Bill Clinton Hillary verbannte Bill auf die Couch


10 Milionen Dollar Vorschuss, 1, 5 Millionen vorbestellte Exemplare: In seinen Memoiren ("My Life") legt Bill Clinton eine Bilanz seiner Präsidentschaft vor. Seine Affäre mit Monica Lewinsky begründet er mit "alten Dämonen" aus seiner Kindheit.

So wurde Clinton der "New York Times" vom Samstag zufolge nach eigenen Angaben angesichts eines turbulenten Familienlebens mit einem alkoholabhängigen, gewalttätigen Stiefvater von Schamgefühlen geplagt und entwickelte daraus resultierend einen Hang zur "Heimlichkeit". Der Ex-Präsident enthüllte weiter, dass er nach dem Eingeständnis des Ehebruchs von seiner Frau Hillary aus dem ehelichen Schlafzimmer verbannt wurde und monatelang lang auf einer Couch im Weißen Haus schlief.

In die Magengrube geboxt

Der Leser erfährt auch, dass Hillary reagierte, als sei ihr in die Magengrube geboxt worden, als Clinton nach seinen langen Lügen schließlich die Karten auf den Tisch legte. Und verständlich, aber gleichwohl wenig beruhigend zu wissen: Die private Misere beschäftigte ihn auch in Zeiten, da er wichtige politische Entscheidungen zu fällen hatte. Unmittelbar nach seinem Geständnis, so schildert Clinton, habe er mehrere Tage damit verbracht, abwechselnd Hillary um Vergebung zu bitten und einen Vergeltungsschlag gegen El-Kaida-Terroristenchef Osama bin Laden wegen der Bombenanschläge von Tansania und Kenia zu planen.

Das Buch enthalte insgesamt wenig Neues, befand am Sonntag Michael Isikoff vom Magazin "Newsweek". Die "New York Times" war weniger schonungsvoll. Ihr Urteil über das Werk, das mit einer Startauflage von 1,5 Millionen Exemplaren alle bisherigen Rekorde für politische Sachbücher gebrochen hat: ein "Mischmasch" aus allem Möglichen, an das sich Clinton erinnere, schlampig geschrieben, selbst beweihräuchernd und über weite Strecken schlicht langweilig. Und damit nicht genug. Die Memoiren spiegelten in vielerlei Hinsicht Clintons Präsidentschaft wider: Auf Grund eines Mangels an Disziplin seien gute Chancen vertan worden, heißt es in der Buchbesprechung, die auf der Seite eins der Sonntagausgabe prangte.

10 Millionen Dollar Vorschuss

Das dürfte den Knopf-Verlag wenig erfreuen, der Clinton einen Vorschuss von über 10 Millionen Dollar zahlte und ohnehin schon verärgert war, dass entgegen Absprachen Vorabexemplare aus Buchläden in die Hände von Journalisten wanderten. Dieses Vorpreschen, so befürchten auch Clintons Berater, könnte eine groß angelegte Werbekampagne für das Buch beeinträchtigen, die in der vergangenen Woche mit der Veröffentlichung kleiner Ausschnitte aus der Audioversion und Vorabauszügen von Clinton-Interviews in verschiedenen Medien begann.

In einem Punkt scheinen sich alle, die das Buch bereits gelesen haben, einig zu sein: Sie finden die Gewichtung der Themen eigentümlich oder auch eigenwillig. So widmet Clinton der "New York Times" zufolge fast 100 der 957-seitigen Memoiren seiner Kindheit. Isikoff von "Newsweek" verweist darauf, dass es 457 Seiten dauert, bis Clinton den Tag seiner Vereidigung als Präsident erreicht.

Sein Stiefvater schlug die Mutter

Zu seiner Kindheit schreibt Clinton, dass er frühzeitig gelernt habe, ein "Doppelleben" zu führen. Er habe gesehen, wie sein Stiefvater seine Mutter geschlagen habe, aber nach außen hin habe seine Familie so getan, als sei alles in schönster Ordnung. So habe er gelernt, mit Geheimnissen zu leben, und das habe sich 1998 gezeigt, als er nach Bekanntwerden der Lewinsky-Affäre seine Frau und Tochter sowie die Nation über Monate weiter belogen habe.

Die Lewinsky-Affäre habe den "dunkelsten Teil" seines persönlichen Lebens in die Öffentlichkeit gebracht, zitiert die Zeitung Clinton weiter. Er habe selbst Abscheu über seine "sexuellen Begegnungen" mit Lewinsky empfunden und sie dann beendet, weil er sich selbst nicht mehr ins Gesicht habe schauen können. Nach einem Jahr intensiver Eheberatung und seinem Freispruch im Amtsenthebungsverfahren habe er sich dann am Ende "befreit" (von seinen "Dämonen") gefühlt.

Gabriele Chwallek, DPA DPA

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