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Rückzug von Sanders Bernies Ende: Die richtige Entscheidung – Joe Biden ist der beste Kandidat der Demokraten

Bernie Sanders
Bernie Sanders gibt seine Ambitionen auf das Präsidentenamt auf
© Jeff Kowalsky / AFP
Bernie Sanders zieht den einzig möglichen Schluss: Er gibt im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur auf und überlässt das Feld Joe Biden. Kein perfekter Kandidat, aber der beste, den die Demokraten aufbieten können, meint der USA-Korrespondent des stern.
Er hatte keine Chance mehr, eigentlich schon seit dem "Super Tuesday" vor fünf Wochen nicht mehr. Er verlor in den meisten Bundesstaaten deutlich gegen Joe Biden und lag im Rennen um die Kandidatur der Demokraten mehr als 300 Delegiertenstimmen hinter dem ehemaligen Vizepräsidenten zurück.
Realistische Chancen? Keine.
Aber bei Bernie Sanders hat das nichts zu bedeuten. Er blieb auch gegen Hillary Clinton vor vier Jahren noch im Rennen, als er schon aussichtslos zurück lag und machte ihr damit das Leben schwer. Er lässt sich nichts sagen, nicht von Konkurrenten, nicht von Meinungsforschern und schon gar nicht vom Partei-Establishment.

Bernie Sanders fand kein Gehör in Coronavirus-Krise

Nun aber musste Sanders einsehen: Er lag nicht nur uneinholbar zurück. Er kommt auch gegen die Coronakrise nicht an. Er veranstaltete ein paar Kaminfeuergespräche über das Virus und die Folgen, drang aber in der Berichterstattung und den sozialen Medien nicht mehr durch. Und obwohl seine Themen gerade jetzt von großer Bedeutung sind – Armut, soziale Ungleichheit, Krankenversicherung für alle – brauchen die Demokraten jetzt einen einzigen Gegenspieler von Trump.
Sanders Entscheidung ist richtig und kommt nicht zu spät. Er hat – anders als vor vier Jahren – noch keinen Schaden angerichtet. Und wird – anders als vor vier Jahren – den Kandidaten Biden vollherzig unterstützen. Mit Joe Biden kann er besser als mit Hillary Clinton. "Ein guter Kerl", sagt der 78-jährige Sanders über den 77-jährigen Biden, "Joe ist mein Freund." – "Mein Freund Bernie", sagt auch Biden über Sanders.
Vermutlich wird Joe Biden ihm auch einige programmatische Zugeständnisse gemacht haben, vor allem wenn es um die Gesundheitspolitik geht, um Mindestlohn, Reichensteuer, Einwanderungspolitik.
Bidens Programm ist schon viel progressiver als früher. Ja, viel progressiver als je bei den Demokraten. Allein deswegen war Sanders‘ erneute Kandidatur ein großer Erfolg.
Joe Biden steht vor blaume Hintergrund und neben einer US-Flagge und richtet sich mit der rechten Hand die Krawatte
Seitdem er vor fünf Jahren zum ersten Mal antrat, hat er die Partei deutlich nach links geschoben, in seine Richtung, eine sozialdemokratischere Richtung, die lange Zeit in der Partei als verpönt galt. Er hat etwas erreicht, was in dieser Partei der eher gemäßigten Politstars – Bill Clinton, Barack Obama – schier aussichtslos erschien: Vor fünf Jahren hat noch keiner in der Partei vom 15-Dollar-Mindestlohn gesprochen, vom Klassenkampf gegen Milliardäre und dem Kampf gegen das Establishment. Und das Wort Sozialismus war ein Schimpfwort. Das ist es in weiten Teilen der Partei noch heute. Das ging vielen dann doch etwas zu weit. Auch deswegen ist Bernie jetzt gescheitert.

Seelentröster gegen Kriegspräsident

Nun kann sich Joe Biden voll auf Trump konzentrieren, was er in den vergangenen Wochen ohnehin schon zunehmend getan hat. Trump hat als Präsident vieles in der Hand. Er wird jetzt an Corona gemessen, an nackten Zahlen: Wie viele Tote? Wie stark bricht die Wirtschaft ein? Wie gut ist das Krisenmanagement? Wie groß das Trauma? Er ist jetzt der Coronapräsident. Trump selber sagt: der Kriegspräsident.
Kann er, der Spalter der Nation, einmal in seinem Leben, im Angesicht einer epochalen Krise, der Versöhner sein? Bei dem Thema hat Biden deutliche Vorteile: Er ist authentisch als Seelentröster der Nation. Er kennt sich mit nationalen Krisen aus. Er hat ein Übermaß an Empathie, nicht zuletzt, weil er selber viele Tragödien erlebt hat. Er nutzt seine Auftritte nicht, um zu beleidigen, um die Nation zu spalten, sondern um sie zu einen.
Biden ist kein perfekter Kandidat, vor allem seine Auftritte sind immer wieder mal erratisch. Aber er ist das Beste, was die Demokraten jetzt aufbieten können gegen den – da sind sich Biden und Sanders einig – gefährlichsten Präsidenten aller Zeiten.
wue

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