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Berlusconis "Bunga Bunga"-Prozess: Aussetzung der Verhandlung abgelehnt

Erneut blieb Silvio Berlusconi seinem Prozess wegen der "Bunga Bunga"-Partys fern. Er verpasste eine herbe Schlappe seiner Anwälte, denn das Mailänder Gericht lehnte ihre Anträge ab. Die Möglichkeiten, den Prozess irgendwie zu verschieben, werden für Berlusconi immer weniger.

Der spektakuläre Prozess gegen Silvio Berlusconi ist am Montag erneut ohne den umstrittenen italienischen Regierungschef fortgesetzt worden. Seit Beginn des Verfahrens im April erschienen weder der 75-jährige Medienmogul noch das 18-jährige marokkanische Callgirl Karima al Mahrough, alias "Ruby Rubacuori" (Ruby Herzensdieb), im Mailänder Gerichtssaal. Wie italienische Medien berichteten, lehnten die Richter den Antrag der Verteidigung ab, das Verfahren bis ins nächste Jahr zu vertagen, in Erwartung einer Entscheidung des Verfassungsgerichts. Das höchste Gericht Italiens soll beurteilen, ob das Mailänder Geschworenengericht überhaupt zuständig ist.

Die Richter erklärten den Antrag von Berlusconis Anwälten für unbegründet. Zudem erhoben sie Anklage gegen drei Vertraute Berlusconis wegen Begünstigung der Prostitution Minderjähriger.

Berlusconis Anwalt Piero Longo hatte gefordert, den Prozess bis zum 15. Februar auszusetzen. Longo wollte zunächst eine Entscheidung des Verfassungsgerichts über die Zuständigkeit des Mailänder Gerichts abwarten. Er argumentierte, es gebe keinen Zeitdruck, weil kein Angeklagter in Haft sitze und kein Zeuge sehr alt sei. Beide Kammern des Parlaments hatten das Verfassungsgericht angerufen, weil ihrer Ansicht nach der Vorwurf des Amtsmissbrauchs nicht vor einem Strafgericht, sondern vor einem speziellen Ministergericht verhandelt werden müsste.

Bunga Bunga mit Mubaraks Nichte

Berlusconi muss sich wegen Begünstigung der Prostitution Minderjähriger sowie Amtsmissbrauchs verantworten. Er soll die damals minderjährige Karima el Mahrough alias Ruby Rubacuori zwischen Januar und Mai 2010 bei Partys in seiner Villa in Arcore für Sex bezahlt haben. Er soll zudem sein Amt als Regierungschef missbraucht haben, als er im Mai 2010 die Mailänder Polizei anrief, um die wegen Diebstahls festgenommene Ruby freizubekommen.

Nach Argumentation der Parlamentsmehrheit missbrauchte Berlusconi sein Amt jedoch nicht, als er bei der Polizei anrief, da er tatsächlich überzeugt gewesen sei, dass die junge Frau wie von ihm behauptet die Nichte des damaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak sei. Er habe daher als Regierungschef die guten Beziehungen zwischen beiden Ländern wahren wollen. Eine Entscheidung des Verfassungsgerichts wird nicht vor Anfang 2012 erwartet.

Die Mailänder Richter erhoben am Montag Anklage gegen die lombardische Regionalabgeordnete Nicole Minetti, den Modelagenten Lele Mora und den Fernsehmoderator Emilio Fede. Sie müssen sich vom 21. November an wegen des Vorwurfs verantworten, zwischen 2009 und 2011 zahlreiche teils minderjährige junge Frauen für die Teilnahme an zügellosen Partys in Berlusconis Anwesen in Arcore bei Mailand angeworben zu haben.

ono/AFP/DPA / DPA