Afghanistan-Strategie nach McChrystal Mit Petraeus bleibt alles anders


Ein neuer Mann für eine alte Strategie. Barack Obama will mit General David Petraeus an seiner bisherigen Afghanistan-Strategie festhalten. Nicht in Stein gemeißelt sind dagegen die konkreten Taktiken der Einsatztruppe.

US-Verteidigungsminister Robert Gates hat dem künftigen Oberbefehlshaber der NATO-Truppen in Afghanistan, General David Petraeus, Gestaltungsspielraum für den Einsatz eingeräumt. Petraeus habe die Befugnis, die Taktiken zu verändern, die Gesamtstrategie werde jedoch dieselbe bleiben, sagte Gates am Donnerstag in Washington. US-Generalstabschef Mike Mullen flog nach Afghanistan, um dort den Personalwechsel zu erläutern.

"Natürlich wird ein neuer Kommandeur hingehen und sehen, ob es taktische Dinge oder Ansätze gibt, die er anpassen möchte", sagte Gates in Washington. Petraeus werde vor Ort die Lage zunächst selbst analysieren. "Und irgendwann wird er dem Präsidenten Empfehlungen unterbreiten", sagte Gates. Letztlich liege die Entscheidung über Strategie-Änderungen aber bei Präsident Barack Obama.

Mit Blick auf die derzeitige Militärstrategie am Hindukusch sagte Gates: "Ich glaube nicht, dass wir steckengeblieben sind. Ich glaube, wir machen einige Fortschritte." Er räumte jedoch ein, dass es langsamer und schwieriger vorangehe, als erwartet. Mit Blick auf die Offensive in Kandahar sagte er, diese sei vor einigen Wochen angelaufen. Es werde jedoch mehr Zeit benötigt, rund um Kandahar eine "politische Grundstruktur" zu etablieren.

Mullen sagte vor seiner Abreise nach Afghanistan und Pakistan, seine "Botschaft" sei klar. "Es gibt keinen Wechsel in unserer Strategie. Nichts wird an unserer Mission geändert." Obama sagte nach einem Treffen im Weißen Haus mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew mit Blick auf die Bekämpfung von Aufständischen, Petraeus habe "außerordentliche Erfahrungen" als Kommandeur im Irak gemacht. Er kenne sich aber auch in Afghanistan sehr gut aus.

Der US-Einsatz in Afghanistan ist derzeit in seiner schwierigsten Phase. Die Verluste der US-Truppen sind so hoch wie nie seit Beginn des Einsatzes 2001. Die jüngste Großoffensive gegen die Taliban in der Provinz Helmand verlief enttäuschend, eine zusätzliche Offensive in Kandahar verläuft langsamer als geplant.

Petraeus folgt auf General Stanley McChrystal, den Obama nach abfälligen Äußerungen über die Regierung am Mittwoch entlassen hatte. Seine Ernennung muss noch vom US-Kongress bestätigt werden.

In der zentralafghanischen Provinz Urusgan wurden nach Polizeiangaben elf geköpfte Zivilisten gefunden. Der zuständige Polizeichef sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Täter seien Taliban gewesen.

AFP AFP

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