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Krawalle am Tempelberg: Polizei und Palästinenser liefern sich Straßenschlachten

Nachdem israelische Nationalisten demonstrativ auf den Tempelberg ziehen wollten, ist es in Jerusalem zu schweren Unruhen gekommen. Polizisten sind "einige Meter" in die Al-Aksa-Moschee eingedrungen.

Diese Frau steht in der Altstadt von Jerusalem im Nebel einer Tränengas-Granate

Diese Frau steht in der Altstadt von Jerusalem im Nebel einer Tränengas-Granate

Auf dem Jerusalemer Tempelberg ist es am Mittwoch erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen israelischer Polizei und Palästinensern gekommen. Anlass war der demonstrative Besuch rechtsradikaler jüdischer Splittergruppen auf dem den Muslimen heiligen Felsplateau. Polizisten drangen laut Polizei dabei in die Al-Aksa-Moschee vor. Die Unruhen weiteten sich im Laufe des Vormittags auf Teile der umliegenden Altstadt aus, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Eine Woche nach einem versuchten Mordanschlag auf einen ihrer Anführer hatte die aus israelischen Ultranationalisten und religiösen Eiferern gebildete Tempelbergbewegung zu einer gemeinsamen Begehung des Tempelbergs aufgerufen. Palästinensische Jugendliche, die die Nacht in der Al-Aksa-Moschee auf dem Gelände verbracht hatten, versuchten, den Zutritt zu verhindern. Als das Marokkanertor, der einzige Besucherzugang für Nichtmuslime geöffnet wurde, "bewarfen dutzende Vermummte die Sicherheitskräfte mit Steinen und Knallkörpern. Diese drängten die Demonstranten zurück in die Moschee", berichtete Polizeisprecherin Luba Samri.

Mann rammt Menschengruppe mit Auto

Danach seien Polizisten "einige Meter" in die Moschee eingedrungen, um die blockierten Portale zu lösen und zu schließen. Ein kurzzeitiges Vordringen der Ordnungshüter in die Moschee komme sehr selten vor, sei aber nicht das erste Mal passiert, versicherte Samri. Das nahe der Moschee in der Südwestecke des Plateaus gelegene Besuchertor wurde anschließend geöffnet. Etwa dreihundert nichtmuslimische Besucher seien daraufhin auf den Berg gelassen worden. Darunter waren mehrere Dutzend rechtsgerichtete Aktivisten, die gegen das Attentat auf ihren Sprecher Jehuda Glick am vergangenen Mittwoch protestieren wollten.

Neben den Ausschreitungen kam es auch zu einem tödlichen Zwischenfall: Ein Mann hat mit seinem Auto mehrere Fußgänger gerammt und mindestens einen Menschen in den Tod gerissen. Mindestens 13 weitere Menschen seien bei dem mutmaßlichen Anschlag verletzt worden, mehrere davon schwer, berichteten Israelische Medien. Die Zeitung "Haaretz" zitierte den Leiter der Rettungskräfte, demzufolge der Autofahrer zwei verschiedene Gruppen von Passanten attackiert haben soll. Anschließend sei er aus seinem Wagen ausgestiegen und habe Passanten mit einer Metallstange angegriffen. Sicherheitskräfte hätten den Mann erschossen. Erst vor zwei Wochen war ein Palästinenser mit seinem Auto in eine Straßenbahnhaltestelle gerast. Dabei wurden zwei Menschen getötet und mehrere verletzt.

Das Plateau mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte des Islams nach Mekka und Medina. Die Muslime nennen es "Das edle Heiligtum". Das Judentum verehrt es als Tempelberg und seinen wichtigsten heiligen Ort. Die Klagemauer, ein unter König Herodes (um 73 bis vier v. Chr.) errichteter hoher Stützwall an der Westseite, dient gläubigen Juden heute als zentrale Gebetsstätte, denn sie und andere nicht muslimische Besucher dürfen den Tempelberg zwar betreten, aber dort nicht beten.

amt/AFP/DPA / DPA