Afghanistan Zähe Verhandlungen um Geiselfreilassung


Die Bundesregierung bemüht sich um die Freilassung des entführten Deutschen in Afghanistan, so hat das Auswärtigen Amt ständigen Kontakt zur afghanischen Regierung. Doch die Verhandlungen werden durch Taliban-Propaganda erschwert.

Auch mehr als eine Woche nach der Verschleppung eines deutschen Bauingenieurs in Afghanistan zeichnet sich keine schnelle Lösung ab. Um die Freilassung der Geisel wird intensiv gerungen, die Verhandlungen sind schwierig. Es gebe Fortschritte, wenn auch langsame, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa aus zuverlässiger Quelle. Man hoffe auf einen Durchbruch im Laufe der nächsten Tage. Der Entführte sei geschwächt, aber es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Die Ursache für den Tod der zweiten deutschen Geisel ist weiter unklar. Das Auswärtige Amt prangerte die Taliban-"Propaganda" über die Geiselnahmen an. Südkorea versucht nach dem gewaltsamen Tod einer Geisel händeringend, weitere 22 entführte Landsleute zu retten.

Geisel Opfer eines Stammeskonfliktes

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), sagte dem Nachrichtensender N24: "Wir sind in einem ständigen Kontakt mit der afghanischen Regierung. Wir wissen, dass die Regierung komplizierte Verhandlungen führt mit Leuten, die Zugang haben zu diesem Entführungsfall, und hoffen natürlich, dass wir bald einen Erfolg haben." Der Bauingenieur war am Mittwoch vergangener Woche in Zentralafghanistan verschleppt worden. Als wahrscheinlich gilt, dass er Opfer eines Stammeskonflikts mit kriminellem Hintergrund wurde.

Angesichts der teils irreführenden Informationen über die Geiselnahmen warnte das Auswärtige Amt vor gezielter Propaganda der radikalislamischen Taliban. "Wir haben es nicht mehr nur mit der Ebene der Attentate, der Massaker, der Hinrichtungen von Lehrerinnen und dem Mord an Dorfbevölkerung und Polizisten zu tun", sagte Außenamts-Sprecher Martin Jäger in der ARD. Es gebe ein neues Phänomen, das als "Medienkrieg" und "Krieg mit Worten" beschrieben worden sei. Die Taliban seien keine Amateure, sondern "ausgesprochene Profis": "Das sind die Zeremonienmeister des Terrors."

Ein "Krieg mit Worten"

In Köln wurde die Leiche des während der Geiselhaft gestorbenen zweiten Bauingenieurs obduziert. "Die Frage nach der genauen Todesursache des Verstorbenen kann derzeit noch nicht abschließend beantwortet werden", erklärte Jäger in Berlin. "Ein endgültiges Untersuchungsergebnis ist frühestens Ende nächster Woche zu erwarten." Nach früheren Informationen starb der Mann vermutlich an den Strapazen der Geiselhaft. Bei einer ersten Untersuchung in Kabul waren aber auch Schusswunden festgestellt worden. Unklar ist bislang, ob die Schüsse die Todesursache sind oder ob sie erst auf den Toten abgefeuert wurden.

Im Fall der vor einer Woche verschleppten 23 Südkoreaner bestätigte die Regierung in Seoul, dass eine der Geiseln am Mittwoch ermordet wurde. Ein afghanischer Vermittler sagte, die 22 übrigen Geiseln seien nach seinen Informationen sicher und am Leben. Die Verhandlungen mit den Taliban würden fortgesetzt. Diese hatten im Tausch die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen gefordert. Am Donnerstag verlängerten sie ihr Ultimatum erneut. Ein Taliban-Sprecher sagte in Kabul, es ende nun am Freitag um 12 Uhr Ortszeit. Man habe die Frist unter anderem verlängert, damit ein Berater des südkoreanischen Präsidenten an den Verhandlungen teilnehmen könne.

Taliban beobachten Debatten in Europa

Außenamts-Sprecher Jäger sagte, die Taliban beobachteten die jeweilige innenpolitische Debatte in europäischen Ländern. "Wir haben das während des Präsidentschaftswahlkampfs in Frankreich beobachtet, und es ist auch davon auszugehen, dass man sich jetzt gezielt Deutschland zuwendet im Hintergrund unserer Mandatsdebatte."

Der Bundestag stimmt im Herbst über drei Bundeswehr-Mandate ab: die Beteiligung an der ISAF-Truppe, den Einsatz von Tornados sowie die Teilnahme am US-geführten Anti-Terrorkampf (OEF). Trotz Kritik in der SPD bereitet die Bundesregierung die Verlängerung aller drei Mandate für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan vor. "Wir planen im Moment drei separate Mandate und bereiten entsprechende Entscheidungen vor", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.

DPA DPA

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