Der Pilot und der Co-Pilot einer Maschine von Air Canada sind bei einem Unfall auf dem New Yorker Flughafen LaGuardia ums Leben gekommen. Anschließend wandte sich Airline-Chef Michael Rousseau an die Angehörigen, die Kunden und die Weltöffentlichkeit.
Es sei ein „dunkler Tag“ für Air Canada, sagte der CEO in einer Videobotschaft einige Stunden nach dem Vorfall, er sprach den Angehörigen der Todesopfer sein Beileid aus und teilte die Informationen mit, die zu diesem Zeitpunkt über das Unglück vorlagen. Eine angemessene Reaktion, könnte man meinen, doch Rousseau musste dafür Kritik von oberster Stelle einstecken.
Kanadas Premierminister Mark Carney teilte mit, er sei „sehr enttäuscht“ von der Botschaft des Air-Canada-Chefs, „wie so viele andere auch“. Der Grund: Rousseau hatte seinen Text lediglich auf Englisch vorgetragen. In Kanada aber sind Englisch und Französisch gleichwertige Amtssprachen. Zudem gehörte einer der tödlich verunglückten Piloten der französischsprachigen Bevölkerungsgruppe an.
Air Canada muss auf Englisch und Französisch kommunizieren
„Wir sind stolz darauf, in einem zweisprachigen Land zu leben, und Unternehmen wie Air Canada tragen insbesondere die Verantwortung, unabhängig von der Situation stets in beiden Amtssprachen zu kommunizieren“, sagte Carney. Das Vorgehen von Rousseau zeige „besonders unter diesen Umständen mangelndes Urteilsvermögen und Mitgefühl“.
In seiner Botschaft sagt der Air-Canada-Chef zur Begrüßung „Bonjour“ und am Ende „Merci”, ansonsten ist das Video mit französischen Untertiteln versehen. Viele Mitglieder der französischsprachigen Community empfanden dies mindestens als unsensibel. Es gab sogar prominente Rücktrittsforderungen an Rousseau, unter anderem vom Premierminister der frankophonen Provinz Québec.
Air Canada ist zwar seit 1982 ein privates Unternehmen, aber dennoch weiterhin dazu verpflichtet, gleichwertig auf Englisch und Französisch zu kommunizieren. Michael Rousseau wird sich deshalb vor dem nationalen Sprachkomittee erklären müssen.
Air Canada erklärte, Rousseau sei es aufgrund seiner mangelnden Französischkenntnisse nicht möglich gewesen, „diese sensible Botschaft so wirkungsvoll zu übermitteln, wie er es sich gewünscht hätte.“
Löste ein Lotsenfehler das Unglück aus?
Bei dem Unglück am späten Sonntagabend war ein Flugzeug von Air Canada auf der Landebahn mit einem Feuerwehrfahrzeug zusammengestoßen. Die beiden Piloten kamen dabei ums Leben, 43 Menschen wurden verletzt, darunter waren die beiden Insassen des Fahrzeugs.
Möglicherweise wurde der Unfall durch den Fehler eines Fluglotsen ausgelöst, der dem Fahrer des Löschfahrzeugs die Genehmigung erteilt hatte, die Landebahn zu überqueren. Die Chefin der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB warnte allerdings vor verfrühten Spekulationen.
Quellen: CBC, Air Canada, Nachrichtenagentur AFP