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Auftritt vor UN-Tribunal: Mladic weist "monströse" Anklage zurück

Begleitet von riesigem Medienrummel ist Ratko Mladic erstmals vor seinen Richter getreten - und wies alle Vorwürfe zurück. Der mutmaßliche Kriegsverbrecher bezeichnete sich vor dem UN-Tribunal als "schwer krank". Wie krank er wirklich ist, darüber wird heftig spekuliert.

Drei Tage nach seiner Überstellung aus Serbien ist der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic erstmals vor dem UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag erschienen. Der 69-Jährige trat im grauen Anzug und Kappe am Freitag vor Richter Alphons Orie. "Ich bin General Ratko Mladic", sagte er zu Beginn der Anhörung - und grüßte militärisch. Er sei "ein schwer kranker Mann". Im Verlauf der Anhörung sollten dem früheren bosnisch-serbischen Armee-Chef die Anklagepunkte verlesen werden. Anschließend kann er auf schuldig oder nicht schuldig plädieren. Lehnt er dies ab, muss er nach 30 Tagen erneut zu den Anklagepunkten Stellung nehmen.

Mladic wies die Anschludigungen komplett zurück. Nach der Verlesung der 37-seitigen Anklage meinte er, es handele sich um "monströse Worte, von denen ich noch nie gehört habe". Deshalb benötige er mehr als die eigentlich vorgesehenen 30 Tage zur Vorbereitung seiner Verteidigung. Der Prozess soll am 4. Juli fortgesetzt werden. Die Anhörung wird von einem riesigen Medieninteresse begleitet. Bereits am Donnerstag bezogen Journalisten aus aller Welt Stellung vor dem Gericht. Um zudem einen Andrang von Besuchern zu bewältigen, mietete das Gericht einen Raum in einem benachbarten Kongresszentrum und stellte dort Videoleinwände für eine Übertragung der Anhörung auf.

Wie krank ist Mladic?

Nach 16 Jahren auf der Flucht war Mladic vergangene Woche in Serbien gefasst worden. Er ist in insgesamt elf Punkten wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 angeklagt. Der 69-Jährige wird vor allem für das Massaker von Srebrenica mit 8000 Toten und die 44 Monate dauernde Belagerung Sarajevos verantwortlich gemacht. In Serbien hatten Gesundheitsexperten Mladic vor der Überstellung nach Den Haag Verhandlungsfähigkeit bescheinigt. Mladics Anwalt Milos Saljic hatte am Donnerstag gesagt, Mladic sei 2009 wegen Lymphdrüsenkrebs behandelt worden. Die serbische Tageszeitung "Press" hatte zuvor unter Berufung auf Saljic berichtet, Mladic habe in der Vergangenheit drei Hirnschläge und zwei Herzinfarkte erlitten und habe sich für eine Krebsbehandlung vier Monate lang in einem Belgrader Krankenhaus aufgehalten.

ben/AFP / AFP