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Interview mit Prinz Harry: Obamas diskreter Seitenhieb gegen Trumps Twitter-Tiraden

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat dem britischen Prinz Harry sein erstes Interview seit Amtsende gegeben. Und vor den "Gefahren des Internets" gewarnt - zu denen wohl auch Donald Trump gehört.

Barack Obama gibt Prinz Harry sein erstes Interview seit Ende seiner Präsidentschaft

Prinz Harry (r.) hatte das nun ausgestrahlte Interview mit Barack Obama bereits im September geführt

In seinem ersten Interview seit seinem Amtsende hat der frühere US-Präsident Barack Obama vor einer Spaltung der Gesellschaft durch die sozialen Netzwerke gewarnt. "Eine der Gefahren des Internets ist, dass die Menschen vollkommen unterschiedliche Realitäten haben", sagte Obama in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview, das der britische für den Sender BBC Radio 4 mit dem Ex-Präsidenten führte.

Einige Menschen seien "in einem Kokon aus Informationen, die ihre bestehenden Vorurteile verstärken", sagte Obama mit Blick auf Tendenzen, nur Internetseiten zu konsultieren, die das eigene Weltbild bestätigen. "Die Dinge sind nicht so einfach wie sie in irgendeinem Chatroom, den man besucht hat, dargestellt werden", warnte der ehemalige .

Ein Seitenhieb gegen Donald Trump?

Entscheidend sei daher die Frage, "wie wir uns diese Technologie auf eine Weise zunutze machen, die eine Vielzahl an Stimmen, eine Verschiedenartigkeit der Sichtweisen erlaubt, aber nicht zu einer Balkanisierung der Gesellschaft führt und es uns erlaubt, eine gemeinsame Grundlage zu finden", sagte Obama.

Seinen rechtspopulistischen Amtsnachfolger Donald Trump erwähnte der US-Demokrat in dem Interview nicht namentlich. Durch Trumps polarisierende Art und seine wiederholten über den Kurzbotschaftendienst Twitter erhobenen Vorwürfe, die etablierten Medien verbreiteten "Fake News", hat sich der Ton in der gesellschaftlichen Debatte in den USA deutlich verschärft.

Barack Obama spricht von "heiterer Gelassenheit"

Prinz Harry ließ Obama auch schildern, wie er sich seit seinem vor knapp einem Jahr fühle. Er habe das Weiße Haus mit "heiterer Gelassenheit" verlassen, sagte der 56-jährige Ex-Präsident. "Es gab das Gefühl, dass wir ein gutes Rennen gelaufen sind." Nun genieße er die Freiheit. "Ich wache später auf, es ist wunderbar, seinen Tag kontrollieren zu können", sagte Obama.

Prinz Harry hatte das nun ausgestrahlte Interview mit Obama bereits im September am Rande der sogenannten Invictus Games im kanadischen Toronto geführt. Barack Obama und seine Frau Michelle verbindet eine herzliche Beziehung zu dem 33-jährigen Prinzen. Während ihrer Zeit im Weißen Haus unterstützten sie aktiv die Invictus Games, einen internationalen Sportwettbewerb für kriegsversehrte Soldaten, den Harry ins Leben gerufen hat.

Als der Prinz Ende November seine Verlobung mit der US-Schauspielerin Meghan Markle bekannt gab, gehörten die Obamas zu den ersten Gratulanten. Britischen Medien zufolge herrscht im britischen Regierungsapparat nun die Sorge, dass Prinz Harry Obama zu seiner Hochzeit am 19. Mai einlädt, den aktuellen US-Präsidenten hingegen nicht, und dass dies die Spannungen zwischen Trump und der britischen Regierung weiter verstärken könnte.

fs/AFP