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Beratungen: Pakistan sucht Nachfolger für Musharraf

Nach der Rücktrittserklärung von Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat nun die Suche nach einem Nachfolger begonnen. Außerdem setzte sich die Regierungskoalition zusammen, um über die Wiedereinsetzung von Richtern zu beraten, die Musharraf abgesetzt hatte. Unterdessen forderte ein Bombenattentat auf ein Krankenhaus mindestens 23 Tote.

Einen Tag nach dem Rücktritt von Staatschef Pervez Musharraf in Pakistan hat die Regierungskoalition die Beratungen über dessen Nachfolge aufgenommen. Die Spitzen der Pakistanischen Volkspartei (PPP) und der Muslim-Liga (PML-N) kamen dazu in Islambad zusammen, wie das pakistanische Fernsehen berichtete. Bei dem Treffen soll auch über die Wiedereinsetzung der von Musharraf entlassenen Obersten Richter sowie die allgemeine politische Lage der Atommacht beraten werden, wie ein PPP-Sprecher sagte. Das Land ist von islamistischem Terror bedroht, auch am Dienstag gab es einen Selbstmordanschlag, bei dem mindestens 23 Menschen ums Leben kamen. Zu den Problemen des Landes zählen außerdem eine schwache wirtschaftliche Lage, eine steigende Inflation und Energieengpässe.

An den Beratungen über einen Musharraf-Nachfolger nahmen nach Angaben des pakistanischen Fernsehens Nawaz Sharif von der PML-N, der Witwer der ermordeten früheren Premierministerin Benazir Bhutto, Asif Ali Zardari, sowie deren Sohn Bilawal Bhutto Zardari von der PPP teil. Nach dem Rückzug Musharrafs übernahm zunächst Senatspräsident Mohammedmian Soomro kommissarisch das höchste Staatsamt. Laut Verfassung müssen die beiden Parlamentskammern und die vier Provinz-Versammlungen des Landes binnen 30 Tagen einen Nachfolger für Musharraf wählen.

Einigung auf Kandidaten schwierig

Als mögliche Wunschkandidaten der Regierungskoalition gelten die Politiker Mehmud Khan Achakzai aus der Provinz Baluchistan und Aftab Shoban Mirani aus der Provinz Sind im Süden des Landes, wie aus Regierungskreisen verlautete. Auch weibliche Kandidaten sind demnach im Gespräch: die Präsidentin der Nationalversammlung, Fehmida Mirza, und Zardaris Schwester, Faryal Talpur. Eine Einigung auf einen Nachfolger für Musharraf wurde am Dienstag nicht erwartet. Die Regierungskoalition aus der PPP, der PML-N sowie kleineren Parteien gilt als äußert brüchig und wurde bislang vor allem durch das Ziel zusammengehalten, Musharraf zu entmachten.

Eine Einigung erwartete Nawaz Sharif von der Regierungspartei PML-N hingegen in der brisanten Frage der Wiedereinsetzung der Richter des Obersten Gerichts. Dies könne noch am Mittwoch geschehen, sagte er vor der Zusammenkunft mit Zardari. Zardari und Sharif hatten bereits im März grundsätzlich eine Wiedereinsetzung vereinbart, aber sich nicht auf ein entsprechendes Verfahren einigen können. Musharraf hatte etwa 60 hohe Richter absetzen lassen, was auf großen Protest unter Juristen landesweit gestoßen war.

Auch über die Zukunft Musharrafs wurde spekuliert. Nach Angaben der Regierungskoalition und der Sicherheitsdienste wollte Musharraf in den kommenden Tagen zu einer Pilgerfahrt ins saudiarabische Mekka reisen. Anschließend werde er nach Großbritannien oder in die Türkei ins Exil gehen, sagte ein Regierungsvertreter, der nicht genannt werden wollte. Ein Mitarbeiter Musharrafs sagte jedoch, der Ex-Präsident werde nach Pakistan zurückkehren. Musharraf hatte am Montag angesichts eines drohenden Amtsenthebungsverfahrens seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er war 1999 durch einen Putsch an die Macht gekommen.

Anschlag mit 23 Toten

Zu den wichtigsten Aufgaben eines neuen Präsidenten wird die Bekämpfung der islamistischen Aufständischen in den Stammesgebieten im Nordwesten des Landes zählen. Bei einem Selbstmordattentat auf ein Krankenhaus in der Stadt Dera Ismail Khan starben am Dienstag mindestens 23 Menschen, bis zu 20 weitere wurden verletzt. Die Stammesgebiete gelten als Rückzugsgebiet der radikalislamischen Taliban, die vor allem in Afghanistan aktiv sind, und des Terrornetzwerks al Kaida.

AP/AFP / AP