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Afghanistan US-Truppen sollen ab Juli 2011 abziehen


Es war ein besonders blutiges Wochenende in Afghanistan, ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht. Dennoch hat die Regierung in Washington einem Medienbericht zufolge einen Plan für den Abzug sämtlicher US-Kampftruppen ausgearbeitet. Danach soll der Einsatz am Hindukusch bis 2014 beendet sein.

Die USA haben laut einem Zeitungsbericht einen Stufenplan für den Abzug all ihrer Kampftruppen in Afghanistan bis 2014 aufgestellt. Der Plan der Regierung in Washington sehe vor, bereits in den kommenden anderthalb bis zwei Jahren die US-Kampftruppen aus einigen afghanischen Gebieten abzuziehen, berichtet die "New York Times auf ihrer Website. Bis 2014 solle der Kampfeinsatz am Hindukusch vollständig beendet werden. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama wolle den Abzugsplan beim NATO-Gipfel Ende der Woche in Lissabon vorlegen. Der Abzug der US-Truppen soll nach dem Willen des Präsidenten im Juli nächsten Jahres beginnen.

Der Abzugsplan orientiert sich dem Bericht zufolge am Vorgehen der US-Armee im Irak. Wie zuletzt auch in Afghanistan war im Irak das US-Truppenkontingent 2007 zunächst deutlich vergrößert worden, um die Sicherheitslage zu stabilisieren. Danach übergab die US-Armee die Sicherheitsverantwortung Region für Region den irakischen Sicherheitskräften. Bis zum Sommer 2010 wurden alle US-Kampftruppen aus dem Irak abgezogen. Bis Ende 2011 sollen noch knapp 50.000 US-Soldaten im Land bleiben, deren Aufgabe sich aber auf die Ausbildung und Beratung der einheimischen Truppen beschränkt.

Irak als "Blaupause" für Afghanistan

"Der Irak ist eine ziemlich gute Blaupause für einen Übergang in Afghanistan", zitierte die "New York Times" einen US-Regierungsvertreter. Entscheidend für den Abzug sei aber, dass das Land eine eigene Armee aufbaue, "die wirklich in der Lage ist, die Führung zu übernehmen".

In der zweiten Dezemberhälfte will die US-Regierung die mit Spannung erwartete Zwischenbilanz zu Obamas Afghanistan-Strategie vorlegen. Der US-Präsident hatte im Dezember 2009 das Militär angewiesen, das Land nachhaltig zu befrieden und die Verantwortung schrittweise an die afghanische Regierung zu übergeben. Um die wieder erstarkten Taliban zu bekämpfen, schickte Obama aber dieses Jahr zunächst weitere 30.000 Soldaten an den Hindukusch.

Instabile Sicherheitslage

Wie instabil die Sicherheitslage in Afghanistan derzeit ist, zeigt ein schweres Gefecht am Wochenende, bei dem fünf Nato-Soldaten getötet wurden. Das teilte die Internationale Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) am Montag mit, ohne sich zur Nationalität der Opfer zu äußern. Im Osten Afghanistans sind vor allem Amerikaner stationiert.

Damit steuert Afghanistan wenige Tage vor der Nato-Konferenz auf einen neuen Höhepunkt der Gewalt zu. Ebenfalls am Sonntag starben ein Brite und ein Däne im Süden des Landes. Am Samstag verübten Rebellen Anschläge in mehreren Landesteilen, drei internationale Soldaten starben. Am Montag erklärten die Taliban, sie hätten ein Isaf-Quartier in der östlichen Provinz Kunar mit Raketen beschossen. Afghanistans Präsident Hamid Karsai hatte daraufhin eine Einschränkung des US-Einsatzes gefordert - vor allem nächtliche Kommandoeinsätze und Razzien müssten aufhören.

be/DPA/Reuters DPA Reuters

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