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"Die Welt verstehen" - stern-Reporter erklären Was hat Barack Obama gegen Benjamin Netanjahu?

Israels Premierminister macht in Washington mal wieder Stimmung gegen den Iran. Aber diesmal droht seine Taktik nicht aufzugehen. Die US-Regierung hat er bereits verärgert.
Von Steffen Gassel

Keinem außenpolitischen Thema ist Israels Premier Benjamin Netanyahu seit Jahrzehnten so treu geblieben wie Iran. Im Jahr 2000 werde Iran die Atombombe bauen können, hat er schon vor zwanzig Jahren gewarnt. Spätestens 2011 werde das Land dazu in der Lage sein, erklärte er noch 2009. Obwohl es soweit nie kam – wohl nicht zuletzt ein Verdienst klandestiner Hi-Tech-Sabotage made in Israel – konnte sich Netanjahu ein ums andere Mal als Hardliner profilieren.

Nun ist es wieder so weit: Am 17. März wählt Israel ein neues Parlament. Netanjahus Vorsprung in den Umfragen schmilzt dahin. Deswegen versucht der Premier einmal mehr, aus der Sorge seiner Bürger vor einem nuklear bewaffneten Iran politisches Kapital zu schlagen. Auf ganz großer Bühne, vor dem US-Kongress in Washington, will Netanjahu am kommenden Dienstag eine Rede halten. Thema: Die Bedrohung durch Iran. Seine „heilige Pflicht“ sei das, hat er im Vorfeld erklärt. Diesmal aber droht die Strategie nach hinten loszugehen.

Krieg wäre eine schlechte Alternative für Israel

Bis zum 24. März soll in den Atom-Gesprächen der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands – P5+1 genannt - mit Iran die Entscheidung fallen. Eine friedliche Lösung des Nuklear-Streits ist das wichtigste außenpolitische Ziel von US-Präsident Obama. Er weiß: Die Alternative ist neuer Krieg im Nahen Osten – und sie wäre nicht nur schlecht für den Westen. Sie wäre vor allem schlecht für Israel und seine ohnehin schon äußerst instabile Nachbarschaft. Seit eineinhalb Jahren ringen die P5+1-Diplomaten deswegen um einen Deal, der die Sicherheitsinteressen des Westen und auch die Israels garantieren soll. Israel ist, obwohl nicht direkt am Verhandlungstisch vertreten, von der US-Regierung durchweg eng mit einbezogen gewesen.

Umso mehr verärgert es Obama, dass Netanyahu ihm nun – wo ein tragfähiger Deal mit den Iranern erstmals in greifbarer Nähe ist – aus Wahlkampf-Kalkül in den Rücken fällt. Mit einem Auftritt im Herzen der Macht Amerikas, der entgegen allen diplomatischen Gepflogenheiten vorbei am Weißen Haus von Obamas republikanischem Widersacher John Boehner anberaumt wurde. Obama wird Netanjahu nicht empfangen. Wichtige Abgeordnete der beiden traditionell Israel-freundlichen Kammern des US-Parlaments wollen Netanjahus Rede aus Protest fernbleiben. Prominente jüdische Organisationen in den USA haben Netanjahu scharf kritisiert. Und in Israel fragen sich viele, was die größere Gefahr für ihr Land ist: ein Atom-Deal mit Iran oder ein öffentlicher Bruch mit Israels wichtigstem Verbündeten – den USA?

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