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USA: Apples 252-Milliarden-Rückzahlung: der erste Triumph von Trumps Steuerreform?

Donald Trump hat US-Firmen Steuerrabatte angeboten, wenn sie ihre Auslandsgelder in die USA zurückführen. Apple greift nun zu und wird 252 Milliarden Dollar nach Kalifornien schicken - nicht nur der Präsident jubelt.

Apple-Chef Tim Cook und Donald Trump im Gespräch während eines US-Technologie-Treffens im vergangenen Jahr

Apple-Chef Tim Cook und Donald Trump im Gespräch während eines US-Technologie-Treffens im vergangenen Jahr: Hat sich Apple America First zu Herzen genommen?

252 Milliarden Dollar sind eine Menge Geld. Das ist in etwa die Summe, die der Staat Schweden im Jahr 2016 eingenommen hat. Oder Finnland und Indonesien zusammen. Das Gesamtgewicht in Ein-Dollar-Noten entspricht in etwa dem von rund 47.000 Elefanten. 252 Milliarden Dollar ist die Menge an Geld, die Apple im Ausland lagert und nun in die USA transferieren will - auch wegen Donald Trumps Steuerreform.

38 Milliarden - Steuernachzahlungen aus der Hölle

Ganz billig wird die finanzielle Rückkehr an den Stammsitz im kalifornischen Cupertino nicht: 38 Milliarden Dollar (knapp 31 Milliarden Euro) muss der Computerkonzern an Steuern nachzahlen. Sie sind Teil eines Deals zwischen der US-Regierung und den Firmen, die ihre Gelder außerhalb der USA geparkt haben. Kurz gesagt lautet der: Ihr kommt zurück in die USA, zahlt eine Strafgebühr und entrichtet eure Abgaben künftig nach den neuen, niedrigen Sätzen. Auch andere Tech-Konzerne wie Google oder Microsoft haben hohe Reserven im Ausland. Apple ist bisher ein Vorreiter bei der Überweisung des Geldes in die USA.

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Ein Teil der Steuerreform sieht auch vor, dass Schulden aus der Vergangenheit nicht mehr mit den Steuerzahlungen gegengerechnet werden können. Deswegen melden zurzeit viele Unternehmen Verluste und Gewinnwarnungen an. Darunter etwa Banken, die während der Finanzkrise Schulden aufgetürmt haben. Durch die niedrigeren Unternehmungssteuersätze rechnen die meisten Firmen jedoch damit, dass ihre Bilanzen zum Ende des Jahres wieder glänzend dastehen werden.

94 Prozent der Apple-Gelder im Ausland

Unternehmenschef Tim Cook sagte dem US-Sender ABC, dass ein "überwiegender Großteil" der Auslandsgewinne nach Amerika gebracht werde. Apples Geldreserven betrugen Ende September 268,9 Milliarden Dollar. Davon lagerten 94 Prozent außerhalb der USA. Die Höhe der erwarteten Steuerzahlung legt nahe, dass der Konzern nur wenig davon im Ausland lassen will.

Amerikanische Unternehmen müssen auf Auslandsgewinne erst Steuern bezahlen, wenn das Geld in die USA überwiesen wird. Dann wurde nach bisherigen Regelungen aber ein hoher Satz von 35 Prozent fällig - und etwa fünf Prozent für den jeweiligen Bundesstaat obendrauf. Unter diesen Umständen zogen es die Firmen vor, das Geld jahrelang im Ausland zu lagern und auf günstigere Konditionen zu warten.

Die niedrigeren Steuersätze sind jetzt da: Nach der unter US-Präsident Donald Trump beschlossenen Reform soll zurückfließendes Bargeld einmalig mit 15,5 Prozent besteuert werden und weniger liquide Werte mit acht Prozent. Die Zahlungen können über acht Jahre gestreckt werden. Apple will nun in den kommenden fünf Jahren 30 Milliarden Dollar in den USA investieren, wie das Unternehmen ankündigte. Gut ein Drittel davon solle in Rechenzentren in den USA fließen. Der Fonds für den Ausbau von High-Tech-Produktion in den USA - der Zulieferern zugute kommt - wird von einer auf fünf Milliarden Dollar aufgestockt.

350 Milliarden in US-Wirtschaft

Auch wolle Apple einen neuen Campus für seine Mitarbeiter an einem noch nicht genannten Ort eröffnen. Zudem sollen 20.000 neue Jobs an bereits existierenden Standorten entstehen. Zum Stichtag 31. Dezember 2016 hatte Apple rund 80.000 Mitarbeiter in den USA. Insgesamt plant Apple, in den kommenden fünf Jahren 350 Milliarden Dollar zur US-Wirtschaft beizutragen, hieß es. Der Großteil davon dürfte auf Zahlungen an US-Zulieferer zurückgehen, die bei über 50 Milliarden Dollar jährlich liegen. Die Apple-Mitarbeiter sollen zudem als Bonus Aktienoptionen im Wert von 2500 Dollar erhalten. Experten glauben, dass die Firma ihre Mittel auch für den Rückkauf von Aktien nutzen wird und möglicherweise zur Schuldenbegleichung.

Trump verbuchte die Apple-Entscheidung schnell als seinen Verdienst. "Ich hatte versprochen, dass meine Politik es Unternehmen wie Apple erlauben wird, massive Geldbeträge in die USA zurückzubringen", schrieb er bei Twitter. Es sei großartig zu sehen, dass Apple angesichts der Steuerkürzungen genau das mache. "Ein riesiger Sieg für amerikanische Beschäftigte und die USA!" Cook aber bremste die Euphorie des Präsidenten: Manche der Entscheidungen gingen auf die Steuerreform zurück, andere hätte Apple auch so getroffen. "Wir hatten noch nie etwas dagegen, viel Steuern zu bezahlen, aber nicht riesige, riesige Beträge." 

nik mit DPA