den 26 Nato-Staaten weitere elf Länder, darunter Australien und Neuseeland. Die Bundeswehr hat 2800 Soldaten in dem Land stationiert. Nach der Ausweitung in den Süden mit zusätzlichen 6000 Mann soll der Osten folgen. Dafür sind laut Nato-Sprecher James Appathurai weitere 10.000 Soldaten vorgesehen, so dass das Isaf-Kontingent dann aus 25.000 Mann bestehen würde.

Zugleich verabschiedeten die Minister eine neue Strategie, nach der die Nato künftig bis zu acht Einsätze gleichzeitig führen können soll. "Das soll die Truppenplanungen mit den Realitäten des 21. Jahrhunderts in Einklang bringen", sagte Appathurai. Auf dem Papier soll die Allianz danach künftig bis zu zwei größere Einsätze mit mehr als 60.000 Mann und bis zu sechs kleinere Missionen mit 20.000 bis 30.000 Soldaten parallel ausführen können.

"Mittelfristig mehr Mittel für Verteidigung vorsehen"

Zudem bekräftigten die Minister ihr Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für den Verteidigungshaushalt aufzubringen. Bislang erfüllen dies nur sieben der 26 Mitgliedsländer, Deutschland befindet sich nicht darunter. Jung sagte, oberstes Ziel der Bundesregierung sei derzeit die Konsolidierung des Haushalts und die Schaffung von Wachstum. Mittelfristig müsse die Bundesregierung aber wieder "etwas mehr Mittel für den Verteidigungsetat vorsehen", so Jung. "Wir können nicht immer mehr Aufgaben wahrnehmen und nicht die notwendigen finanziellen Grundlagen dafür bereitstellen.

AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker