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Bahnbomben: Libanon klagt sechs Beteiligte an

Der Libanon hat sechs mutmaßliche Beteiligte der missglückten Bahn-Anschläge angeklagt. Der Vorwurf: Organisation von Massenmord - den Männern droht lebenslanges Arbeitslager. Deutschland bemüht sich um Auslieferung.

Der libanesische Generalstaatsanwalt hat am Samstag fünf libanesische und einen syrischen Staatsbürger im Zusammenhang mit den missglückten Kofferbomben-Attentaten in deutschen Zügen angeklagt. In der Anklage wird den Beschuldigten vorgeworfen, "Massenmord" organisiert zu haben, indem sie Explosionen in deutschen Zügen geplant hätten. Vier der Angeklagten befinden sich in libanesischer Haft, zwei weitere sind in Deutschland inhaftiert. Sie sollen für die beiden Bombenattentate auf Regionalzüge nach Dortmund und Koblenz vor fünf Wochen verantwortlich sein. Die Bomben detonierten nur wegen eines technischen Fehlers nicht.

Die vier im Libanon Inhaftierten sollen nach Angaben aus libanesischen Justizkreisen am kommenden Montag verhört werden. Im Falle einer Verurteilung droht den Männern lebenslange Haft und Arbeitslager.

Gespräche über Auslieferung

Unterdessen nahm BND-Chef Ernst Uhrlau Gespräche mit den libanesischen Behörden auf. Der BND-Chef traf sich laut Sicherheitskreisen in Beirut am Samstag mit Generalstaatsanwalt Said Mirza. Dabei sei es auch um die Frage der Auslieferung von drei der Inhaftierten gegangen. Zwischen Berlin und Beirut gibt es kein Auslieferungsabkommen. Laut "Focus online" will der Libanon die verdächtigen Libanesen nicht nach Deutschland ausliefern.

Angriff der westlichen Welt auf den Islam

Einem Zeitungsbericht sollten die Anschläge ursprünglich schon während der Fußball-WM verübt werden. Das habe sich bei der Vernehmung der Verdächtigen herausgestellt, berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Sicherheitsbehörden. Dass der Plan verschoben wurde, hätten die mutmaßlichen Täter damit begründet, dass ihnen Bedenken über die Risiken und Auswirkungen gekommen seien.

Unterdessen haben die Ermittler auch über die Motive der mutmaßlichen Attentäter Erkenntnisse gewonnen. Der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus", die "Initialzündung" für die Kofferbomber sei die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen gewesen. "Der in Kiel gefasste Youssef el Hajdib interpretierte dies als Angriff der westlichen Welt auf den Islam."

Ein weiteres Motiv sei der Tod des Top-Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi am 7. Juni im Irak gewesen. "Die beiden Hauptverdächtigen glaubten, dass der internationale Terrorismus einen seiner wichtigsten Köpfe verloren hatte", erklärte Ziercke. Der BKA-Chef bezog sich dabei auf Aussagen des im Libanon inhaftierten mutmaßlichen Mittäters Jihad Hamad.

DPA / DPA