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Afghanistan: Nato will Truppen verstärken

Der Widerstand der Taliban stellt die Nato vor immer größere Probleme. Nun soll das Aufstocken der Kampftruppen Abhilfe schaffen. Die USA wollen mehr Geld zur Verfügung stellen, Deutschland könnte neue Soldaten entsenden.

Angesichts der zunehmenden Gewalt in Afghanistan will die Nato die Truppen am Hindukusch verstärken. Dem Kommandeur der Afghanistan-Truppe Isaf, General David Richards, zufolge wird voraussichtlich zunächst eine weitere Brigade Kampftruppen kurzfristig in das Land verlegt. Dieser Verstärkung würden weitere folgen. Welche Staaten Kontingente stellen, ließ er offen. Derzeit umfasst die Isaf mehr als 33.000 Mann, darunter knapp 3000 Bundeswehrsoldaten.

Auch USA wollen Entwicklungshilfe erhöhen

US-Präsident George W. Bush will den Kongress um weitere 10,6 Milliarden Dollar für den Afghanistan-Einsatz bitten. Die Regierung werde 8,6 Milliarden Dollar für die Ausbildung und Ausrüstung der afghanischen Sicherheitskräfte beantragen, sagte Außenministerin Condoleezza Rice in Brüssel. Weitere zwei Milliarden sollten für den Wiederaufbau des Landes eingesetzt werden. Die USA führen in Afghanistan eine separate 8000 Mann starke Truppe, die sich mit ihrer "Operation Enduring Freedom" dem Anti-Terror-Kampf verschrieben hat.

Eine internationale Konferenz in Berlin soll kommende Woche den weiteren Wiederaufbau des Landes koordinieren. Die Nato-Außenminister beraten bereits am Freitag in Brüssel über den Einsatz in Afghanistan. Die USA wollen ihre Verbündeten dabei zu einem stärkeren Engagement drängen, nachdem sie selbst eine Erhöhung ihrer Entwicklungshilfe anstreben. Die Bundesregierung will nach dem Treffen darüber entscheiden, ob sie im März Tornado-Aufklärungsjets nach Afghanistan schickt. Über einen solchen Einsatz soll voraussichtlich der Bundestag entscheiden.

Die Isaf sah sich im vergangenen Jahr mit einem wiederaufflammenden Widerstand der 2001 gestürzten radikalmoslemischen Taliban in dem Land konfrontiert. Mehr als 4000 Menschen starben bei Kämpfen oder durch Anschläge. Darunter waren auch 170 ausländische Soldaten, von denen viele im unruhigen Süden Dienst taten. Die Bundeswehrsoldaten sind zumeist in Kabul und im relativ ruhigen Norden eingesetzt. Mit der Entsendung von Tornado-Maschinen könnte jedoch auch die Bundeswehr verstärkt im Süden Flagge zeigen. Allerdings ist eine Entsendung innenpolitisch umstritten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zudem wiederholt deutlich gemacht, dass der Westen das militärische Engagement mit Aufbauhilfe koppeln müsse, um in Afghanistan erfolgreich zu sein.

Afghanistan-Konferenz in Berlin

Als Vorsitz in der Gruppe der acht führenden Industrienationen (G 8) hat die Bundesregierung nun 25 Delegationen zu einer zweitägigen Konferenz nach Berlin eingeladen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein afghanischer Kollege Rangin Spanta sollen das Treffen am kommenden Dienstag eröffnen, bei dem es um die Koordination der Aufbauhilfe gehen soll. Die Konferenz soll eine Bilanz der bisherigen Stabilisierungsbemühungen ziehen und vor allem die zivilen Komponenten des Wiederaufbaus intensivieren.

Reuters / Reuters